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Vagabunden:
Wenn Pflanzen auf Wanderschaft gehen

September 2019 Zahlreiche Gartengewächse verbreiten sich durch Selbst­aussaat. Dabei können an unerwarteten Stellen spannende neue Blütenfarben entstehen. Oder jede Menge Sämlinge, die dann als „Unkraut“ zu rupfen sind. Auf die Art kommt es an. Lernen Sie Ihre pflanzlichen Mitgestalter kennen!


Rosa Busch-Malven, Blut-Weiderich, Knäuel-Glockenblume
© GMH/Bettina Banse
Rosa Busch-Malven, Blut-Weiderich, Knäuel-Glockenblume

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Ihr Garten Ihnen Vorschläge unterbreitet? Da taucht etwa eines Jahres ganz von selbst eine Buschmalve im Staudenbeet auf und verwebt ihre Blütenstände über die Wochen malerisch mit denen des Blut-Weiderichs. Einen solchen Traum kann man fast nicht pflanzen. Eher darauf hoffen. Oder ein Auge dafür entwickeln, wie der Garten sich in die Gestaltung einmischt. Er hat ­nämlich viele Überraschungen parat.

Gründe dafür, dass Gewächse dort erscheinen, wo kein Mensch sie hingepflanzt hat, gibt es mehrere. Der einfachste: Manche Arten versamen sich leicht, und zuweilen sogar reichlich. Andere, wie Taubnessel, Lerchensporn, Veilchen, Knautien, Vergissmeinnicht und Flockenblumen, nutzen zusätzlich das Ameisen-Taxi zur Verbreitung. Oder den Wind, wie Disteln, Reiherschnabel, Küchenschellen und Heidekraut.

nach obenNeue Ideen oder Beetwechsel? Ja, Bitte!

Einige kurzlebige Stauden, die oft als Zweijährige gelten, bleiben dem Garten ohne unser Zutun nur über Selbstaussaat erhalten. Akelei und Fingerhut gehören genauso dazu, wie Stockrose, Wiesen-Margerite, Nachtviole, Spornblume, Heide-Nelke, Malven und Königskerzen. Je naturnaher die Arten sind, desto eher ähnelt der Nachwuchs seinen Eltern. So bringt weißer Fingerhut nach Jahren der Selbstaussaat bisweilen mehr und mehr rosafarbene ­Sprösslinge hervor. Der Grund: Bestäuberinsekten mischten Pollen der rosa blühenden Ursprungsform aus der Umgebung ins weiße Erbgut.

Im großen Sortiment langlebigerer Stauden finden sich ebenfalls einige Arten, die sich bei eher mäßiger Selbstaussaat nicht oder kaum verändern, zum Beispiel die auf diesen Seiten abgebildeten Pflanzen, desgleichen Duftnessel, Prachtkerze, Karthäuser-Nelke, Spanisches Gänseblümchen, Island-Mohn, Federgras, ­Mutterkraut und Hohes Eisenkraut.

Sterndolde, Storchschnabel
© GMH/Annemarie Eskuche
Sterndolde, Storchschnabel
Purpur-Leinkraut
© GMH/Bettnia Banse
Purpur-Leinkraut

nach obenVorsicht bei Massenproduktion!

Die selbstständige Verbreitung durch Samen geht dagegen bei Schafgarben, Phlox und Staudenlupinen häufiger buchstäblich ins Auge: Statt der sorgfältig gewählten Blütenfarben öffnen die Nachkommen ihre Knospen zu einer bunten Mischung. Das sieht mal gut aus, oft aber nicht. Natürlich könnten Sie abwarten, ob etwas dabei ist, das Ihnen gefällt. Allerdings ist dies nur ratsam, wenn Sie selbst unter die ­Züchter neuer Sorten gehen möchten, und zwar der schieren Menge wegen: Diese Stauden verbreiten sich durch Massen an Samen. Berüchtigt für diese großzügige Produktion an Nachwuchs sind außerdem Frauenmantel, Kaukasus-Vergissmeinnicht, Stauden-Glockenblumen, Steppenkerze, Jakobsleiter, Goldrute und Dreimasterblume. Unter den Küchenkräutern zählen ­Zitronenmelisse, Majoran und Pimpinelle zu den fleißigen Aussamern. Das Ergebnis kann richtig lästig werden!

Purpur-Sonnenhut
© Efraimstochter/Pixabay.com
Purpur-Sonnenhut
Brandkraut
© KRiemer/Pixabay.com
Brandkraut

nach obenDer Gärtner als Moderator

Damit Ihnen das nicht passiert, nutzen Sie das Potenzial der zurückhaltend vagabundierenden Pflanzen und weisen Sie die „Übergriffigen“ gleichzeitig in ihre Schranken. Es geht leichter, als es klingt. Lernen Sie nach und nach die Sämlinge der verschiedenen Arten kennen, um sie von Unkraut zu unterscheiden. Beim Kauf neuer Gartenschätze fragen Sie gleich, wie es bei diesen hinsichtlich der Selbstaussaat steht. Bald vermögen Sie immer gezielter einzugreifen!

  • Kurzlebige und unproblematische Stauden lassen Sie achtsam gewähren. Sie suchen sich von selbst die ­Stellen, die ihnen am besten gefallen. Daraus ergeben sich nicht selten verblüffend attraktive Gartenbilder. Es macht richtig Spaß, sich davon überraschen zu lassen!
    Was ­Ihnen ­zuviel wird oder nicht gefällt, ist im Nu weg­gerupft. Oder an einen passenderen Ort umgepflanzt.
  • Bei den Massenproduzenten schneiden Sie die Blütenstände ab, bevor die Samen ausreifen. Schon ­haben Sie deren Ausbreitung im Griff. Bei vielen gibt's dafür einen Bonus obendrauf: Die Pflanzen ­treiben kräftig und gesund wieder aus. Bei einigen, wie Knäuelglockenblume, Frauenmantel und Monarden, beugt der Handgriff sogar Pflanzenkrankheiten vor. Und Flockenblumen, Storchschnabel, Wiesenknautie, Lavendel, Katzenminze und Steppen-­Salbei belohnen ihn mit einer zweiten Blüte.

Je nachdem, wie viele Exemplare einer Art im Garten stehen, entlassen Fingerhut, Königskerze etc. ebenfalls zu viele Samen in die Beete. In diesem Fall schneiden Sie einige Blütenstände nach dem Verwelken ab und lassen nur die Pflanzen stehen, die Ihnen am besten gefallen.

Akelei zeigt gerne Farbvarianten.
© GMH/Bettnia Banse
Akelei zeigt gerne Farbvarianten.
Fingerhut
© pasja1000/Pixabay.com
Fingerhut

Rosen, Stauden, Buchshecken und Rasenwege – eine solche Kombination spiegelt den Charme englischer Gartengestaltung wider.
Obstgarten wird Cottage-Idyll
Bild 1: Phlox mit lila und weißem Flieder
Gartenfreude für die Vase
Beispiel eines Heidegartens für größere Hausgärten: mit vielen verschiedenen Heidekrautsorten, dazu Wacholdersäulen, Birken, Park- und Wildrosen, Teich und Findlingen. Gärtner müssen regelmäßig zur Schere greifen und die Triebe zurückschneiden.
Heidegarten

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Blut-Weiderichs, Blütenstände, Disteln, Heidekraut, Küchenschellen, Lerchensporn, Phlox, Schafgarben, Taubnessel

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