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Kinderstube gesucht!

Juli 2018 Wildbienen sind die neuen Lieblinge unserer Nation. Gut so! Tatsächlich fehlen geeignete Nistmöglichkeiten. Viele käuf­liche „Insektenhotels“ verbessern die Situation leider nicht wesentlich: Sie gefallen dem menschlichen Auge, gehen jedoch großteils an den tatsächlichen Bedürfnissen der Tiere vorbei.




nach obenWas Wildbienen sich wünschen

Solides Bienenhaus mit Hartholz und Pappröhrchen.
© Neudorff
Solides Bienenhaus mit Hartholz und Pappröhrchen.


Rund 580 verschiedene in Deutschland lebende Wildbienen-Arten sind bekannt. Etwa ein Viertel davon sucht schmale Röhren, um darin ihre Kinderstuben einzurichten. In der ­Natur nutzen sie von Käfern in Totholz vorgebohrte Gänge, andere nagen sich die Röhren selbst in morsches Holz. Wieder andere graben sich in Lösswände. Leere Schneckenhäuser, Schilfstängel (zum Beispiel an Reetdächern) oder abgeknickte, markhaltige Stängel von Distel, Brombeere oder Königskerze – alles ist für diese Wildbienen von Interesse. Verständlich, dass Kiefernzapfen, Borkenstücke, Holzwolle, Heu und Mauerziegel sie nicht glücklich machen können!

Bild 4: In diesen Röhren legen die angehenden Wildbienenmütter für ihren Nachwuchs Kammern mit Lehmwänden an.
© Ra Boe/Wikimedia Commons
Bild 4: In diesen Röhren legen die angehenden Wildbienenmütter für ihren Nachwuchs Kammern mit Lehmwänden an.
In diesen Röhren legen die angehenden Wildbienenmütter für ihren Nachwuchs Kammern mit Lehmwänden an Bild 4. Es ist faszinierend, diesen Vorgang zu beobachten! Jedes Tier schlüpft vorwärts hinein, um den gesammelten Nektar in der aktuellen Kammer zu deponieren. Kommt heraus, dreht sich um, parkt rückwärts wieder ein, um die an Bauch bzw. Beinen haftenden Pollen abzustreifen und mit dem Nektar zu ver­mischen. Ist der Vorrat groß genug, legt sie ein Ei darauf, verschließt die Kammer mit einer Zwischenwand aus Lehm und beginnt mit der nächsten. Die allerletzte ­Kammer vor dem endgültigen Nestverschluss bleibt leer, damit hungrige Vögel auf der Suche nach Larven buchstäblich in die Röhre gucken.

nach obenGelungene Beispiele für Nisthilfen

Diese Nisthilfe war mit gebohrten Astabschnitten und Schilf gefüllt.
© Silke Kluth
Bild 1: Diese Nisthilfe war mit gebohrten Astabschnitten und Schilf gefüllt.
Bild 1 Diese käufliche Nisthilfe war mit gebohrten Astabschnitten und Schilf gefüllt. Experten sehen Astabschnitte nicht gerne, da sie Risse bilden und so die Brut offen liegen könnte. Bei kleinen Durchmessern ist das jedoch selten ein Problem. Die Schilfstängel waren leider arg zerdrückt und zerfasert. Sie wurden durch verholzte, zurechtgesägte Stängel des Japanischen Staudenknöterichs ersetzt. Schilfstängel, Bambus- oder Pappröhrchen wären gute Alternativen gewesen. Hauptsache, sie sind ungefüllt und am hinteren Ende verschlossen. Dafür schneiden Sie die Stängel direkt unterhalb eines Knotens, oder verstopfen das Loch mit Lehm oder Watte. Sehr wichtig: Die Eingänge, ob Röhrchen oder Bohrloch in Hartholz, ­müssen sauber und faserfrei geschnitten bzw. geschliffen sein. Sonst nehmen die Wildbienen sie nicht an.

Bild 2 Selbstverständlich dürfen taugliche Nisthilfen dekorativ sein. So wurde diese Dose mitten in einer Glockenblumen-Blende, mit Bambusröhren und einem Astabschnitt mit Bohrlöchern, gefüllt. Blechdosen und Tetrapaks sind ideale Behältnisse für Niströhrchen, die 10 – 20 cm lang sein und einen Durchmesser von 3 – 10 mm haben sollten.

Bild 2: Selbstverständlich dürfen taugliche Nisthilfen dekorativ sein.
© motivjaegerin1/Fotolia.com
Bild 2: Selbstverständlich dürfen taugliche Nisthilfen dekorativ sein.
Bild 3: Wildbienen, die markhaltige Stängel bevorzugen, sind es gewohnt, dass diese aufrecht oder schräg stehen.
© Silke Kluth
Bild 3: Wildbienen, die markhaltige Stängel bevorzugen, sind es gewohnt, dass diese aufrecht oder schräg stehen.

Bild 3 Wildbienen, die markhaltige Stängel bevorzugen, sind es gewohnt, dass diese aufrecht oder schräg stehen blieben, wenn z. B. der obere Teil abgeknickt wurde. Waagerecht gelagerte Stiele werden zwar auch angenommen, aber nicht so gerne, wie der Brombeerstecken-„Strauß“ im Bild. Die Bienen räumen das Mark aus, bevor sie ihre Kammern darin anlegen. Im Winter picken Vögel daran, um an die Bienenlarven zu kommen. Ein da­rüber gestülpter Stoffbeutel schützt die Insekten davor.

nach obenBloss die blüten nicht vergessen!

Natürlich nützen alle Ihre Bemühungen um Nisthilfen nichts, wenn Wildbienen nichts zu Fressen haben. Pflanzen Sie in Ihrem Gartem einheimische Arten, von denen möglichst immer welche blühen, von März/April bis in den August/September.

Die Gelbbindige Furchenbiene Bild 5, Wildbiene des Jahres 2018, beispielsweise sucht von Ende April bis in den September Korbblütler auf wie Witwenblume und Flockenblume.

Bild 5: Die Gelbbindige Furchenbiene ist Wildbiene des Jahres 2018.
© Ra Boe/Wikimedia Commons
Bild 5: Die Gelbbindige Furchenbiene ist Wildbiene des Jahres 2018.
Bild 6: Pflanzenhaare schaben sich Wollbienen von Woll-Ziest oder Fingerhut, um ihre Nester zu polstern.
© deutschland-summt.de/Hans-Jürgen Sessner
Bild 6: Pflanzenhaare schaben sich Wollbienen von Woll-Ziest oder Fingerhut, um ihre Nester zu polstern.

Pflanzenhaare schaben sich Wollbienen Bild 6 von Woll-Ziest oder Fingerhut, um ihre Nester zu polstern, die sie in Erd­löchern, Fels- oder Holzspalten anlegen.

Die Rotschopfige Sandbiene Bild 7 ist von April bis Juni unterwegs. Sie sei hier stellvertretend genannt für die drei Viertel der heimischen Arten, die im Boden nisten. Eine Lücke im Rasen oder ein nacktes Stück Erde können als Brutplatz dienen. Noch wichtiger aber ist ein reiches Blütenangebot.

Bild 7: Die Rotschopfige Sandbiene nistet im Boden.
© Rolf Dietrich Brecher/Wikimedia Commons
Bild 7: Die Rotschopfige Sandbiene nistet im Boden.
Bild 7a: Die Sandbiene benötigt ein reiches Blütenangebot.
© deutschland-summt.de/Hans-Jürgen Sessner
Bild 7a: Die Sandbiene benötigt ein reiches Blütenangebot.

So hat jede Art ihre Eigenheiten. Je spezialisierte sie ist, desto gefährdeter.

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Biene, Nachwuchs, Nisthilfe, Wildbiene

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