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Pflanzenwurzeln – Leben im Verborgenen

Vielfach eilt im jüngsten Stadium der Gewächse das Wurzelwachstum der oberirdischen Entwicklung voraus (hier bei Möhren).
Vielfach eilt im jüngsten Stadium der Gewächse das Wurzelwachstum der oberirdischen Entwicklung voraus (hier bei Möhren).

Dezember 2000 Normalerweise leben die Wurzeln unserer Gemüsearten dem Lichteinfluss entzogen und vor extremen Temperaturschwankungen geschützt im Boden, versteckt, unseren Blicken ferngehalten. Deshalb kommt ihnen meistens eine geringere Beachtung zu als den oberirdischen Pflanzenteilen. Weil viele zu wenig über sie wissen, soll hier einiges kurz anklingen.


Abgesehen von bestimmten "Spezialisten" unter ihnen (z. B. Luft-, Atem-, Haftwurzeln) stellen die Wurzeln die Verbindung der Pflanze mit dem Boden dar. Sie dienen ihrer Verankerung, der Wasser- und Nährstoffaufnahme, der Weiterleitung von Nährlösungen zu den oberirdischen Teilen und oft der Speicherung von – auch für uns direkt verwertbaren – Reservestoffen (z. B. in Wurzelumbildungen wie bei Roter Rübe, Meerrettich, Möhre, Rettich, Schwarzwurzel).

In den jüngsten Stadien der Gewächse eilt das Wurzelwachstum der oberirdischen Entwicklung deutlich voraus. Das geschieht, um die Wasserversorgung der Pflänzchen zu gewährleisten. Danach bilden Hauptwurzeln und Nebenwurzeln verschiedenen Grades ein verzweigtes artspezifisches Geflecht. Seine gute Entwicklung ist Grundbedingung für erfolgreiches Pflanzenwachstum.

Durchwurzelungstiefe bei tiefgründigen Böden*

30 cm
(Flachwurzler)
60 cm
 
90 cm
(Tiefwurzler)
  • Kopfsalat
  • Erbsen
  • Fruhjahrsspinat
  • Feldsalat
  • Kohlrabi
  • Radies


  • Kartoffeln
  • Porree
  • Sellerie
  • Blumenkohl
  • Brokkoli
  • Buschbohnen
  • Endivien
  • Frühkohl
  • Spätkohlarten
  • Rosenkohl
  • Spargel





*nach Scharpf 1991
"Die Gemüsearten besitzen aus einsichtigen Gründen in den Pflanzenreihen immer deutlich höhere Wurzelmengen als im dazwischen liegenden Raum" (v. Hößlin). Beschädigungen des Wurzelwerks wirken sich nachteilig auf Wuchs und Ertrag der Gewächse aus. Umwelteinflüsse (z. B. Wasserhaushalt, Bodenfestigkeit, Pikieren, Einkürzen, Kultur in Töpfen) verändern gemeinhin sein charakteristisches Bild.

Die durchschnittliche Durchwurzelungstiefe schwankt je nach Gemüseart. Meistens aber reicht ein Teil von ihnen weiter hinab als in der Übersicht angegeben, z. B. bis etwa 200 cm beim Spargel oder auch bis zu 120 cm beim Kopfsalat in Gewächshäusern bzw. bis 140 cm beim Kohlrabi im Freiland. Auch wenn er 54 bis 80 % des Wurzelanteils in der oberen 0- bis -20-cm-Schicht feststellte, rechnete v. Hößlin die meisten seiner 15 untersuchten Gemüsearten doch den obligaten Tiefwurzlern zu. Das verdeutlicht die Notwendigkeit einer ausreichenden Bodenlockerung.

Aus dem keimenden Samen tritt als erstes Organ die Primärwurzel. Sie erzeugt in fortschreitender Folge Seitenwurzeln erster, zweiter, dritter ... Ordnung, wie hier bei der Schwarzwurzel (I), dem Blumenkohl (II) und dem Paprika (III). (Aus Rauh 1950)
Aus dem keimenden Samen tritt als erstes Organ die Primärwurzel. Sie erzeugt in fortschreitender Folge Seitenwurzeln erster, zweiter, dritter ... Ordnung, wie hier bei der Schwarzwurzel (I), dem Blumenkohl (II) und dem Paprika (III). (Aus Rauh 1950)

nach obenErstaunliche Wurzellängen

Addiert man die Längen sämtlicher Wurzeln einer Pflanze, kommt man auf erstaunlich hohe Werte. So sind sie z. B. bei einzeln stehenden Weizenpflanzen mit bis zu 80 km ermittelt worden. Insofern verwundert es nicht, wenn die Wurzel etwa 100 bis 800 mal so groß wie die Sprossoberfläche sein soll. Dennoch beträgt ihr Biomasse-Anteil bei jungen Pflanzen lediglich 30 bis 50 und bei älteren nur etwa 5 bis 15 % (Krug 1991). Als Lieferant organischer Substanz "im Rahmen der Ernterückstände" darf man sie trotzdem nicht zu sehr unterschätzen, zumal sie im Boden schon sehr verteilt sind.

Boden und Pflanzen stehen in Wechselbeziehung zueinander. Die Einwirkungen der Wurzeln auf den Boden erstrecken sich neben ihrem Beitrag zum Humusgehalt insbesondere auf dessen mechanischen und chemischen (z. B. Nährstoff-) Aufschluss sowie eine Erhöhung seines Wasserumsatzes (Verdunstung über den Spross). Damit haben sie Einfluss auf seine Durchlüftung, Bindung von Nährstoffen u. a.

Wurzeln verankern Pflanzen im Boden, durchbohren und zerteilen ihn beim Aufsuchen von Wasser und Nährsalzen (Finck 1976). Hier das Wurzelwerk zweier 90 cm hoher Tomaten aus einem 30-cm-Topf.
Wurzeln verankern Pflanzen im Boden, durchbohren und zerteilen ihn beim Aufsuchen von Wasser und Nährsalzen (Finck 1976). Hier das Wurzelwerk zweier 90 cm hoher Tomaten aus einem 30-cm-Topf.
Im Wurzelbereich (Rhizosphäre) normaler Gartenböden findet eine rege Mikroorganismentätigkeit statt. "Nützliche Eigenheit dieser Kleinlebewesen ist, dass sie die Aufnahme von Wasser, Phosphor und Spurenelementen durch die Wurzeln stimulieren. Daneben wehren sie einen Teil schädlicher Pilze durch Konsumierung von deren Nahrung ab, besetzen die entstehende Nische und produzieren selbst Abwehrstoffe" (G+F 18/2000).

Die Wurzeln wiederum begünstigen durch ihr Ausscheiden von Stoffen in Form organischer Säuren, Aminosäuren, Eiweißen u. a. auch die Entwicklung der Kleinstlebewesen. Von diesen Substanzen profitieren natürlich nicht nur die nützlichen unter ihnen, sondern auch die für die Pflanzen schädlichen (so z. B. die bekannten Krankheitsverursacher Fusarium, Vericillium, Pythium, Phytophtora u. a.).

Im Boden verbleibende Wurzelreste kranker Pflanzen (z. B. solche mit Kohlherniebefall) sorgen oft für eine Neuinfektion nachfolgender verwandter Kulturen. Eine Lehrmeinung ("Toxintheorie") besagt ähnlich dazu, dass bei der Zersetzung von Wurzeln bestimmter Pflanzen (z. B. Spargel [?]) artspezifische Gifte (Toxine) freigesetzt werden, die die sogenannte Bodenmüdigkeit auslösen bzw. mit verursachen und den Nachbau mit derselben Pflanzenart unmöglich machen oder zumindest erschweren.

Unabhängig von alledem leben Wurzeln zum Teil auch mit Mikroorganismen in Symbiose, z. B. den Knöllchenbakterien an Hülsenfrüchtlern als Binder und nach ihrem Ableben als Spender des sonst von der Pflanze direkt nicht zu verwertenden Luftstickstoffs.

Faktoren, wie die Temperatur, der Sauerstoff-, Wassergehalt und der Bodensäuregrad (pH-Wert) haben großen Einfluss auf die Wurzeln und deren Entwicklung. Insofern gibt es auch kaum einen Kultureingriff durch den Freizeitgärtner, der nicht direkt oder indirekt auf das Wurzelwachstum einwirkt, wie die Bodenbearbeitung, Bewässerung, Düngung (insbesondere Kalkung), das Pikieren, Verpflanzen, die Unkrautbekämpfung.

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