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Sortenmerkmale

Die „Blasigkeit“ der Blätter ist ein Sortenmerkmal.
© Titze
Die „Blasigkeit“ der Blätter ist ein Sortenmerkmal.

Februar 2001 Gemüsesorten müssen sich durch irgendwelche Merkmale auszeichnen und sich von anderen innerhalb ihrer Art unterscheiden, um überhaupt die Bezeichnung Sorte (= niedrigste systematische Rangstufe bei Kulturpflanzen) für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Was sind nun derlei Merkmale?


Ein Fachzeitungsbericht über das Ergebnis der Prüfung von 16 Spinatsorten regte dazu an, beispielhaft bei dieser Gemüseart einige solcher charakteristischer Kennzeichen aufzuzeigen.

In dem unter denselben Bedingungen durchgeführten Vergleich sind die Entwicklungsgeschwindigkeit (= Schnittreife; grundsätzlich "sehr früh" bis "sehr spät"), die Blattgröße, Blattfarbe, die "Blasigkeit" der Blätter, deren Festigkeit und allgemeiner Eindruck sowie die Ertragsleistung begutachtet worden. Wie im Versuchswesen üblich, wurde nach Zensuren von 1 bis 9 geurteilt. Die Benotung der einzelnen Sorteneigenschaften schwankte z. T. nicht unerheblich, bleibt hier aber unerörtert. Lediglich der Ertrag mag kurz herausgestellt werden. Er ergab im Mittel 24,2 kg/10 m2, differierte jedoch zwischen 19,7 und 30,1 kg. Die ertragreichste Variante brachte demnach 1,5 mal soviel Masse wie die ertragschwächste. Spinatsorte ist eben nicht gleich Spinatsorte!

Mit dieser Bewertung sind aber die einen Anbauer zuweilen interessierenden Kennzeichen der verschiedenen Kulturvarietäten noch keineswegs erschöpft. So fehlen beispielsweise Hinweise auf deren tageslängen-/temperaturabhängigen sicherlich unterschiedlichen Schossbeginn, ihre Eignung für bestimmte Anbauzeiten (Frühjahr, Sommer, Herbst), die Winterfestigkeit, die Widerstandsfähigkeit gegen die wichtigste Spinatkrankheit, den Falschen Mehltau, oder auf die weniger wichtige Samenform (rund- oder scharfsamig). Auch über die inneren Qualitätsmerkmale wird nichts gesagt: den Nitrat- (obgleich die Sortenunterschiede im allgemeinen gering sind) und den größere Schwankungen aufweisenden Oxalsäuregehalt.

Diese männliche Pflanze lässt auf ihren Blättern deutlich den Blütenstaub (Pollen) erkennen.
© Titze
Diese männliche Pflanze lässt auf ihren Blättern deutlich den Blütenstaub (Pollen) erkennen.
Desgleichen wird auf die Geschlechtsverteilung nicht eingegangen. Die meisten Spinatsorten sind nämlich zweihäusig (diözisch). Es gibt bei ihnen getrennte männliche und weibliche Pflanzen, andere sind ganz oder überwiegend einhäusig (= monözisch: männliche und weibliche Blüten befinden sich auf einer Pflanze, wobei das Verhältnis beider Blüten recht unterschiedlich sein kann). Die männlichen und weiblichen Individuen sind in ihrer Gestalt und in ihrem Entwicklungsverlauf und damit oft auch in ihrer Ergiebigkeit voneinander verschieden.

Die Männchen bilden den Blütenstand früher aus ("schießen" also eher) als die Weibchen, so dass die letztgenannten etwa eine Woche und länger erntefähig bleiben. Für den Anbau werden deshalb einhäusige und solche zweihäusigen Sorten, deren männliche Pflanzen wie die weiblichen gut beblättert sind und spät schossen, bevorzugt.

Sie sehen, die charakteristischen Eigenschaften des Spinats sind zahlreich. Sie bieten dem Züchter die Basis für gezielte anbaurelevante erbliche Veränderungen, die ein entsprechend bearbeitetes, neues Produkt auszeichnen könnten, es damit von anderen seiner Art unterschiede und ihm dadurch auf Antrag nach amtlicher, erfolgreich verlaufener Überprüfung durch Zulassung auch rechtmäßig den Rang einer neuen Sorte zubilligen würde.

Nähme man nun beispielsweise den Kopfsalat, die Tomate oder den Blumenkohl genauso "unter die Lupe" wie hier den Spinat, so müsste natürlich zur genauen Beschreibung jeweils ein anderer, artspezifischer Merkmale-Katalog herangezogen werden.

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