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Denn sie wissen nicht, was sie tun! − Häufige Fehler beim Obstbaumschnitt

Januar 2016 In vielen Gärten sind die Obstbäume in einem schlechten Pflegezustand. In den meisten Fällen geht das auf langjährige, falsche "Überlieferungen" zurück. Sehr häufig werden die Bäume zu groß und werden "gekappt".


Viele Gartenbesitzer wissen nicht, dass die Wuchsstärke eines Obstbaums zum Großteil von der Veredlungsunterlage abhängt.

Das bedeutet, zur Zeit der Planung muss die maximale Baumhöhe feststehen. Wird diese Empfehlung eingehalten, wird einem späteren "Kappen" vorgebeugt.

Baumschulen, die dem Bund deutscher Baumschulen angehören, sind an Qualitätsstandards gebunden. Auf den Etiketten steht nicht nur die Sorte, sondern auch die Veredlungsunterlage. Es empfiehlt sich, Pflanzen aus einer heimischen Baumschule zu kaufen. Der Baumschulgärtner vor Ort weiß, welche Veredlungsunterlagen sich hier eignen.

Eine gute Qualität ist beispielsweise eine zweijährig veredelte, wurzelnackte Pflanze als Busch, Halbstamm oder Hochstamm. Die Pflanze muss mindestens vier kräftige Triebe inklusive geraden Leittrieb besitzen. Die Seitentriebe müssen dem Mitteltrieb deutlich untergeordnet sein.

Bild 1: Anschneiden der Triebe ist falsch!
© Philippe Dahlmann
Bild 1: Anschneiden der Triebe ist falsch!
Ein großes Problem liegt in der späteren Pflege der Bäume. Es hat sich über Jahrzehnte ein Fehler "eingebürgert", der von Generation zu Generation weiter "überliefert" wurde − das Anschneiden. Dabei wird jeder Trieb auf wenige Knospen Bild 1 zurückgeschnitten. Das ist falsch!

Anschneiden ist nur beim Pflanz- und Erziehungsschnitt erlaubt. In Ausnahmefällen sowie beim Formobst darf angeschnitten werden.

Beim Anschneiden werden Triebe entnommen, die später fruchten würden. Der Baum wird zu starkem Wachstum angeregt und die Krone wird dichter. Ein daraus entstehendes Problem ist die schlechte Durchlüftung − Pilzkrankheiten entwickeln sich schneller.


nach obenRichtiger Schnitt

Wichtig bei allen Schnittmaßnahmen ist eine saubere Schnittführung! Es dürfen keine Stummel belassen werden! Ein Einreißen der Rinde darf nicht vorkommen. Beim Pflanzschnitt wird auf Auge (Knospe) geschnitten. Bei der Entnahme von Ästen immer auf Astring schneiden. Der Astring ist meistens durch eine "kleine Wulst" gekennzeichnet Bild 2, diese muss belassen werden. Dadurch sind Abschottung und Überwallung der Wunde besser. Beim Ableiten Bild 3 ist ein Schnitt auf Astring nicht möglich, der Schnitt wird leicht schräg ausgeführt.

Bild 2: Astringschnitt - kleine Wulst neben der Wunde muss stehen bleiben.
© Philippe Dahlmann
Bild 2: Astringschnitt - kleine Wulst neben der Wunde muss stehen bleiben.
Bild 3: Ableiten
© Philippe Dahlmann
Bild 3: Ableiten


Bild 4: Auslichtende Schnittweise
© Sven Görlitz
Bild 4: Auslichtende Schnittweise

nach obenSchnittregeln

Totholz, reibende Triebe und altes − abgetragenes Holz werden herausgeschnitten. Triebe, die nach innen wachsen oder die bereits senkrecht nach unten hängen, werden herausgeschnitten (auslichtende Schnittweise!) Bild 4. Sollten durch vorherige Schnittmaßnahmen, wie Kappen oder Anschneiden, "Wasserschosse" vorhanden sein, wird ein Teil davon entfernt. In vielen Fällen können sich einige dieser Triebe zu Fruchtästen entwickeln. Kleine "Wasserschosse", die an größeren Schnittwunden gebildet wurden, können zur besseren Wundheilung beitragen. Bei starker "Wasserschossbildung" ist ein Juniriss zu empfehlen.

Höhe und Breite eines Obstbaums werden überwiegend durch Ableiten reduziert. Dabei wird ein langer Ast dort entnommen, wo ein kürzerer entspringt.

Durch die auslichtende und ableitende Schnittweise werden die Bäume schonend geschnitten.

Es entstehen keine großen Schnittwunden und die Kronen werden nicht so dicht.

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Anschneiden, Baumschule, Empfehlung, Erziehungsschnitt, Obstbäume, Pflegezustand, Pilzkrankheit, Qualitätsstandards, Wasserschoss, Wundheilung, auslichtende
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