Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Gemüse > Gemüse - Kohl > Kohl – ein Beispiel für Evolution, Züchtung und Anbauweise

Kohl – ein Beispiel für Evolution, Züchtung und Anbauweise

Wildkohl Brassica oleracea …
© Titze
Wildkohl Brassica oleracea

Januar 2001 Innerhalb der Evolution stellen – nach Konrad Lorenz – Mutation (sprunghafte, zufällige Erbveränderung) und Selektion (Auslese) die Konstrukteure des Artenwandels dar. Sie "betätigten" sich im Gemüse-Bereich z. B. besonders eindrucksvoll beim Wildkohl und hinterließen uns eine ansehnliche Varietäten-Palette.


Soweit diese den botanischen Namen Brassica oleracea var. … trägt (das sind z. B. der Grün-, Kopf-, Rosen-, Blumenkohl, Brokkoli und Kohlrabi), gehen verschiedene Wissenschaftler davon aus, dass sie von der Art Brassica oleracea (s. Foto) abstammt. Die einst so "mutationsfreudige" Pflanze kommt heute noch an den Küsten des Mittelmeeres und des Atlantischen Ozeans, aber auch auf Helgoland vor.

Das Wild-Gewächs ist gekennzeichnet durch lockeren Wuchs, gestielte, am Rande mehr oder weniger gewellte, graugrüne, kräftige, fleischige Blätter und lange, reich besetzte Blütentriebe.

nach obenMutation, Selektion

Im Entwicklungsprozess entstand nun durch mutative Reduktion der Seitenknospen z. B. der Grünkohl. Er sieht der Ausgangsform noch am ähnlichsten. Aus einer Verzweigungs-Umbildung des Küstengewächses heraus formte sich der Rosenkohl mit seinen knospenartigen "Sprossen" (auch Sprossenkohl genannt). Die Verkürzung der Internodien (das sind die blattlosen Abschnitte zwischen zwei Blatt- oder Sprossknoten) führte zur "Geburt" des Wirsing-, Rot- und Weißkohls. Deren Innenblätter sind zu runden oder zugespitzten Kopfformen geschichtet. Eine Abweichung des Blütenstandes brachte den Blumenkohl hervor. Der dichte, reich verzweigte Blütenstand der Wildpflanze ist bei ihm zu einer fülligen, meist weißlichen Masse umgestaltet worden. Sein entwicklungsgeschichtlicher Vorgänger, der Brokkoli, ist ihm ähnlich; dessen fleischige Blütenstände sind aber meist wesentlich lockerer angeordnet. Und auf eine Verdickung des Haupttriebes ist schließlich die Entstehung des Kohlrabis zurückzuführen. Sein beblätterter Spross mauserte sich zur typischen Sprossknolle. Die Selektion (im Sinne geglückter Anpassung) ermöglichte ihr aller Überleben. Wie viele andersartige Mutanten ihr nicht standhielten und "auf der Strecke" blieben, werden wir wohl kaum erfahren.

Soweit stichwortartig der Entwicklungsprozess der Unterarten, der sich im Verlaufe eines jahrhunderte-, ja jahrtausendelangen Zeitraumes vollzog, wobei sich die einzelnen von ihnen unterschiedlich früh oder spät (Kopfkohl evtl. schon seit rd. 3000 v. Chr., Rosenkohl wahrscheinlich frühestens seit etwa 1200/1300 n. Chr.) herausbildeten.

nach obenZüchtung

… und was aus ihm durch Mutationen und Selektion geworden ist (aus: Wissensspeicher Biologie, Berlin 1979)
© Titze
… und was aus ihm durch Mutationen und Selektion geworden ist (aus: Wissensspeicher Biologie, Berlin 1979)
Die Evolution leistete quasi ungerichtete "Grobarbeit" und lieferte das vielgestaltige "Rohmaterial" (s. exemplarisch die Kohlrabipflanze aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die allerdings mutmaßlich auch schon ausgelesen worden war).

Später reifte die Züchtung durch den Menschen zum gezielten, wissenschaftlich untermauerten Schaffen heran. Sie fand zunächst nur in Form der Auslese statt, die anfangs vielleicht noch unbewusst durchgeführt worden sein mag. Vom 19. Jahrhundert an aber wurde sie dank systematischer Untersuchungen (Gregor Mendel 1822 – 1884; Begründer der neuzeitlichen Vererbungsforschung) methodisch als Neu- bzw. Verbesserungszüchtung betrieben.

Unaufhörlich entstanden und entstehen neue, hochwertigere, leistungsfähigere, weniger krankheitsanfällige Sorten bei allen "Arten" – ein Prozess, der kein Ende nehmen wird, solange Kohl "in" bleibt.

nach obenAnbauweise

Doch Entwicklungs- und Zuchtfortschritte allein genügen nicht. Die geeignete Art, die beste Sorte, nützen wenig, wenn die Kulturarbeiten an der Pflanze nicht mit deren Bedürfnissen übereinstimmen. Richtige Standortwahl, Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Pflanzenabstände, Düngung, Bewässerung, richtiger Aussaat-/Pflanztermin, Pflanzenschutz, termingerechte Unkrautbekämpfung, Pflegemaßnahmen u. a. beeinflussen den Stand der Aufzucht, die Erntehöhe und -qualität entscheidend.

Vielleicht erinnern Sie sich noch der fotografischen Gegenüberstellung zweier Rosenkohlbestände – einer aus dem Hausgarten, der andere aus dem Erwerbsanbau – in Heft 12/1997 dieser Zeitschrift. Krasser konnte der Gegensatz kaum sein. Er bewies überzeugend die Notwendigkeit richtiger pflanzenbaulicher Maßnahmen für einen zufriedenstellenden Anbauerfolg als konsequente Draufgabe zu Evolution und Züchtung. Und das gilt für alle Gemüsearten.

Bild 1: Butterkohl
Kühle Köpfe: Seltene Kohlspezialitäten
Ein prima Vorratslager wird in der Zeit ab November bis Ende Dezember das Frühbeet für Wurzelgemüse, Porree, Kohl.
Letzte Erntearbeiten im Gemüsegarten
Verschiedene Formen des „Randens“ lassen sich beim Kopfsalat beobachten, aber nicht immer ganz eindeutig abgrenzen.
Blattrandschäden an Kopfsalat und Kohl

Schlagworte dieser Seite:

Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Kohl, Kohlrabi, Kopfkohl, Rosenkohl

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (0)

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2019

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de