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Stickstoff – Motor des Pflanzenwachstums

Es wird schnell offenkundig, dass das alleinige Boden-Stickstoffangebot ohne Düngung nicht ausreicht.
Es wird schnell offenkundig, dass das alleinige Boden-Stickstoffangebot ohne Düngung nicht ausreicht.

März 2001 Stickstoff ist ein unerlässliches Nährelement der Pflanze, das von ihr in relativ großen Mengen benötigt wird. Er ist einer der sechs mineralischen Hauptnährstoffe, wesentliches Bauelement des Eiweißes, und weil er besonders das vegetative Wachstum fördert, gilt er als dessen "Motor".

Stickstoffmangel verursacht fahle, hellgrüne Laubfarbe, Wachstumshemmungen bzw. eine schwache Entwicklung der Kulturen; er wirkt sich negativ auf das ganze Stoffwechselgeschehen der Gewächse aus. Zuviel Stickstoff beeinträchtigt die Qualität der Pflanze, verleiht ihr ein weicheres Gewebe und macht sie gegenüber Krankheiten und Schädlingen anfälliger.


Sehr vereinfachte Darstellung des Stickstoffangebots für die Pflanze (Bodenvorrat + organische / mineralische Düngung) in Anlehnung an eine ähnliche Veranschaulichung auf der EXPO-Ausstellung in Kiel-Molfsee.
Sehr vereinfachte Darstellung des Stickstoffangebots für die Pflanze (Bodenvorrat + organische / mineralische Düngung) in Anlehnung an eine ähnliche Veranschaulichung auf der EXPO-Ausstellung in Kiel-Molfsee.
Dieser wichtige Grundstoff ist zwar zu 78 % Bestandteil der Luft, er kann aber in der Gasform von den Pflanzen direkt nicht verwertet werden. Sie nehmen ihn über den Boden auf. Daselbst liegt er in unterschiedlichen Verbindungen vor und ist ebenfalls zu etwa 98 % nicht pflanzenverfügbar. Die restlichen etwa 2 % können sich Wurzeln nur im Zustand von Ammonium und Nitrat aneignen. Beide entstehen bei Abbauprozessen organischer Substanzen auf und im Erdreich (= Mineralisierung; die hellblauen Pfeile in der Zeichnung deuten die daraufhin "verfügbare Menge" an). Im allgemeinen ist Nitrat die Hauptquelle für die Stickstoffversorgung der Pflanze.

Die zwei mineralisierten Formen sind löslich. Das führt auch dazu, dass in erster Linie Nitrat, namentlich auf leichten Böden mit guter Durchlässigkeit, zum Einwaschen in oberflächennahes Grundwasser neigt und damit umweltbelastend werden kann. Überdies entweicht nach Umwandlung ein Teil als Gas (Ammoniak), ein weiterer wird wieder festgelegt, für die Pflanzenaufnahme "gesperrt". Selbst wenn noch eine geringe Menge Stickstoff über die Niederschläge aus der Atmosphäre in den Boden gelangt, bleibt "unterm Strich", dass der jeweils pflanzenaufnehmbare Vorrat dieses Nährstoffes und die Nachlieferung in bzw. aus dem durchwurzelten Bereich für eine zufriedenstellende Kultur der Gemüsearten fast nie ausreichen. Deshalb muss zu jeder von ihnen angemessen gedüngt werden. Ohne Düngung ist das komplexe Netzwerk Stickstoff-Kreislauf nicht geschlossen, zumal obendrein der aufgenommene Nährstoff mit den Ernteprodukten teilweise aus dem Garten fortgeschafft wird.

nach obenStickstoffdüngung

Ertragsverlauf beim Wirsingkohl nach Erhöhung des Stickstoffangebots um jeweils 60 g/10 m². Die Steigerung hörte im Versuch bei 470 g auf. Angesichts der erzielten Ergebnisse zeigt die Trendlinie wie der Ertragsabstieg bei weiteren Stickstoffgaben zumindest rechnerisch aussähe.
Ertragsverlauf beim Wirsingkohl nach Erhöhung des Stickstoffangebots um jeweils 60 g/10 m². Die Steigerung hörte im Versuch bei 470 g auf. Angesichts der erzielten Ergebnisse zeigt die Trendlinie wie der Ertragsabstieg bei weiteren Stickstoffgaben zumindest rechnerisch aussähe.
Neben Stallmist, Kompost, Gründüngung, Ernterückständen und dem einen oder anderen sonst noch verwendeten organischen Düngemittel kommen im Gemüsegarten mineralische Dünger wie Nitratstickstoff (= verschiedene Salpeterdüngemittel; schnell wirkend), Ammoniumstickstoff (= Ammoniakdünger; mäßig schnell wirkend) und gelegentlich Cyanamidstickstoff (= Kalkstickstoff [der in Ammonium und Nitrat umgewandelt wird]; langsam wirkend, genügend Zeit zwischen Ausbringung und Saat bzw. Pflanzung erforderlich) als Einzel- oder in Mehrnährstoffdünger(n) zum Einsatz. Der Pflanze ist das vollkommen egal. Sie unterscheidet nicht zwischen Nitrat/Ammonium aus organischer oder mineralischer Quelle, verarbeitet beide also gleichwertig. Der Gärtner hingegen kann ihr mit der mineralischen Form gezielter beikommen.

Die Höhe der organischen und/oder mineralischen Stickstoffgabe (dunkelblauer Pfeil in der Zeichnung) müsste sich grundsätzlich nach dem Bedarf der Gemüseart (wenigstens nach ihrer Zugehörigkeit zu den "Stark"- oder "Schwachzehrern"), nach der Vorfrucht, dem Humusgehalt des Bodens, dessen Nachlieferungsvermögen, den Niederschlags- und Temperaturverhältnissen richten. Außerdem sollte sie entsprechend der Kulturdauer termingerecht verabreicht werden (Aufteilung in Grund- und ein bis zwei Kopfdüngergaben).

Bodenvorrat und Düngung zusammen (hell- und dunkelblaue Pfeile) machen das "Stickstoffangebot" aus, von dem beispielhaft in der zweiten Zeichnung beim Wirsingkohl die Rede ist. Ist es zu gering, wird der mögliche oder angestrebte Ertrag nicht erreicht, ist es überhöht, wirkt es ertrags-, umwelt- und zuweilen gesundheitsschädlich (gesteigerter Nitratgehalt bei einigen Gemüsearten).

In der Landwirtschaft werden bereits technische Geräte erprobt, bei denen während der Fahrt über das Feld Sensoren vorne am Trecker den momentanen Stickstoffbedarf der Pflanzen ermitteln und ein eventuelles Angebots-Minus am Ende des Traktors genau dosiert vom Düngerstreuer ausgleichen lassen.

Mit solchen Schätzungen und Messungen ist der Freizeitgärtner überfordert. Weil aber auch eine Düngung nach dem Motto "pi mal Daumen" abzulehnen ist, sollte er immer wieder die Düngungsempfehlungen, wie sie – modernen Erkenntnissen angepasst – in manchen neueren Hobbygemüsebaubüchern zu finden sind, beherzigen. Das simplifizierte Buch in der Zeichnung mag daran erinnern. Auch sein Gartenfachberater wird mit ihnen vertraut sein.

Bei alledem darf die Stickstoffdüngung nicht einseitig betrachtet werden. Sie ist in Ausgewogenheit mit Phosphor-, Kali- und Magnesiumgaben durchzuführen. Dazu bieten sich für mit diesen Nährelementen nicht extrem über- oder unterversorgte Böden (Bodenuntersuchung) in idealer Form Mehrnährstoffdünger verschiedenartiger Zusammensetzung an, die den jeweiligen Versorgungsgegebenheiten gemäß im Fachhandel ausgewählt werden können.

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