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Kartoffelanbau – Start in Gärten

Frühkartoffeln haben in den meisten Gärten nach wie vor ihren garantierten Platz.
Frühkartoffeln haben in den meisten Gärten nach wie vor ihren garantierten Platz.

September 2000 Unsere Kartoffel stammt aus den Hochanden (Kolumbien, Nordchile). Um 1565 tauchte sie in spanischen Gärten auf, wo sie anfangs als Zierpflanze gehalten wurde. Auch bei uns fand sie sich vorerst nur in Kräuter- bzw. Apothekengärten.


Und bevor es dann im Deutschland des 17. und 18. Jahrhunderts gelang, den Anbau als Nahrungspflanze im größeren Umfange durchzusetzen, musste die Landbevölkerung Kanzelpredigten, Kabinettsorder und Strafandrohungen über sich ergehen lassen, weil sie sich gegenüber der neuen Frucht verschloss und am Altgewohnten festhielt. Die Knollen wurden von ihr nicht selten als giftig angesehen.

Aber auch Fruchtfolge- und pflanzenbauliche Gesichtspunkte haben beim Widerstand eine Rolle gespielt (Dreifelderwirtschaft, Wechsel der Pflanzenart von den Kurztaggegebenheiten der Tropen in die zeitweisen Langtagsbedingungen bei uns).

Etwa 100 Jahre nach ihrer Einführung liest man in einem deutschen Gemüsebuch von 1857: "Die Kartoffeln gehören eigentlich dem Feldbau an. Seitdem aber die leidige Krankheit (gemeint ist die Kraut- und Knollenfäule) alljährlich wiederkehrt, sind gute Speisekartoffeln eine Seltenheit geworden, man sieht sich genöthigt ihnen wieder eine größere Sorgfalt wie bisher zuzuwenden und sie gärtnerisch zu kultiviren. Überdies werden Frühkartoffeln zum eigenen Bedarf meist im Garten gezogen …".

Kartoffelsorten (-formen) zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ähnlich mögen die ersten Knollen ausgesehen haben, die Friedrich der Große verteilen ließ (aus Putsche, Weimar 1919)
Kartoffelsorten (-formen) zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ähnlich mögen die ersten Knollen ausgesehen haben, die Friedrich der Große verteilen ließ (aus Putsche, Weimar 1919)
Zu der Krankheit sei angemerkt, dass sie im 19. Jahrhundert wiederholt eine unheilvolle Rolle spielte. Mit der Ausdehnung des Anbaues wurde die Hoffnung verknüpft, endlich Hungersnöte abwehren zu können. Und dann diese Rückschläge! Tausende von Verhungerten waren in den 40er Jahren der Tribut, den die Pflanzenseuche in vielen Ländern Europas forderte. Neben anderen sozialpolitischen Mißständen war der durch sie ausgelöste Hunger eine der Ursachen der Revolution von 1848. Auch 1916 fiel ihr noch ein Drittel der deutschen Ernte zum Opfer ("Steckrübenwinter" 1916/17).

Nun, die Kraut- und Knollenfäule hat man schließlich in den Griff bekommen. Gärtnerisches Interesse behielten weiterhin nur die Frühsorten. Der Siegeszug dieses Grundnahrungsmittels aber nahm – zumindest in Preußen – seinen Anfang in den Gärten.

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Wo einst die ertsten Kartoffeln an Gartenbesitzer verteilt wurden, überlebte das später errichtete neugotische Rathaus 1945 die Verwüstung der Stadt Kolberg.
Wo einst die ertsten Kartoffeln an Gartenbesitzer verteilt wurden, überlebte das später errichtete neugotische Rathaus 1945 die Verwüstung der Stadt Kolberg.
Friedrich der Große setzte nach erfolglosen Versuchen seines Vaters den Anbau teilweise mit Gewalt durch. Wie die Einführung z. B. in Pommern, auf Böden, die allenfalls Roggen und Hafer trugen, vor sich ging, zeigt der nachstehende Bericht des preußischen Offiziers Joachim Nettelbeck:

"Im Jahre 1745 erhielt Kalberg (heute Kotobrzek) durch die Güte des Großen Friedrich ein ganz besonderes Geschenk. Es waren Kartoffeln, die damals bei uns noch kein Mensch kannte. Ein großer Frachtwagen voll kam auf dem Markt an, und durch Trommelschlag wurde … bekanntgemacht, dass jeder Gartenbesitzer sich zu einer bestimmten Stunde vor dem Rathaus einfinden sollte. Seine Majestät der König hätte jedem ein Geschenk zugedacht …

Die Ratsherren zeigten nun den Leuten die neue Frucht… Dann wurde eine umständliche Anweisung vorgelesen, wie die Kartoffeln gepflanzt und bewirtschaftet und wie sie dann gekocht und zubereitet werden sollten… die wenigsten passten im Gedränge auf die Vorlesung auf. Dafür aber nahmen die guten Leute die Knollen in die Hand und rochen, schmeckten und leckten daran… Man brach sie auseinander und warf sie den Hunden vor, die daran schnupperten, sie aber nicht fressen wollten. Nun wusste man Bescheid! 'Die Dinger … riechen nicht und schmecken nicht, und nicht mal die Hunde wollen sie fressen. Was sollen wir damit?’ (Die Kartoffelqualität damals war nicht mit der unserer heutigen vergleichbar). Die meisten glaubten, die Kartoffeln würden zu Bäumen heranwachsen, und man könnte dann die Knollen von ihnen herabschütteln.

Inzwischen war das Geschenk des Königs unter die Gartenbesitzer verteilt worden, aber keiner hatte begriffen, wie er die Kartoffeln anbauen sollte. Einige … warfen sie einfach auf den Kehrichthaufen; andere brachten sie wohl in die Erde, aber so verkehrt wie nur möglich.

Die Ratsherren waren bald dahinter gekommen, dass gar nicht alle Kartoffeln in die Erde gekommen waren. Darum gab es im Sommer… eine Kartoffelschau, und die Widerspenstigen mußten kleine Geldstrafen zahlen…

Im nächsten Jahr wiederholte der König seine Spende… Aber diesmal wurde die Sache anders und zweckmäßiger gemacht. Es wurde nämlich ein Landreiter mitgeschickt … Er war den Leuten bei der Aussaat behilflich und gab ihnen Anweisungen für die weitere Pflege.
" (Vom hier Wiedergebenden gewirkter Auszug aus der 'Lebensbeschreibung …" des Joachim Nettelbeck, 1745).

Heute noch bekannte, gehässige Worte wie "Arme-Leute-Essen", "Dick-" oder "Sattmacher" wie auch "die Knollen schmecken erst, wenn sie durch’s Schwein gegangen sind" u. a. – sie dürften bald darauf geprägt worden sein.

1998 betrug die Anbaufläche in Deutschland 254.400 Hektar, auf der 11,338 Mio. Tonnen (1 Tonne = 1.000 kg) Kartoffeln geerntet wurden.

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