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Wintergemüse unter Glas

Gewächshaus im Winter
© Stein, Dagmar
Gewächshaus im Winter

Dezember 2014 Für die Freunde frischen, knackigen Gemüses eröffnet ein Gewächshaus paradiesische Möglichkeiten. Tomaten bis Weihnachten? Mangold fast das ganze Jahr? Frische Kohlrabis und Endivien bis in den Dezember hinein? Leckere Erdbeeren und würzige Kräuter auch im Winter − das alles schafft man mit ein paar Tricks sogar im Frühbeet oder in einem ansonsten ungeheizten Gewächshaus.


Das Wichtigste ist, die ersten Frostnächte zu überbrücken. Hierfür kann man das Gewächshaus energiesparend mit Noppenfolie einhüllen, was bei jedem Gewächshaus mit zusätzlichen 4 °C und entsprechender Einsparung bei den Heizkosten zu Buche schlägt. Rechtzeitig vor dem Frost werden hierfür mit Silikontropfen Halterungen befestigt. Bei Bedarf wird dann nur noch die passend zugeschnittene Folie angebracht und darauf festgeschraubt.

Ein Gewächshaus aus einfachen Glaswänden oder Folie schützt erfahrungsgemäß nur wenig. Der kritische kälteste Punkt stellt sich kurz vor Sonnenaufgang ein, und hier bedarf es einiger zusätzlicher Maßnahmen, damit nichts erfriert. Erstaunlich wirkungsvoll verhält sich hauchdünnes Vlies, das über die Kulturen gebreitet wird und den Tau kondensieren lässt. Friert es, dann bilden diese Tröpfchen eine schützende Barriere, die bis zu −8 °C abhalten kann. Ein wenig aufwändiger, aber immer noch sehr erschwinglich, sind Elektroheizungen mit Ventilator und Frostwächter, der sich ab ca. 3 °C plus einschaltet. Bevor man an größere Investitionen denkt, gilt es zu überlegen, ob nicht eine Kombination einfacher Methoden wie Elektroheizung, Vlies und Noppenfolie ebenso viel Effekt bringen wie z.B. eine Doppelverglasung. Gas- und Petroleumheizungen mit Thermostat sind zum Dauerbetrieb gedacht, sofern kein Anschluss an die Hausheizung besteht.

Im Gewächshaus können Tomaten an der Pflanze ausreifen.
© Stein, Dagmar
Im Gewächshaus können Tomaten an der Pflanze ausreifen.

nach obenPepinos und Tomaten

Die Frucht all dieser Bemühungen sind reiche Ernten über viele Wochen, zum Beispiel von Pepinos (Birnenmelonen) oder von Tomaten, die im Herbst noch voller Früchte hängen. Alle, auch die kleinsten, entwickeln sich noch zu wohlschmeckenden Vitaminbomben, wenn man sie an der Pflanze oder in einer trockenen Kiste nachreifen lässt.

Wichtig: nur absolut gesunde Früchte ernten und diese bei molligen Temperaturen aufbewahren. Denn nicht Kälte, sondern − eigentlich logisch − nur Wärme um 20 °C bringt die Reife hervor. Den besten Geschmack entwickeln dabei die kleinen Obsttomaten (z. B. 'Sweet 100 F1', 'Sweet million F1', 'Evita F1').

Stielmangold gedeiht gut im Gewächshaus.
© Stein, Dagmar
Stielmangold gedeiht gut im
Gewächshaus.

nach obenProblemloser Stielmangold

Stielmangold oder Römischkohl ist eine sehr lohnende Kultur für Gewächshausbesitzer. Bei Aussaat Ende Juli bis Anfang August werden die Setzlinge Anfang September im Abstand von 40 × 40 cm gepflanzt. Schon Mitte Oktober kann man die ersten Blätter ernten und von da an bis in den Sommer hinein. Eine schwache Heizung ist vorteilhaft, aber notfalls wird auch etwas Frost vertragen. 'Genfer' ist eine gute, ziemlich schossfeste Sorte aus der Schweiz mit breiten Blattrippen. Stielmangold lässt sich gut mit anderen Kulturen kombiniert pflanzen: mit Radieschen, Rettichen, Pflückund Schnittsalaten, Kohlrabi und Gartenkresse, die als schnellwüchsige Füllkultur in Reihen dicht am Weg gesät immer ein Plätzchen findet.

Die Radieschensorte 'Eiszapfen' ist schnellwüchsig.
© Stein, Dagmar
Die Radieschensorte 'Eiszapfen' ist schnellwüchsig.

nach obenFrisches Winter-Gemüse

Weil fast alle Gemüse auf breite Blätter angewiesen sind, die das im Winter sehr spärliche Licht einfangen, sind Aussaaten im Spätherbst kaum anzuraten. Salate, Radieschen, Kohlrabis brauchen viel zu lange und entwickeln bei Heiztemperaturen vergeilte, unbrauchbare Triebe, die anfällig sind gegen Pilzkrankheiten und Schädlinge. Warten Sie besser bis zum neuen Jahr, wenn die Sonne wieder an Kraft zulegt. Ab Januar oder Februar kann man schnellwüchsige Sorten von Radieschen aussäen ('Topsi', 'Saxa', 'Eiszapfen' und 'Rodos'). Dazu passen auch Schnittsalat und Gartenkresse, die trotz Lichtmangels bald erste Erträge bringen.

Im Gewächshaus lassen sich Erdbeeren verfrühen.
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Im Gewächshaus lassen sich Erdbeeren verfrühen.

nach obenErdbeeren im Gewächshaus

Zu den besonderen Freuden des Gewächshausbesitzers gehört das Verfrühen leckerer Erdbeeren, die schon ab April bis in den Juni hinein geerntet werden können. Pflanzen aus dem Freiland müssen rechtzeitig vor dem Frost eingetopft werden. Neue, einjährige Pflanzen und bereits einmal abgeerntete bringen den besten Erfolg. Bis nach den ersten Frösten bleiben sie im Freiland eingesenkt und werden erst danach im Gewächshaus einer schwachen Treibwärme ausgesetzt (ca. 10 °C) oder ab Februar in ein ungeheiztes Haus geräumt.

Die Pflanzen sollten so hell wie möglich stehen, z. B. auf einem Hängebrett dicht unter dem Glas. Geben Sie den Pflanzen Untersetzer oder stellen Sie die Töpfe auf ein Vlies, damit sie von unten reichlich Wasser saugen können. Ab Februar wird jede Woche leicht gedüngt (1 bis 2 g Volldünger pro Liter). Bald setzt danach die Blüte ein. Da im Gewächshaus keine Bienen fliegen, muss mit dem Pinsel der Blütenstaub von Pflanze zu Pflanze übertragen werden. Nur sehr frühe Sorten lohnen den Aufwand (u. a. 'Fraroma', 'Clery', 'Honeoye', 'Tenira', 'Marieva'). Viel Licht ist für einen guten, vollen Geschmack entscheidend.

Für das Treiben von Chicorée hält man die Wurzeln dunkel.
© Stein, Dagmar
Für das Treiben von Chicorée hält man die Wurzeln dunkel.
Ähnlich wie Chicorée lässt sich auch Löwenzahn treiben.
© Stein, Dagmar
Ähnlich wie Chicorée lässt sich auch Löwenzahn treiben.

nach obenChicorée und Löwenzahn

Haben Sie im Mai oder Juni aufgepasst und diese tollen Treibgemüse gesät? Falls ja, ist es jetzt an der Zeit, die inzwischen herangewachsenen Wurzeln zu ernten. Zwischen 5 und 7 cm dick sollten sie beim Chicorée sein, beim Löwenzahn sind die langen Wurzeln viel dünner. Beide Gemüse ähneln sich in der Treiberei, deshalb kann man sie gemeinsam behandeln. Gebraucht werden geeignete Sorten zum "Treiben ohne Deckerde" wie z. B. 'Zoom', 'Flash' oder die rot-weiße 'Carla', alles F1-Hybriden. Sorgen Sie außerdem für lichtundurchlässige Plastikbeutel oder Eimer, damit die erwarteten Schösslinge schön weiß bleiben. Von den ausgegrabenen Wurzeln kürzt man die zur Zeit gallebitteren Blätter bis auf 1 bis 2 Fingerbreiten ein, um den Neuaustrieb nicht zu beschädigen. Zu lange Wurzeln kann man kürzen. Man stellt sie dicht an dicht in einen Eimer, gibt ein wenig humose Erde hinein zum Aufsaugen der Feuchte, wässert und stellt die geschlossenen Behälter bei Zimmertemperatur auf. Nach ca. 6 bis 7 Wochen erscheinen die zapfenförmigen Triebe. Noch nicht benötigte Triebe bleiben im Einschlag. Letzter Treibtermin ist im März. Die Schösslinge besitzen einen feinherben, angenehmen Geschmack.

Interessiert an den vorgestellten Sorten?

Sie erhalten sie im Handel sowie im Versandhandel wie z.B. Amazon.de. Die orange-markierten Sorten führen Sie direkt zur Fundstelle bei Amazon.de.
Viel Spaß beim Gärtnern!

nach obenRhabarber als Frühgemüse

Manche Kulturen lassen sich mit ein wenig Heizung verfrühen. Dazu gehört auch der Rhabarber. Im Herbst sind in den fleischigen Rhizomen schon alle Blätter angelegt. Die Pflanze wartet nur darauf, sie auszufahren. Viele Rhabarberbestände werden im Laufe der Jahre ohnehin zu dicht. Weshalb sollte man dann nicht im Herbst die Gelegenheit nutzen und transportfähige "Klumpen" der Pflanzen herausstechen, sie in Eimer oder Gefäße setzen oder einfach auf Folie platzieren?

Bei genügend Feuchte beginnt auch bei geringen Wärmegraden schon bald die Vegetation. Man kann die Pflanzen auch noch mit Vlies oder Lochfolie einhüllen und damit zusätzlich Wärme speichern. Vorgetriebener Rhabarber steht, je nach Temperatur, bereits ab Februar zur Verfügung.

Petersilie 'Grüne Perle' passt gut ins winterliche Gewächshaus.
© Stein, Dagmar
Petersilie 'Grüne Perle' passt gut ins winterliche Gewächshaus.

nach obenVitamine und würzige Kräuter

Etwas Heizung (eben frostfrei) reicht, damit Sie auch in den kalten Monaten frische Kräuter auf den Tisch bekommen. Petersilie wird im Herbst aus dem Freiland ausgegraben und im Abstand von ca. 25 cm auf Beete gepflanzt. Schon bald erscheinen neue Blätter, die nach und nach zum Würzen zur Verfügung stehen. Mehr Geschmack als die mooskrausen Sorten ('Clivi', 'Grüne Perle', 'Bravour') entwickeln die glatten, einfachen Sorten (z. B. 'Einfache Glatte', 'Gigante d'Italia'). Auch Schnittlauch ist nicht schwierig. Die im Herbst ausgegrabenen Ballen treiben bald wieder aus und können mehrmals abgeschnitten werden. Rosmarin und Salbei sind Stauden, denen ein wenig Frostschutz gut bekommt. Man kann sie also gut ins Gewächshaus nehmen und davon weiter ernten. Das gilt auch für andere leckere Kräuter wie Thymian, Zitronenthymian, Zitronenmelisse, Oregano und Schnitt-Knoblauch.

Im Winter schmeckt Salatrauke angenehm würzig.
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Im Winter schmeckt Salatrauke angenehm würzig.
Salatrauke (Rucola, Roquette, Ruka) passt gut ins winterliche Gewächshaus. Dieses uralte, völlig winterharte Gemüse ist nicht nur in vielen Italien-Restaurants der Hit. Der Geschmack ist würzig, zwischen Erdnuss und Kresse liegend. Man kann die besonders schnellwüchsige Kultivierte Salatrauke (Eruca sativa) durchs ganze Jahr auf Beete und in Töpfe säen. Sie gedeiht sogar in Töpfen, wofür sich gut auch die praktischen Saatscheiben eignen. Im Sommer ist der Geschmack manchmal zu scharf, im Winter jedoch angenehm.

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Chicorée, Erdbeere, Glashaus, Löwenzahn, Rhabarber, Rucola, Stielmangold, Tomate, Wintergemüse

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