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Der Patient Pflanze

April 2002 Pflanzen sind, wie wir, wie Hund oder Katze auch, lebende Organismen. Sie haben, wie wir auch, ihren Lebenszyklus. Nach der Befruchtung beginnen sie ihr Leben als Embryo. Nach dem Keimen aus den Samen werden sie selbstständig. Sie atmen und ernähren sich, sie wachsen und entwickeln sich. Sie werden reif, um Nachkommen zu bilden. Sie vermehren sich. Sie werden alt und sie sterben.


Die Fähigkeit zu assimilieren, macht die Pflanzen zu noch selbstständigeren Lebewesen, als wir es sind. Das Pflanzengrün (Chlorophyll) ermöglicht den Pflanzen Lichtenergie zu nutzen, um aus der Luft (Kohlendioxid) und aus dem Wasser (durch die Wurzel aufgenommen) Zucker herzustellen. Diese so hergestellte Substanz und die darin gespeicherte, dem Licht abgerungene Energie, wird in der Pflanze für weitere chemische Prozesse genutzt. Die mit dem Wasser aufgenommenen kleinsten Nährstoffpartikel, sogenannte Ionen, werden in der Pflanze wie in einem Chemiewerk mit dem Zucker oder seinen "Umbauprodukten" zu weiteren chemischen Substanzen synthetisiert. Die dafür notwendige Energie ist in den kalorienreichen Zuckerpartikeln gespeichert und wird bei Bedarf behutsam und sehr rationell genutzt.

So baut die Pflanze ihren Körper auf – sie wächst und gedeiht. Sie ist also prinzipiell von uns unabhängig – sie ist Selbstversorger. Wir und andere Tiere sind dagegen, genauso wie die bekanntlich pflanzengrünlosen Pilze, "Schmarotzer". Da wir kein Pflanzengrün besitzen und folglich nicht assimilieren können, sind wir auf inhalt- und energiereiche Nahrungsmittel angewiesen, die entweder direkt oder indirekt (tierische Organismen als Zwischenstufe) den Pflanzen und ihrer Assimilationsfähigkeit zu verdanken sind. Durch den Assimilationsprozess wird nebenbei der Sauerstoff freigesetzt, den wir und die Tiere zum Atmen brauchen. Die Feststellung, dass die Pflanzenbestände "die Lungen der Städte" sind, trifft den Nagel auf den Kopf, obwohl die Lungen den Sauerstoff verbrauchen und das Kohlendioxid als Abfallprodukt ausscheiden. Die Pflanzen dagegen produzieren, obwohl sie auch atmen, unter dem Strich viel mehr Sauerstoff als sie ihn verbrauchen. Dies macht sie auch für uns so unentbehrlich.

nach obenOhne Pflanzen kein Leben

Pflanzen, zumindest die Wildpflanzen, brauchen uns prinzipiell nicht. Wir dagegen können ohne sie nicht existieren.

Das Leben der Kulturpflanzen im Garten, auf dem Feld oder im Wald ist aus dem Gesichtswinkel ihrer Besitzer in erster Linie einem Hauptziel untergeordnet: Sie sollen wachsen, um entweder einen essbaren oder anderweitig nutzbaren Ertrag zu erzeugen oder aber sie sollen unsere ästhetischen, visuellen Bedürfnisse befriedigen – sie sollen zieren. Die Pflanzen, auf die wir als unsere Nahrungsmittel- bzw. Rohstofflieferanten oder als Zierde so angewiesen sind, sind von den gleichen Wachstumsfaktoren wie wir abhängig, und von den gleichen wie wir, werden sie gefährdet. Auch die Schutzmaßnahmen, wie Sie den späteren Folgen noch entnehmen werden, sind denen in der Humanmedizin ähnlich. Die Prinzipien der Ernährung, der Wachstumsförderung, der Pflege, der Gefährdung und die des Schutzes sind nämlich in Pflanzenbau und Pflanzenschutz die gleichen, wie sie in der breit verstandenen Humanmedizin gelten.

© Vividia

nach obenKampf ums Überleben

Da es sich bei Kulturpflanzen um verschiedene, durch Kreuzung und Veredelung hochgezüchtete Sorten handelt, könnten die Exemplare in einem natürlichen Biotop den Konkurrenzkampf um den Standort gegen die "wilden" Lebensgenossen ohne Einbußen sicherlich oft nicht bestehen. Viele könnten vielleicht biologisch überleben. Ihre sortenspezifischen Eigenschaften aber, wie z. B. die typische Gestalt, prachtvolle Blüte, die Fähigkeit, einen großen Fruchtertrag anzusetzen und ihn bis zur Ernte ernähren zu können, Aussehen und Geschmack der Früchte, ein hoher Vitamingehalt sowie vieles andere, müsste geopfert werden.

Wem geopfert werden? Mit welchen Gegenspielern haben die Kulturpflanzen zu kämpfen, lautet die Frage.

Alle die Gartenpflanzen positiv oder negativ beeinflussenden Faktoren kann man, genauso wie die uns beeinflussenden, in zwei Hauptgruppen, nämlich unbelebte und belebte Ursachen, aufteilen. Demnächst befassen wir uns mit den "unbelebten Schadursachen". Schauen Sie mal rein – es lohnt sich.

Lesen Sie auch:
Unbelebte Schadursachen Juni 2002
Bis die Früchte und Blüten überhaupt für uns und vorher vielleicht noch für die schädlichen Lebewesen zur Verfügung stehen können, werden die Pflanzen den unbelebten Wachstumsfaktoren wie Klima, Boden und Chemikalien ausgesetzt.
Belebte Schadursachen Juli 2002
In dieser und in den nächsten Folgen werden alle lebenden, sog. parasitären Schadursachen besprochen. Man unterteilt sie in Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter. Auch hier, Sie werden es merken, sind die Parallelen zu der Humanmedizin nicht zu bestreiten.
Pilzliche Krankheiten August 2002
Pilze sind die bedeutendsten Krankheitserreger unserer Obst-, Zier- und Gemüsegärten. Die relativ geringe Bedeutung der Pilzerkrankungen in der Human- bzw. Tiermedizin ist darauf zurückzuführen, dass es den Pilzen als pflanzlichen Organismen viel leichterfällt, das pflanzliche, also ähnlich gebaute und funktionierende Gewebe anzugreifen und zu zersetzen, als das menschliche bzw. tierische.
Unkräuter April 2003
Wir wollen hier auf keinen Fall den oft wilden Pflanzen im Garten den totalen Krieg erklären. Ganz im Gegenteil. Eine Vielfalt der Pflanzen kann für den Garten sogar nützlich sein. Ein sorgloses, unüberlegtes und ungepflegtes Durcheinander darf aber mit den bewusst angelegten Mischkulturen oder mit einer gepflegten Wiese bzw. einem wohlüberlegten Biotop, im Interesse der Pflanzen selbst, nicht verwechselt werden. Die Pflanzen im Garten können sich ihre Nachbarn nicht aussuchen – deshalb müssen wir korrigierend eingreifen, liebe Gartenfreunde.
Schädlinge Juli 2003
Tierische Schädlinge verursachen bei den Pflanzen Gewebeverluste, sei es durch Saug-, sei es durch Fraßtätigkeit. Es kommt hier nicht auf die Größe des Tieres oder die seiner Mundwerkzeuge an. Die kleinsten Tierchen sind dabei meistens die gefährlichsten, weil sie sich bei günstigen Wetterverhältnissen, ungestört durch Nahrungsknappheit, natürliche Feinde oder den Gartenbesitzer oft in relativ kurzer Zeit zu Millionen vermehren können. Und darauf kommt es an. Der Verlust des Pflanzengewebes durch Fraß- oder Saugtätigkeit ist nicht der einzige, obwohl sicherlich der Hauptschaden. Durch Verletzungen trocknet die Pflanze aus. Die Wunden werden zu Eintrittspforten für die in früheren Folgen beschriebenen Krankheiten. Nachfolgend einige Tiergruppen, die im Garten schädlich werden können:
Pflanzenschutz bedeutet Pflanzen schützen Juni 2004
Der Pflanzenschutz versucht durch geeignete Maßnahmen Schäden durch Krankheitserreger, Schädlinge, Unkräuter und unbelebte Schadursachen an der Pflanze zu verhindern. Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz werden mit Recht unter dem Oberbegriff "Phytomedizin" zusammengefasst und – wieder mit Recht – mit der Human- und Veterinärmedizin auf eine Stufe gestellt. Der "Pflanzenarzt" hat, genau wie der Human- und Tiermediziner, im Prinzip die gleiche Aufgabe: lebende Organismen vor Schäden zu schützen und wenn möglich die Gesundheit seiner Patienten wiederherzustellen.

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Pflanzenschutzvorträge
Schädlinge

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