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Kohlherniebekämpfung: Interessant, aber nicht uneingeschränkt nachahmenswert!

Juni 2002 Kalk (oder ein hoher pH-Wert) hilft gegen Kohlhernie, der gefährlichsten Krankheit des Kohlanbaus. Das ist bekannt. In großen Mengen scheint er sie sogar ganz totzukriegen.


- Grüne Säulen = befallene Pflanzen - dicke blaue Linie = pH-Wert-Anstieg bei den angegebenen Kalkmengen nach 6 Jahren - blaue gestrichelte Linien bzw. grüner Bereich/Zahl =  optimaler pH-Wert für die Bodenart "schluffiger Lehm"(!)
  • Grüne Säulen = befallene Pflanzen
  • dicke blaue Linie = pH-Wert-Anstieg bei den angegebenen Kalkmengen nach 6 Jahren
  • blaue gestrichelte Linien bzw. grüner Bereich/Zahl = optimaler pH-Wert für die Bodenart "schluffiger Lehm"(!)
Das geht u. a. aus Experimenten hervor, die 1981 bis 1986 in der Versuchsanstalt Langförden durchgeführt wurden. Alljährlich sind dort auf kohlhernieverseuchten Parzellen (schluffiger Lehm) die in der Grafik jeweils angegebenen Branntkalkmengen verabreicht worden. Angebaut wurde im Versuchszeitraum Jahr für Jahr zweimal der besonders anfällige Chinakohl, den man dann auf das Schadbild hin bonitierte. (WEBER, Gemüse 1/1988)

"Viel hilft viel" weiß ein Sprichwort: 6 × 750 g Branntkalk/m2 (= 6 x 75 kg/100 m2!) – und das ohne Kalkung bei 66 % der Pflanzen festgestellte Symptom sank auf 1 %, bei 6 x 1.000 g/m2 sogar auf 0 %.

Im Sommer bei 23 bis 25 °C ist die Infektionsrate am höchsten: Kohlhernie, die gefährlichste Krankheit im Kohlanbau. "Klumpige Form" - hier z. B. am Chinakohl.
© v.E.
Im Sommer bei 23 bis 25 °C ist die Infektionsrate am höchsten: Kohlhernie, die gefährlichste Krankheit im Kohlanbau. "Klumpige Form" - hier z. B. am Chinakohl.

nach obenMögliche Folgen bei zu reichlichen Kalkgaben

Das sind aber die zwei- bis dreifachen Höchstmengen solchen Düngers, die man dieser Bodenart normalerweise jährlich zuführen darf. Deshalb allen Bekämpfungserfolgen zum Trotz: Vorsicht, Vorsicht! Zu reichlich Kalk bedeutet auf vielen (besonders leichteren, weniger stark gepufferten) Böden eine sprunghafte Erhöhung des pH-Wertes. Störungen im Nährstoffangebot und der Bodenstruktur/-fruchtbarkeit sind meistens die Folge. Überhöhte Kalkmengen legen die Pflanzennährstoffe Eisen, Mangan, Zink, Kupfer fest und rufen vielfach entsprechende Mangelsymptome bei den Pflanzen hervor. Auch die Aufnahme von Bor und Phosphat wird in zu hohen pH-Bereichen erschwert. Zuviel Kalk hat daneben "rapiden Humusabbau" zur Folge – lehrte man uns Alte einst; in neuerer Literatur lese ich nichts mehr darüber.

nach obenEinstellung des pH-Wertes

Den Betrachter der Grafik wird nach dem eben Gesagten eines verwundern: 6 × 250 g/m2 Branntkalk reichten nicht aus, um diesen schluffigen Lehm vom Ausgangs-pH-Wert 5,7 in seinen Optimalbereich 7 (6,8 – 7,2) zu "hieven". Es bedurfte fast der doppelten Menge! Eine hinreichend verlässliche Faustzahl für die Gesundungskalkung (die einen "kranken", versauerten Boden wieder gesund und leistungsfähig macht) gibt es nicht. Die Höhe ist von Boden zu Boden unterschiedlich. Nur exakte Bodenuntersuchungen in regelmäßigen Abständen geben Aufschluss über den Bedarf. Bei ihnen wird nach Messung des pH-Wertes im Labor ein Teil jeder Bodenprobe mit einer genau festgelegten Kalkmenge "aufgekalkt". Nach dieser Prozedur verrät ein zweites Messergebnis, wie der Boden auf die genormte Düngung anspricht. Die Differenz beider Werte erlaubt dann anhand spezieller Tabellen eine seinem spezifischen Reaktionsvermögen angepasste Kalkungsempfehlung für den jeweiligen Garten! (So können beispielsweise bei einem Ausgangswert von pH 5,6 und einem pH-Ziel von 6,5 bei einer 20 cm starken Oberbodenschicht aufgrund der geschilderten Untersuchungen je nach "Bodenbeschaffenheit" [Pufferungsvermögen] Branntkalkgaben zwischen 20 und 1220 g/m2 [!] notwendig sein).

"Fingerform" der Kohlhernie an Weißkohl
© Tietze
"Fingerform" der Kohlhernie an Weißkohl

nach obenBewährte Bekämpfungsmaßnahmen

Also keine – in Versuchsanstalten oft sinnvollen (!) – Radikalkuren und keine "Pi-mal-Daumen-Akte" im Garten, sondern Einhaltung bewährter Rezepte:

  • Optimaler (bis leicht erhöhter) pH-Wert bei Kalkung nach Bodenanalyse
  • ausreichender Wasserabzug aus dem Boden (Dränage)
  • gute Bodenlockerung
  • weitgestellte Fruchtfolge
  • Beseitigung befallener Kohlstrünke
  • konsequente Bekämpfung kreuzblütiger Unkräuter
  • Vermeidung zu hoher Stallmistgaben, ggf. richtige(!) Kalkstickstoffanwendung (Perlka, 100 g/m2, 14 Tage Wartezeit bis zur Pflanzung)
  • gesunde Jungpflanzen, insbesondere Topf- statt Ziehpflanzen verwenden
  • nach Möglichkeit Wahl "kohlhernietoleranter" Sorten (Chinakohl)

Das Zusammenspiel dieser Maßnahmen hilft im allgemeinen, der Krankheit einigermaßen wirksam zu begegnen.

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Calciummangel, sehr niedriger pH-Wert: Chinakohljungpflanzen im Torfanzuchtsubstrat ohne Kalk (Kisten vorne links), darumherum mit Kalkzusatz.
Kalkdüngung
Blattchlorose durch Eisenmangel verursacht, aufgrund eines zu hohen pH-Wertes (zu hohe Kalkversorgung). Während die Blattnerven Ihre grüne Farbe behalten, hellt die Fläche zwischen den Nerven stark auf.
Rechtzeitig den Boden mit Kalk versorgen
Wohlfühl-Zuhause

Schlagworte dieser Seite:

Bodenuntersuchung, Kalk, Kohlhernie, kalken, pH-Wert

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