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Kühle Köpfe: Seltene Kohlspezialitäten

Oktober 2017 Kohl ist für den Herbst ein unverzichtbares Gemüse. Gesund und lecker liefert es uns in der dunklen Jahreszeit wichtige Vitamine und Ballaststoffe. In aller Munde sind Rotkohl, Weißkohl, Wirsingkohl und Blumenkohl. Doch kennen Sie auch Butterkohl, Toskanischen Palmkohl oder Flower Sprouts? Das Ausprobieren lohnt sich!


Bild 1: Butterkohl
© Stein
Bild 1: Butterkohl
Den Anfang macht ein „altes“ Gemüse, das immer mehr in Vergessenheit gerät: der Butterkohl Bild 1 (Brassica oleracea var. sabauda convar. fimbriata). Er stammt ursprünglich aus Norditalien und formt einen lockeren, nicht ganz geschlossenen Kopf mit hochrunden Blättern, die in sich gekräuselt sind. Butterkohl kann man wie Wirsingkohl als ganzen Kopf ernten und verwerten. Aber auch wie Pflücksalat blattweise, indem man das Herz stehen lässt. So wächst laufend Blattmasse nach. Am besten schmeckt er frühreif, Anfang bis Mitte Juli, kann aber bis in den Winter hinein geerntet werden.

Standort: sonnig bis halbschattig. Der Boden sollte humos, locker und nährstoffreich sein. Auf Lehmböden bleibt Butterkohl besonders zart.

Kultur: Die Aussaat erfolgt im März–April im Frühbeet oder im Saatbeet im Freien, von wo aus nach 3–4 Wochen auf den endgültigen Standort verpflanzt wird. Ein idealer Pflanzabstand ist 40 × 40 cm.

Sorten: z. B. 'Goldvital' (von Kiepenkerl) oder 'Goldberg' (von Dreschflegel).

Pflege: Wässern Sie während der Wachstumszeit reichlich und bedecken Sie den Boden mit einer Mulchschicht, damit die Blätter zart bleiben. Unter der Mulchschicht hält sich das Wasser besser. 4–6 Wochen nach dem Pflanzen ist eine Nachdüngung angebracht.

nach obenDer Wilde von der Küste

Bild 2: Meerkohl
© Stein
Bild 2: Meerkohl
Der Meerkohl Bild 2 (Crambe maritima) wächst wild an den deutschen Küsten und in England. An fleischigen Stielen erscheinen langovale, dunkelgrüne bis blaugrau gereifte Blätter mit gewellten Rändern. An deren Spitze sitzen im Frühsommer weiße Blüten. Die mehrjährigen Stauden werden bis 60 cm hoch. Die kräftige, mehrköpfige Pfahlwurzel überwintert im Boden. Meerkohl hat es in sich: Die Blätter enthalten viermal mehr Vitamin C als Orangen.

Die jungen saftigen Triebe werden im Frühjahr in 20–30 cm Länge abgeschnitten. Die Blätter des Meerkohls können Sie als Salat oder gedünstet als Gemüse essen. Auch lecker sind die unter einer Treibglocke oder unter einem Eimer (wie Rhabarber) getriebenen Stiele als Spargelersatz.

Standort: sonnig, gedeiht sowohl auf sandigen als auf lehmigen Böden.

Kultur: Meerkohl gehört zu den Kaltkeimern, benötigt also kühle Temperaturen im Winter, um zu keimen. Säen Sie die erbsengroßen, runden Samen im Spätherbst oder bis Februar aus. Wegen des meist schlechten Aufgangs ist eine Vermehrung über Wurzelschnittlinge in den Wintermonaten (November bis Januar) aber besser. In sandigem Boden bilden sich an den Wurzelteilen bald neue Austriebe. Der Pflanzabstand ist 60 × 60 cm.

Pflege: Meerkohl veträgt reichlich Düngung. Lockern Sie den Boden regelmäßig oder legen Sie eine Mulchschicht an. Der Boden sollte stets mit ausreichend Wasser versorgt sein. Decken Sie die Pflanzen im Winter mit Reisig, Stroh oder Laub ab.

nach obenVon der schnellen Truppe

Bild 3: Bremer Scherkohl
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Bild 3: Bremer Scherkohl
In allen Ländern Europas gibt es schnellwachsende Kohlarten, die das erste Frühlingsgrün liefern. Sie bilden keine oder nur sehr lockere Köpfe, Hauptnutzung sind die Blätter. Als Beispiel dient der Bremer Scherkohl Bild 3, eine Spezialität aus dem norddeutschen Küstenraum, die botanisch als Raps rangiert. Während hier nur die mild schmeckenden Blätter geerntet werden, hat sich in Italien der weit verbreitete und ganz nah verwandte Schnittkohl (Cime di rapa oder Broccoletti) herausgebildet. Wegen seiner kurzen, unkomplizierten Wachstumszeit gedeiht dieser Kohl in jedem Garten, im Gewächshaus und im Frühbeet. Im jungen Zustand sind die hellgrünen, saftigen Blätter mit dünnem Stiel und gezackten Blatträndern mild und angenehm im Geschmack. Sobald die Blätter 15–20 cm hoch sind, schneiden Sie die ganzen Pflanzen dicht über der Erdoberfläche ab und verarbeiten sie – stets frisch geerntet – wie Blattspinat zu gekochtem Gemüse oder Salat.

Standort: sonnig bis halbschattig, gedeiht auf jedem lockeren Gartenboden.

Kultur: Säen Sie dünn breitwürfig oder in Reihen mit einem Abstand von 20 cm. Ein Verziehen (ein Umsetzen zu eng stehender Pflanzen) ist nur bei sehr dichter Aussaat nötig. Ideal ist ein Pflanzenabstand von 3–4 cm. Schon nach 5–7 Wochen können Sie ernten. Bremer Scherkohl wird im Gewächshaus ab Januar gesät, im Freien zwischen März und Oktober. Am besten gelingt die Kultur im Frühjahr und im Herbst.

Sorten: z. B. 'Licapo' (von Kiepenkerl) oder Saatgut von Dreschflegel.

Cime di rapa sät man ab März im Freien bis Ende August und erntet die Triebe kurz vor der Blüte von April bis Oktober.

Pflege: Die Pflege beschränkt sich auf das Lockern des Bodens und gelegentliches Gießen.

nach obenZiergemüse für Beete und Gefäße

Bild 4: Toskanischer Palmkohl
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Bild 4: Toskanischer Palmkohl
Toskanischer Palmkohl Bild 4 ist eine, dem Grünkohl ähnliche, alte Spezialität aus der Gegend um Florenz. Zum Essen sind die bei uns vorwiegend als Ziergemüse genutzten Pflanzen fast zu schade. Sie fallen auf durch urigen palmartigen Wuchs und teils skurril verdrehte blaugrüne Blätter, die stark vernarbt oder gehämmert sind. Erntezeit ist von Sommer bis zu den ersten stärkeren Frösten. Toskanischer Palmkohl kann milde Winter (bis –15 °C) überdauern. Die Blätter werden gedünstet und wie Wirsing oder Grünkohl zubereitet.

Kultur: Wie Grünkohl wird Toskanischer Palmkohl bis spätestens Ende Juni in Reihen von 15–20 cm Abstand dünn verteilt auf Freilandbeete, ins Frühbeet oder gleich in Topfplatten gesät. Die Anzucht bis zum Verpflanzen im 3. bis 5. Blattstadium dauert 3–4 Wochen. Dann pflanzen Sie entweder in größere Töpfe mit nährstoffreicher Erde (20–25 cm Durchmesser) oder auf sonnige Freilandbeete (Abstand 30–40 cm). Düngen Sie reichlich bis Ende September (Kompost, Mineraldünger, 70–80 g/m2) und gießen Sie ausreichend. Nur so entwickeln sich die Pflanzen üppig.

Interessiert an den vorgestellten Sorten?

Sie erhalten sie im Handel sowie im Versandhandel wie z. B. Amazon.de. Die orange-markierten Sorten führen Sie direkt zur Fundstelle bei Amazon.de.
Viel Spaß beim Gärtnern!
Sorten: 'Nero precoce di Toscana' (früh), 'Nero tardivo di Toscana' (spät), 'Black Magic' (von Kiepenkerl oder Gärtner Pötschke).

nach obenAußergewöhnliches Trendgemüse

Trendgemüse ‘Flower Sprouts® Autumn Star‘
© Sperli GmbH
Trendgemüse ‘Flower Sprouts® Autumn Star‘
Ist das Rosenkohl oder Grünkohl: Die neuartige Züchtung 'Flower Sprouts® Autumn Star' (von Sperli) ist eine Kreuzung aus Rosen- und Grünkohl vereint aus beiden Gemüsearten das Beste. An einem langen Stiel bilden sich, wie beim Rosenkohl, die kleinen, essbaren Röschen. Nur sind sie nicht geschlossen, sondern offen. Dazu besitzen sie violette Blattrippen, die in ein fein gekraustes Blatt übergehen und an Grünkohl erinnern. Das neue Herbst- und Wintergemüse bringt sowohl optisch, als auch mit seinem milden, leicht nussig-süßen Geschmack Abwechslung. Es steckt voll gesunder Vitamine und Ballaststoffe und lässt sich vielseitig verwenden.

Standort: Sonne und ein durchlässiger, sandig-humoser Boden sind Voraussetzung für eine gute Ernte.

Kultur: Von Ende März bis Mai säen Sie 'Flower Sprouts® Autumn Star' als Vorkultur auf der Fensterbank oder im Gewächshaus aus. Ab Ende Mai können die Jungpflanzen dann auf einen Abstand von 50 × 60 cm im Gemüsebeet ausgepflanzt werden. Die erste Ernte erfolgt ab Oktober und erstreckt sich bis in den Dezember.

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Wildkohl Brassica oleracea …
Kohl – ein Beispiel für Evolution, Züchtung und Anbauweise
Ein prima Vorratslager wird in der Zeit ab November bis Ende Dezember das Frühbeet für Wurzelgemüse, Porree, Kohl.
Letzte Erntearbeiten im Gemüsegarten
Verschiedene Formen des „Randens“ lassen sich beim Kopfsalat beobachten, aber nicht immer ganz eindeutig abgrenzen.
Blattrandschäden an Kopfsalat und Kohl

Schlagworte dieser Seite:

Butterkohl, Grünkohl, Kohl, Meerkohl, Palmkohl, Rosenkohl, Scherkohl

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