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Düngung im Frühjahr

April 2002 Mit dem Erwachen des Frühjahrs im Garten rücken auch die Pflichten wieder in den Vordergrund. Als Pflicht verstehe ich die Sorge um das Wohlergehen der Pflanzen, von denen wir Freude und Genugtuung erwarten. In diesem Zusammenhang steht die Versorgung mit Nährstoffen. Es ist aber nicht damit getan, den Kompostberg breitwürfig zu verteilen oder gar den Düngersack zu öffnen. Wichtiger ist es, sich Gedanken über den Zusammenhang von Niederschlag, Temperatur, Jahreszeit, Auswaschung und Entzug durch die Pflanzen zu machen.


Im Winter sinkt die Aktivität des Bodenlebens auf den Tiefpunkt. Die Zersetzung organischer Substanz nimmt ab und damit werden nur wenig Nährstoffe auf natürlichem Wege freigesetzt. Die Pflanzen entziehen dem Boden kaum Nährstoffe. Aber mit zunehmender Erwärmung zuerst der bodennahen Luftschicht, dann des Bodens, nimmt das Bodenleben zu. Sämlinge keimen in einem noch schwach versorgten Substrat. Ende April, Anfang Mai etwa, wenn der Spargel wächst, steigt die Bodentemperatur auf über 10 °C. Unter diesen Bedingungen läuft die Freisetzung auf vollen Touren bis in den Hochsommer, wenn Hitzeperioden und Trockenheit diesen Vorgang wieder bremsen. Zumindest in der oberen Bodenschicht. Die herbstlichen gemäßigten Temperaturen führen zu einem weiteren Aktivitätshöhepunkt. Die Niederschlagsverteilung ist in Deutschland recht unterschiedlich. Sie reichen von Freudenstadt mit 1.520 mm bis Frankfurt/M mit 604 mm (1 mm = 1 Liter je m2).

Kaliummangel
© May
Kaliummangel

nach obenNiederschlagsverteilung

Annähernd gleich ist aber die jahreszeitliche Verteilung: Die höchste Menge fällt in den Monaten Juli und August, die geringste in den Monaten März und September. Diesen Mengen entsprechend werden dem Boden die Nährstoffe ausgewaschen. Vornan steht der Kalk (CaO), gefolgt vom Magnesium (MgO), Kaliumoxid (K2O) und Stickstoff. Recht beständig verhält sich die Phosphorsäure, ihre Auswaschung ist im Vergleich zu den Vorgenannten gering.

Niederschlagsmengen in 2001 in Langförden

Januar48 mm
Februar63 mm
März69 mm
April77 mm
Mai33 mm
Juni105 mm
Juli68 mm
August79 mm
September187 mm
Oktober41 mm
November74 mm
Dezember105 mm
insgesamt949 mm

nach obenAuswaschungsverluste

Die Höhe der Auswaschungsverluste hängt von der Niederschlagsmenge, der Bodenart, dem Nährstoffvorrat, der biologischen Aktivität und dem Pflanzenbestand ab. Dies hört sich sehr komplex und theoretisch an. In Gartendeutsch übersetzt heißt das: Wenn viele Niederschläge gefallen sind, müssen wir die Nährstoffsituation im Boden überdenken. Sehen wir uns die Niederschläge des vergangenen Jahres für den norddeutschen Raum (gemessen in Langförden) an. Die Sommermonate zeigen keine besonderen Abweichungen von den Durchschnittszahlen, dagegen sind die Niederschläge im September und Dezember Ausnahmeerscheinungen. Sie haben sicher den größten Teil des pflanzenverfügbaren Stickstoffs und analog dazu auch Kali sowie Calcium ausgewaschen.

nach obenWas müssen verantwortungsbewusste Gartenbesitzer tun?

Zuerst sollte eine Bodenuntersuchung vorgenommen werden. Mit einem Spaten sticht man 20 cm tief in den Boden und mit einem Esslöffel kratzt man an der Bodenwand einen Löffel voll je Einstich und mischt alles gut durch. Hierfür werden ca. 300 g Boden benötigt, die aus zwanzig Einstichen stammen. Die Proben untersuchen Institute, die es in allen Bundesländern gibt. Als Beispiele seien genannt:

Labor für gärtnerische Erden, Substrate u. Gießwasser der LWK Weser-Ems
Jägerstr. 23 − 27
26121 Oldenburg

LUFA Hameln
Finkenborner Weg 1A
31787 Hameln
Telefon: 05151/9871-0

Bodenuntersuchungs-lnstitut Koldingen
Ehlbeek 2
30938 Burgwedel
Telefon: 05139/9969-0

Es kann auch sinnvoll sein in einem guten Fachgeschäft nach Untersuchungsmöglichkeiten zu fragen. In ländlichen Gegenden unterhalten auch landwirtschaftliche Genossenschaften und Landhandelsunternehmen Labore für die Untersuchung auf die wichtigsten Nährstoffe. In den meisten Fällen werden die Ergebnisse interpretiert und Düngungsempfehlungen gegeben. Selbstverständlich können auch Komposterden und andere Substrate auf Pflanzennährstoffe untersucht werden. Diese Art der Düngerermittlung ist sicher die genaueste.

Der Humusgehalt ist ein wesentlicher Baustein. Feine Bestandteile zersetzen sich schneller, grobe, Rohhumus genannt, sind stabiler und zerfallen langsamer, tragen aber zur Belüftung bei. Humus ist also auf lange Sicht gesehen der Nährstoffspeicher.

Eine andere beachtenswerte Eigenschaft ist seine Säure. Nennenswerte Kompostgaben können den pH-Wert senken, was durch eine Kalkgabe ausgeglichen werden sollte. Gedanken mache man sich über den "düngenden" Wert des Komposts. In erster Linie dient er der Humusversorgung des Bodens, aus dem mit Hilfe der Bodenlebewesen ein – wie oben besprochen – Nährstoffrückfluss entsteht. Der "düngende" Effekt ist dagegen gering. So enthält reifer Gartenkompost nur einen geringen Anteil pflanzenverfügbaren Stickstoffs. Im Kompost aus Müll- und Klärschlamm liegen die Gehalte an Stickstoff, Phosphat (P2O5), Kali (K2O) und Magnesium (MgO) unter 1 %. Lediglich etwa 5 % Kalk (CaO) werden in der Fachliteratur angegeben. Die Spurennährstoffe sind dagegen reichlich vorhanden.

Ähnlich verhält es sich mit dem Torf. Er wird uns als Düngetorf angeboten. Wenn ihm jedoch keine mineralischen Nährstoffe zugemischt wurden, handelt es sich nicht um einen Dünger, sondern um ein Material zur Humusanreicherung, der praktisch keine pflanzenverfügbaren Nährstoffe besitzt. Nährstoffversorgung kann nur mit Hilfe der bekannten organischen Dünger wie Blut- und Knochenmehl, Peru-Guano, getrockneten Geflügelkot u. a. m. erfolgen.

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Schlagworte dieser Seite:

Auswaschungsverluste, Bodenuntersuchung, Düngung, Humus, Kompost, Niederschlagsverteilung, Niederschläge, Nährstoff, Torf

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