Wachstumsgesetze beachten!

© May

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Januar 2001 Alle baumartigen Obstgehölze unterliegen dem Gesetz der Spitzenförderung, d. h. sämtliche steilstehenden Baumorgane (Stamm, Hauptäste, senkrechte Triebe) neigen zu starkem Wachstum. Das kräftige Wachstum der steilstehenden Partien geht auf Kosten der unteren Kronenteile, die nur schwach oder überhaupt nicht austreiben. Bei Unterlassen des Schnittes sind größere Kahlstellen an Stamm und Ästen zu erwarten, die völlig unproduktiv sind.
Vor allem bei starkwüchsigen Baumformen (Busch, Viertel-, Halb-, Hochstamm) muss beim Erziehungsschnitt stets das Gesetz der Spitzenförderung Beachtung finden. Weisen Stamm und Äste die genannten Kahlzonen auf, war der Anschnitt zu lang und muss kürzer erfolgen. Die ideale Länge kann nur durch Experimentieren ermittelt werden, da die Obstarten und -sorten auf den einzelnen Standorten sehr unterschiedlich reagieren. Deshalb ist es für die Leitäste wichtig, dass sie im Verhältnis zum Stamm nicht einen zu steilen Abgangswinkel (60° ist optimal) haben, den man an unverholzten Trieben durch Abspreizen (zu enger Winkel) oder Aufbinden (zu flacher Winkel) erreicht.

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Bäume, die bereits im besten Ertrag sind, müssen ständig neues leistungsfähiges Fruchtholz bilden, was am besten durch die Anwendung des "Kippschnittes" gefördert werden kann. Unter der Fruchtlast sinken die Tragäste bogenförmig ab. Auf dem Scheitel des Bogens entstehen, falls der betreffende Baum genügend wüchsig ist, kräftige Austriebe. Hiervon belässt man einen und hat dann einen gut verjüngten Fruchtzweig. Sehr schnell kippt der steilstehende Trieb aufgrund des Fruchtgewichtes ab und "das Spiel beginnt von Neuem".
Insbesondere an Schlanken Spindeln besteht die Möglichkeit, dass der Fruchtast an seiner Ansatzstelle (Basis) bogenförmig nach unten sinkt. Jetzt ist die Ansatzstelle des Triebes der Scheitelpunkt auf dem ein Neutrieb entsteht, auf den man unter Entfernen des abgetragenen Zweiges ableiten kann.
Stärkere Triebe, die mit überaltertem Fruchtholz versehen sind, aber nicht absinken, müssen durch Einkürzen verjüngt werden. Beim Kernobst sollte das Fruchtholz nicht älter als zwei bis drei Jahre werden.
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