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Grüne Tipps im Januar 2023

Januar 2023 Durch den Klimawandel verschieben sich die Jahreszeiten. Wenn wir die allgemeine Pflanzenentwicklung als Maßstab nehmen, dann ist der Winter in den letzten Jahrzehnten um zwei Wochen kürzer geworden. Wie schön, wenn dadurch die Gartensaison etwas länger geworden ist. Doch leider hat sich an der Unberechenbarkeit der Spätfröste nichts geändert.


Geschafft! Mit Ausdauer und Kraft drängen Schneeglöckchen ans Licht.
© Roth
Geschafft! Mit Ausdauer und Kraft drängen Schneeglöckchen ans Licht.

Nach wie vor müssen wir bis Mitte oder sogar Ende Mai mit Frost rechnen. Wegen des frühzeitigen Austreibens ist die Obstbaumblüte und die frischen Triebe von Beerenobst besonders gefährdet. Kleine Gehölze lassen sich mit Gartenvlies schützen, aber bei ausladenden Kronen und hohen Bäumen sind wir machtlos. Für Tomaten und ähnlich empfindliches Gemüse oder für Sommerpflanzen gilt nach wie vor der späte Pflanztermin nach Mitte Mai als sicherer Schutz vor Frost.

nach obenBlühende Sträucher?

Bereits seit Ende November erfreuen uns die leuchtend gelben Blüten des Winterjasmins (Jasminum nudiflorum). Eine lange Blühdauer und bizarre Blüten zeichnen die Zaubernuss aus. Leuchtend gelb blüht die Chinesische Zaubernuss (Hamamelis mollis). Besonders beliebt ist die Kreuzung aus Japanischer und Chinesischer Zaubernuss (H. × intermedia), die es als gelb und rot blühende Sorten gibt. Ab November begleiten uns die betörend duftenden Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) und des Winterschneeballs (V. × bodnantense). Die erst rosa und dann sich weiß färbenden Blüten sind zart und wirken wie aus Porzellan gemacht. Die Hauptblütezeit dieses halbhohen Strauchs ist im März. Von Dezember bis März überraschen ebenfalls mit starkem Duft die kleinen, attraktiven Blüten der Chinesischen Winterblüte (Chimonanthus fragrans). In voller Blüte ab März, aber vereinzelt schon im Winter, präsentiert sich die Winterkirsche (Prunus subhirtella). Je nach Sorte sind die Blüten weiß oder rosa gefärbt. Attraktiv und zugleich eine willkommene Nahrungsquelle für Insekten ist die Winter-Mahonie (Mahonia × media). Die 20 bis 30 cm langen Blütentrauben bilden einen schönen Kontrast zu den tiefgrünen Blättern. Dieser etwas frostempfindliche Kleinstrauch braucht einen geschützten Standort. Zu den Winterblühern zählt auch der Seidelbast (Daphne mezereum). Es ist ein kleiner, in allen Teilen giftiger Strauch, der auf Trockenheit empfindlich reagiert.

Wenn Blumenbeete im Winter langweilig wirken und es ihnen an Struktur mangelt, bringen Gräser Bewegung und Leichtigkeit in die Anpflanzung. Robust und vielseitig einsetzbar ist das noch wenig bekannte Japanwaldgras (Hakonechloa macra). Seine langen überhängenden und grazilen Blätter bilden je nach Sorte 40 bis 100 cm hohe Graskissen. Die Wildform hat grüne Blätter, die sich im Oktober ockerfarben bis orangebraun verfärben und auch den Winter über attraktiv aussehen. Da das Japanwaldgras relativ spät austreibt, lässt es sich gut mit früh blühenden Zwiebelblumen kombinieren. Denn wenn das Gras mehr Platz beansprucht, ziehen sich die Frühblüher bereits in die Erde zurück. Japanwaldgras ist langlebig. Es wächst in allen normalen Gartenböden und bevorzugt halbschattige Standorte. Pflanzzeit ist von April bis Juni.

Unter den Stauden gehören die Winter- oder Christrose (Helleborus niger) und der Frühlings-Nieswurz (H. × orientalis) zu den bekanntesten Wintergrünen. Weitere Stauden sind bspw. der Garten-Riesensteinbrech (Bergenia cordifolia) mit auffällig großen Blättern, die sich bei Frost rot verfärben können. Groß ist die Auswahl beim Purpurglöckchen (Heuchera). Es gibt mehrere Arten und Sorten mit Laub in verschiedenen Grüntönen, aber auch in Rot, Braun, Bronze oder Silber.

Zu den wintergrünen Gräsern zählen die Gelbrandige Garten-Marbel (Luzula sylvatica), einige Seggen-Arten (Carex) und Schwingel-Arten (Festuca).

Bei den Farnen lohnt ebenfalls die Suche nach wintergrünen Schmuckstücken: Rotschleier-Wurmfarn (Dryopteris erythrosora), Hirschzungenfarn (Phyllitis scolopendrium) und einige Schildfarn-Arten (Polystichum).

nach obenDer Garten, ein Ökosystem

Durchaus eine Zierde – die vertrockneten Blütenstände der Herbst-Anemone (Anemone japonica) aus dem Vorjahr.
© Roth
Durchaus eine Zierde – die vertrockneten Blütenstände der Herbst-Anemone (Anemone japonica) aus dem Vorjahr.
Wurmstichige Äpfel, Maden in Kirschen oder durch Blattlauskolonien verkrüppelte Triebspitzen sind nicht nur ärgerlich, sondern können auch erhebliche Schäden verursachen. Da liegt die Frage doch nah, warum es überhaupt Schädlinge gibt? Ohne sie ginge es uns und den Gartenpflanzen doch viel besser. Allerdings existiert die Einteilung in Nützlinge und Schädlinge nur in unserer menschlichen Denkweise. In der Natur gibt es kein Gut oder Böse, denn alle Lebewesen tragen zum Funktionieren des Ökosystems bei. Da ist die Blattlaus genauso wichtig wie der Marienkäfer und die Brennnessel ist für Schmetterlingsraupen eine unverzichtbare Futterpflanze. Auf den Garten übertragen bedeutet das, je mehr Pflanzen- und Tierarten in ihm leben, desto stabiler ist sein biologisches Gleichgewicht. „Nützlinge“ und „Schädlinge“ werden sich, nur durch seltene Ausnahmen unterbrochen, die Waage halten.

Trotz Artenvielfalt werden wir auch weiterhin in unserem umhegten Garten nicht ganz auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichten können. Sie sollten aber ausschließlich nach den umweltschonenden Regeln des biologischen Pflanzenschutzes durchgeführt werden. Eine wirkungsvolle Maßnahme ist die Beseitigung von Infektionsquellen. Jetzt im Winter, wenn die Obstgehölze ohne Laub sind, fallen die erkrankten Pflanzenteile besonders auf: Entfernen Sie alle Fruchtmumien. Diese verschrumpelten Früchte sind sehr infektiös und übertragen die Monilia-Fruchtfäule oder die Narren- oder Taschenkrankheit. Unumgänglich ist auch das Abschneiden von erkrankten Zweigen. Setzen Sie die Baumschere 30 cm unterhalb der Befallsstelle an. Für einen Befall durch den Obstbaumkrebs ist die rot bis dunkelbraun verfärbte und eingesunkene Rinde typisch. Eingetrocknete und schrumpelige Triebspitzen weisen auf Monilia-Spitzendürre oder Amerikanischen Stachelbeermehltau hin. Verursacher von Schorf- oder Zweiggrind an den Triebspitzen von Birnbäumen ist der Birnenschorf. Weil viele Schaderreger auch an den abgefallenen Blättern überwintern, sollte Falllaub nicht unter den Obstgehölzen liegen bleiben.

nach obenDas steht auch noch an

Das Weißen der Baumstämme verhindert das Aufplatzen der Rinde. Durch die Reflexion der Sonnenstrahlen bleiben die Temperaturunterschiede des Baumstammes so gering, dass keine Frostrisse entstehen. Der Rückschnitt von Obstgehölzen eilt nicht. Beginnen Sie mit den Herbsthimbeeren und schneiden Sie alle Ruten bodennah ab. Beerenobststräucher können Sie im Winter, besser gleich nach der Ernte, auslichten.

Für das Roden oder Absägen eines Baumes haben Sie noch bis zum 30. Februar Zeit. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz gilt diese Frist auch für Hecken, Gebüsch und andere Gehölze, die vom 1. März bis 30. September nicht abgeschnitten oder auf den Stock gesetzt werden dürfen.

Schützen Sie Erdbeerpflanzen bei starkem Frost und fehlender Schneedecke mit Gartenvlies vor Kälteschäden.

nach obenGute Grundlage?

Wie ist es um die Nährstoffversorgung im Gemüsegarten bestellt? Bei Nährstoffmangel oder Nährstoffüberschuss ist eine gesunde Pflanzenentwicklung ausgeschlossen. Erste Hinweise auf den Nährstoffgehalt im Boden geben sogenannte Zeigepflanzen. Das sind Wildkräuter, die nur dort gedeihen, wo ihre spezifischen Bodenansprüche erfüllt werden. Beispielsweise werden nährstoffreiche Böden durch Brennnessel, Distel, Franzosenkraut, Löwenzahn, Melde und Vogelmiere angezeigt. Fehlen dem Boden Nährstoffe, dann wachsen dort verstärkt Gänseblümchen, Hirtentäschelkraut, Hundskamille und Stiefmütterchen. Auf sauren Böden fühlen sich Ehrenpreis, Kleiner Sauerampfer, Hasen- und Sauerklee wohl. Einen hohen Kalkgehalt zeigen Ackerhornkraut, Ackerwinde, Gänsedistel, Klatschmohn und Taubnessel an. Ackerschachtelhalm, Breitwegerich, Gänsefingerkraut, Kriechender Hahnenfuß und Quecke weisen auf verdichtete Böden hin.

Der exakte Nährstoffgehalt lässt sich durch eine chemische Bodenanalyse ermitteln. Entsprechende Analyselabors und eine Anleitung zur Probenentnahme finden Sie im Internet bspw. unter dem Suchbegriff „lufa bodenanalyse“.

Wenn Sie noch Falllaub entsorgen wollen, dann nutzen Sie es als Zudecke für die Rhabarberstauden, möglichst noch bevor der Boden gefroren ist. Die gut isolierende Laubschicht wehrt die Kälte ab, so dass der Rhabarber frühzeitig austreiben wird.

Junge Wegschnecken sind auch in milden Wintern aktiv und fressen an den Blättern von Wintergemüse. Die nur wenige Zentimeter kleinen, schwarzen und an den Sohlen hellbraunen Babyschnecken kommen bei Plusgraden aus ihren Verstecken und verkriechen sich erneut sobald es friert. Bei der Futtersuche sind sie nicht wählerisch. Sie mögen saftiges Grün, aber auch angefaulte Pflanzenteile. Warten Sie mit dem Absammeln der Schnecken nicht zu lange, denn die Tiere wachsen mit steigender Temperatur schnell heran und sorgen früh für Nachwuchs. Auf das Beet ausgelegte Gemüseblätter wirken wie Köder, von denen sie sich bequem einsammeln lassen.

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Blumenbeet, Duftschneeball, Frost, Nährstoffversorgung, Obstbaumblüte, Weißen, Ökosystem
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