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Bambus – das müssen Sie wissen

Februar 2021 Er sorgt das ganze Jahr für eine grüne Kulisse. Wir zeigen, auf was es beim Pflanzen und Pflegen ankommt.


© PantherMedia/twixx
Bambus verbinden wir meist mit fernöstlichen Ländern wie China und Japan, wo er eine kulturprägende Pflanze ist. Er wird zum Herstellen von Alltagsgegenständen oder von Musikinstrumenten genutzt, kommt beim Bauen zum Einsatz und spielt auch als Nahrungspflanze eine Rolle. Auch in Südafrika, Mittel- und Südamerika sind die anpassungsfähigen Bambusse heimisch. Die meisten Arten sind im gemäßigten Klima zuhause, diese gedeihen dann auch bei uns am besten.

nach obenEin wenig Botanik

Bambus gehört botanisch gesehen zur Familie der Süßgräser (Poaceae), weshalb er auch deren Eigenschaften besitzt. Deshalb spricht man bei den Trieben zum Beispiel von Halmen, selbst wenn diese so dick sind wie ein Ofenrohr und über 20 m in den Himmel ragen. Den jungen Halm bezeichnet man als Spross. In diesem Zustand sind die einzelnen Teilstücke des Halmes wie ein Teleskop zusammengeschoben. Indem der Halm sich streckt und sich die Teilstücke auseinanderziehen, wächst er in die Höhe – je nach Art innerhalb von Tagen oder Wochen. Im Gegensatz zu Baumstämmen sind die meisten Halme hohl. Stabil werden sie durch die Knoten (Nodien), die in regelmäßigen Abständen den Hohlraum unterbrechen. Je nach Art variiert die Oberflächenbeschaffenheit der Halme von glatt bis rau, die Farben von hellgrün bis dunkelgrün oder sogar gestreift und die Dicke von daumenstark bis armdick.

Im oberen Teil des Halmes wachsen an den Knotenringen die Blätter. Entweder entspringen sie direkt dem Halm oder sitzen an verzweigten oder unverzweigten Ästchen. Die länglichspitz geformten Blätter bleiben das ganze Jahr grün, was den Bambus gestalterisch zu einer interessanten Pflanze macht. Es gibt Spielarten von Grün über Weißgrün bis hin zu Gelbgrün sowie gestreifte Blätter. Auch bei den Größen reicht das Repertoire von wenigen Millimeter kurzen Blättern bis zu Riesenblättern mit 40 cm Länge und 8 cm Breite.

nach obenAusbreitungsfreudig oder zahm?

Schirmbambus Fargesia murielae ‘Simba’ ist relativ „zahm“, da er horstartig wächst.
© iVerde
Schirmbambus Fargesia murielae ‘Simba’ ist relativ „zahm“, da er horstartig wächst.
Unter der Erde verankert sich der Bambus mit seinen unterirdischen daumenstarken Trieben, den Rhizomen, und den Wurzeln. An den Rhizomen sitzen rundliche Knospen, aus denen sowohl die Halme als auch weitere Rhizome wachsen. Man unterscheidet beim Bambus zwei Wuchsverhalten:

  • Ein Horst bildender Bambus (z. B. Fargesia-Arten) bleibt strauchartig kompakt, sieht zierlicher aus und wird kaum breiter als 1,5 m. Er geht nicht auf Wanderschaft, deshalb ist keine Rhizomsperre notwendig.
  • Anders sieht es dagegen bei den ausläuferbildenden Bambussen aus. Ihre Rhizome wachsen in horizontaler Richtung immer weiter. Dem starken Ausdehnungsdrang muss man deshalb unbedingt mit einer stabilen Rhizomsperre Einhalt gebieten, sonst erobert er sich mit der Zeit den Garten. Zu den ausläuferbildenden Bambussen zählen zum Beispiel Phyllostachys-, Pseudosasa-, Pleioblastus- oder Sasa-Arten. Dank des vielen Laubs und der dicken Halme sehen sie sehr dekorativ aus.

Rhizomsperren bestehen aus 2 mm dicken, festen PE-Folien und sind im Gartenfachhandel erhältlich. Achten Sie beim Einbau darauf, dass das Pflanzloch rundherum sorgfältig mit der Folie ausgekleidet wird und die Enden mit einer Spezialschiene verschraubt werden. Es darf kein Schlupfloch für die Rhizome bleiben. Kontrollieren Sie die Sperren etwa alle vier Wochen an der Oberfläche und graben Sie Ausreißer gleich aus.

nach obenKeine Angst vor blühendem Bambus

Als Anfang der 1990er-Jahre der Bambus Fargesia murielae blühte und weltweit alle Nachkommen der Ursprungspflanze, die bis dahin vermehrt wurden, starben, war Bambus in aller Munde. Und seitdem haben viele die Befürchtung, dass den eigene Bambus im Garten irgendwann das gleiche Schicksal erleidet. Aber so schlimm ist es nicht. Je nach Art gibt es verschiedene Blühintervalle, zum Glück in größeren Abständen von mehreren Jahrzehnten. Und nicht bei jeder Art führt die Blüte zum Absterben, sondern lediglich zu einer Schwächung der Pflanze. Phyllostachys- und viele andere Arten blühen beispielsweise in Abständen von 50 bis 70 Jahren, werden durch die Blüte zwar geschwächt, sterben aber nicht ab.

Gelb-grün gestreifte Blätter schmücken den Zwergbambus Pleioblastus auricoma. Er eignet sich für ­einen halbschattigen Platz.
© iVerde
Gelb-grün gestreifte Blätter schmücken den Zwergbambus Pleioblastus auricoma. Er eignet sich für ­einen halbschattigen Platz.
Der 3 bis 5 m hohe Flachrohrbambus Phyllostachys aurea zeigt gelblichgrüne Halme und hellgrüne, gelblich angehauchte Blätter.
© iVerde
Der 3 bis 5 m hohe Flachrohrbambus Phyllostachys aurea zeigt gelblichgrüne Halme und hellgrüne, gelblich angehauchte Blätter.

Bei den Fargesia-Arten gibt es einen Blühzyklus von etwa 80 bis 100 Jahren. Nach dem großen Fargesia-Sterben zur Jahrtausendwende entstand aus den Samen eine neue Bambus-Generation, die nach 80 Jahren wieder zu blühen beginnt. Diese wurden anschließend durch Meristemkultur im Labor schnell in großen Mengen vermehrt und in den Handel gebracht. Diese neuen Sorten begannen schon nach kurzer Zeit wieder zu blühen. Warum, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es sorgte jedenfalls für Verunsicherung unter den Hobbygärtnern, da man nicht wusste, ob man ein blühfestes Exemplar gekauft hatte oder nicht. Mittlerweile vermehren Gärtnereien ihre Fargesia-Arten wieder klassisch durch Teilung von Hand. Sie können also davon ausgehen, dass die heute gekauften Pflanzen erst in circa 80 Jahren blühen.

nach obenWas braucht der Bambus?

Die dunklen Halme des Schwarzrohrbambus (Phyllostachys nigra) bilden einen tollen Kontrast zu den grünen Blättern.
© iVerde
Die dunklen Halme des Schwarzrohrbambus (Phyllostachys nigra) bilden einen tollen Kontrast zu den grünen Blättern.
Grundsätzlich mögen Bambusse helle Standorte. Einige Arten, wie Fargesia-Arten oder Pseudosasa japonica, kommen auch an schattigeren Stellen zurecht. Wählen Sie für Ihren Bambus einen Standort, der windgeschützt ist. Bambus braucht einen lockeren und humosen Boden, der einen guten Wasserabfluss besitzt – nasse Füße verträgt er nicht. Andererseits sollte der Boden eine gute Wasserhaltekraft besitzen, Lehmböden sind ideal. Da es bei stark alkalischen Böden zu einer gelblichen Verfärbung der Blätter kommen kann, achten Sie auf einen pH-Wert um 6,5 (Mess-Sets gibt es im Gartenfachhandel).

Da Bambus aus Gegenden mit hohen Niederschlägen kommt, ist der Wasserbedarf hoch. Sorgen Sie für ausreichend Feuchtigkeit, jedoch ohne Staunässe. Je nach Witterung müssen Sie täglich gießen. Prüfen Sie mit der Fingerprobe, ob die oberste Erdschicht trocken ist, und sorgen Sie dann für Nachschub. Versorgen Sie Bambus im April und August mit einem speziellen Bambusdünger oder mit Kompost und Hornmehl.

Die Kälte im Winter macht Bambus in der Regel nichts aus. Lediglich im ersten Jahr nach der Pflanzung ist ein Winterschutz ratsam. Da Bambus aber auch im Winter über die Blätter Wasser verdunstet, müssen Sie gießen (s. o.). Ist der Boden über längere Zeit gefroren, kann Bambus vertrocknen. Vorbeugend können Sie die Pflanze mit Wintervlies einpacken, um die Verdunstung zu reduzieren. Schneelasten sollten Sie abschütteln, damit die Halme nicht brechen.

Geschnitten wird Bambus übrigens nur aus ästhetischer Sicht, zum Beispiel, um ihn als Hecke niedrig zu halten, für buschigeren Wuchs zu sorgen oder um unschöne Halme zu entfernen. Bei mittelhohen und hohen Bambussen sollten Sie regelmäßig im März alte, trockene und gebrochene Halme bodennah abschneiden. Durch das Auslichten wirkt die Pflanze wieder frisch, luftiger, und neue kräftige Halme können nach wachsen.

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Ausbreitung, Bambus, Fargesia, Knoten, Nodien, Winter, schneiden
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