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Wie viele Früchte soll der Baum tragen?

Juni 2002 Das periodische Tragen oder Alternanz nennt man den regelmäßigen Wechsel von Vollertrag und Ausfallsjahr bei Äpfeln und Birnen, gelegentlich auch bei Zwetschgen. Hierzu neigen einige Sorten besonders stark. Dieser Rhythmus setzt meist mit Beginn des Vollertrages ein, ausgelöst durch Blütenfrost oder besonders günstige Befruchtungsverhältnisse.


Langtriebe entstehen meist aus den Endknospen aufrechtstehender Äste in begünstigter Position. Dies können die Baumspitze oder die Nähe von Schnittstellen sein. Kurztriebe findet man im Bereich des Fruchtholzes. Sie sind meist nicht länger als 20 cm.

Als Assimilation bezeichnet der Biologe die Leistung des Blattgrüns aus den im Wasser gelösten Nährstoffen und des Sonnenlichtes. Die bekanntesten Produkte sind verschiedene Zuckerformen und Stärke. Einen Teil dieser Assimilation lagern die Pflanzen in und um die befruchteten Samen an.

nach obenAlternanz

Allgemein freut sich der Gartenbesitzer über eine üppige Blüte seiner Obstbäume. Oftmals eine gute Voraussetzung für eine große Ernte. Doch bei einer Reihe von Apfel- und Birnensorten, besonders auf stark wachsenden Unterlagen, kann das auch einen Pferdefuß haben. Es kann der Beginn des periodischen Tragens werden, jener Erscheinung, bei der eine große Ernte mit meistens kleinen, schlecht ausgereiften Früchten mit einem Jahr ohne Früchte wechselt. Ein unzufriedenstellendes Ergebnis.

nach obenUrsache für die Alternanz

Die Ursache lässt sich erklären: Nach der Befruchtung der Blüten verteilt der Baum die Assimilationsleistung auf die vielen Fruchtknoten. Hierfür steht aber nicht die gesamte Leistung zur Verfügung, denn die Blätter der Langtriebe sorgen nur für das eigene Wachstum. Bei den im Inneren der Krone befindlichen Blättern reicht bei unzureichender Belichtung die Leistung nur für den eigenen Erhalt und die Bildung einer neuen Knospe aus. Es bleibt also nur die Leistung der gutbelichteten Blätter.

Nun benötigt die Bildung neuer Knospen, insbesondere die Bildung neuer Blütenknospen, ebenfalls einen beachtlichen Teil der Assimilationsleistung. Der Baum hat – wie die meisten Geschöpfe – das Bestreben, seine Nachkommenschaft zuerst zu versorgen. Daher unterbleibt bei alternanzgefährdeten Sorten die Bildung der Blütenknospen. Hier liegt der Grund für das periodische Tragen, denn die Bildung der Blütenknospen und die Fruchtausbildung laufen zeitlich parallel.

nach obenWelche Möglichkeiten haben wir regulierend einzugreifen?

Es gibt keine konkrete Handhabe, mit der dieses Problem beseitigt werden kann. Vielmehr müssen wir an mehreren Punkten angreifen:

  • Mit Hilfe des Schnittes kann die Belichtung des Kroneninneren wesentlich verbessert werden. Es ist auch darauf zu achten, dass die Krone nicht überbaut ist.
  • Die Düngung sollte auf den Behang abgestellt werden. Bei gutem Behang darf der Baum entsprechend der höheren Leistung besser versorgt werden.
  • Als aktuelle Maßnahme ist die Ausdünnung des Fruchtbehanges zu nennen. Jetzt, Anfang Juni, kann man bereits die befruchteten Jungfrüchte erkennen. Und dies ist der rechte Zeitpunkt um die Anzahl der Früchte auf die zur Verfügung stehende Blattmasse abzustellen. Als Faustzahl gilt: 40 bis 50 Blätter ernähren eine Frucht und sorgen für ausreichenden Blütenknospenansatz für das Folgejahr. Bei den Blättern darf man natürlich nur diejenigen rechnen, die ausreichend von der Sonne beschienen werden. Die Blätter der Langtriebe versorgen nur sich selbst, deren Assimilationsleistung steht den Jungfrüchten nicht zur Verfügung.

    Zur Vermeidung einer periodischen Fruchtbarkeit ist eine Ausdünnung des Fruchtansatzes vorzunehmen. Linkes Bild: vor der Ausdünnung. Rechtes Bild: Die gleiche Triebpartie nach der Ausdünnung. Lediglich die beste Frucht eines Blütenstandes wurde belassen, sodass, je nach Sorte, alle handbreit eine Frucht sitzt.
    © May
    Zur Vermeidung einer periodischen Fruchtbarkeit ist eine Ausdünnung des Fruchtansatzes vorzunehmen. Linkes Bild: vor der Ausdünnung. Rechtes Bild: Die gleiche Triebpartie nach der Ausdünnung. Lediglich die beste Frucht eines Blütenstandes wurde belassen, sodass, je nach Sorte, alle handbreit eine Frucht sitzt.
    Bei der Ausdünnung bleiben nach Möglichkeit die größten Früchte erhalten, wenn sie frei von Schorf und Schädlingen sind. Die anderen werden weggeschnitten.
    Bei der Ausdünnung bleiben nach Möglichkeit die größten Früchte erhalten, wenn sie frei von Schorf und Schädlingen sind. Die anderen werden weggeschnitten.
    Von einem Büschel junger Früchte entfernen wir die kleinsten. Selbstverständlich haben von Schädlingen befallene Früchte, z. B. durch Apfelsägewespe und Frostspanner, keinen Platz am Baum. Auch schorfbefallene Früchte beseitigen. Bleiben mehr als zwei gute über, so belässt man die beiden größten Früchte. Von diesen zwei kann vielleicht im Laufe der folgenden Wochen noch einmal eine Frucht entfernt werden. Sitzen viele Büschel dicht beieinander, so sollte man den Mut haben, einmal alle Früchte wegzuschneiden.

    Zuerst wird man um das Zählen oder Schätzen der Blätter nicht herumkommen, aber nach einiger Zeit ist es eine Frage der Erfahrung: An einem mit Fruchtholz besetzten Ast wird dann, je nach Sorte, alle handbreit eine Frucht sitzen. Wenn möglich sollte sie direkt im Sonnenschein hängen.

    Bei kleinkronigen Bäumen, Spindeln etwa, lässt sich eine recht einfache Rechnung aufmachen: Bei einer Kronenhöhe von etwa 1,5 m (ohne Stamm) und einer Breite von ca. 1,3 m können gut 120 Früchte verbleiben. Wenn 6 Früchte 1 kg wiegen, bringt der Baum 20 kg Ertrag. Das entspricht einer sehr hohen Leistung, von der ein Erwerbsanbauer als regelmäßige Leistung träumt!

    Also: Versuchen Sie, auch wenn es schwerfällt, die Anzahl der Früchte zu reduzieren! Bei verringerter Anzahl von Früchten und gleichbleibender Blattfläche steigt die Assimilationsmasse je Frucht! Dies ist keine Theorie, sondern jahrzehntelange Praxis im Erwerbsobstbau.

nach obenWann soll ausgedünnt werden?

Grundsätzlich ist der frühestmögliche Zeitpunkt am besten für die Ausdünnung geeignet, denn jede entfernte Jungfrucht ist vergeudete Leistung. Bei sicherem Blütewetter können sogar Blüten entfernt werden. Um den Ertrag zu sichern, können mehrere Ausdünnungen vorgenommen werden.

Beim Kernobst öffnen sich die Blüten zuerst am zweijährigen Holz. Sie sind meistens besser ausgebildet weil ihre Anlage im vorangegangenen Jahr früher begann. Aber auch einjährige Langtriebe können Blüten ansetzen, doch sie gehen 8 bis 10 Tage später auf. Daher fehlen ihnen bei der Ausreife diese Tage und sie bleiben kleiner. Wenn auf diese Früchte verzichtet werden kann, entferne man sie.

Selbst beim Steinobst kennen wir die Alternanz. Da die Blüte früher einsetzt, verursacht Blütenfrost häufig Ausfallsjahre. Dann geraten ausgewachsene Hauszwetschgen, 'Opal' und andere Sorten in die Alternanz. Hier ist es sinnvoll, ganze Blütenbüschel zu entfernen. Dabei kann man mit der Hand kräftig in eine Zone dichter Blüten fassen, um schnell viele Blüten zu vernichten.

Folgende Zahlen sollen die Entscheidung erleichtern: Bei einem durchschnittlichen Blütenbesatz reicht es zu einem normalen Ertrag aus, wenn beim Kernobst 4 bis 5 Prozent und beim Steinobst ca. 20 Prozent der Blüten zur Ernte kommen! Je mehr Blüten vorhanden, je wichtiger ist die Ausdünnung.

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"Besen": Diesem Baum wird jährlich ein "Rasierschnitt" verpasst. Ansonsten würden alle Früchte im Schatten reifen und vermutlich stippig werden.
Gute Fruchtqualität
Hier sind deutliche Unterschiede zwischen der herkömmlichen Form der 'Rubinette' und der rot gefärbten Mutante zu sehen.
Kernobst - Maßnahmen zur besseren Fruchtreife und Ausfärbung
In Vollertragsjahren ist zur Vermeidung einer periodischen Fruchtbarkeit eine Ausdünnung des Fruchtansatzes vorzunehmen; Oben: vor der Ausdünnung. Unten: Die gleiche Triebpartie nach dem Ausdünnen. Lediglich die beste Frucht eines Blütenstandes wurde belassen.
Fruchtbehang regulieren!

Schlagworte dieser Seite:

Alternanz, Apfel, Apfelbaum, Ausdünnen, Birnbaum, Birne

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