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Wunderstrauch Holunder

Juli 2013 Holunder ist ein Gehölz der heimischen Flora. Wir begegnen ihm oft, am häufigsten im Bereich bäuerlichländlicher Siedlungen, nahe der Stallungen und Scheunen, als Bestandteil von Feldhecken, an Waldrändern und auf Schuttplätzen. Ein Allerweltsgehölz also? Eben nicht. Holunder ist etwas ganz Besonderes.


Gartengestaltung mit Holunder
© Jaehner, Ilse
Gartengestaltung mit Holunder

Sambucus nigra, so der botanische Name des Holunders. Der sommergrüne Strauch wird in gutem Boden bis 7 m hoch und baut sich breitbuschig locker mit rundlicher Krone auf. Die Äste hängen mit zunehmender Länge leicht über und bilden gegenständige, unpaarig gefiederte, etwas streng riechende Blätter. Blütezeit ist über längere Zeit im Juni/Juli, je nach Standort. Kleine, gelblichweiße Blüten sitzen in endständigen, umfangreichen Trugdolden entlang der Triebe. Sie duften angenehm. Ihnen folgen Beerenfrüchte, die ab September glänzendschwarz reifen und tiefrot saften.

Holunder Blütenstand
© Jaehner, Ilse
Holunder Blütenstand
Holunder Früchte
© Jaehner, Ilse
Holunder Früchte

nach obenRobuster Holunder

Holunder wächst zwar auch an weniger günstigen Plätzen, entwickelt sich jedoch nur in freiem, sonnigem Stand und gutem Boden gut. Eher trockene Lagen sind ungeeignet. Holunder ist ganz frosthart sowie vergleichsweise stadtklimafest gegenüber Industrieluft und Streusalz. Auch kräftigen Wind verträgt er. Wildwachsenden Sträuchern begegnet man noch in 1.500 m Höhe.

Holunder wird im Garten mit lockerer, vielverzweigter Krone, im Gegensatz zu streng geformten, geschlossenen Eibenkegeln, zum gestalterischen Element. Auch bei der Bewältigung dieser Aufgabe braucht Holunder genügend Raum. Um sich frei entfalten zu können, darf er sich keinesfalls von benachbarten Gehölzen bedrängt fühlen. Dann grenzt er sehr schön im auslaufenden Garten gegen benachbarte Grundstücke oder freie Landschaft ab. Zur Blütezeit macht sich solch ein Holunder besonders gut.

nach obenObstlieferant Holunder

Dient Holunder als Obstbaum, kann man ihn, was seine Ansprüche betrifft, ansatzweise mit einem Apfelbaum vergleichen. Voraussetzungen für einen reichen Ertrag sind ein vollkommen freier, sonniger Standort und mittelschwerer, nährstoffreicher, tiefgründiger, feuchter Boden. Gut tragende Exemplare müssen regelmäßig gedüngt werden, damit sie triebfähig bleiben, immer wieder junges Holz entwickeln, gut blühen und fruchten. Irgendein wilder Holunder kommt dafür nicht in Frage, sondern nur Kulturformen, am besten Sorten wie 'Haschberg'. Solche Sträucher haben umfangreichere Blüten- und Fruchtstände mit größeren Beeren, die etwas überhängen, sodass Vögel kaum herankönnen. Merkmale guter Sorten sind auch rötliche Fruchtstiele und dass alle Beeren eines Fruchtstandes gleichzeitig reifen, nicht folgernd wie oft bei wildem Holunder.

Bevorzugte Stammformen sind Busch oder Viertelstamm. Holunder als Obstlieferant muss geschnitten werden. Vorrangig geht es dabei um das Entfernen älterer, abgetragener Triebe und schwachen Holzes. Ziel ist ein kräftiges Traggerüst möglichst nah am Stamm, denn dieses bildet die jungen tragenden Zweige. Müssen dazu ältere Äste zurückgenommen werden, kürzt man auf stammnahe Jungtriebe oder auf Knospen im unteren Bereich, nicht zu nah an den Knospen.

Ein richtig geschnittener Viertelstamm hat 22 bis 25 aufrechte, kräftige vorjährige Triebe, an deren Seitentrieben die endständigen Trugdolden entstehen. Diese entwickeln sich so bodennah, dass Blüten und Früchte bequem geerntet werden können, gegebenenfalls mit einer kurzen Leiter.

nach obenNützlicher Holunder

Holunder macht sich auf vielfältige Weise nützlich. Zur Blütezeit sind die Tage hoffentlich warm und sonnig, da benötigt man etwas gegen Durst. Die Blüten des Holunders ergeben ein erfrischendes Getränk, wenn man sie mit kaltem Wasser, Zitronensaft, wenig Zucker ansetzt und ein, zwei Stunden ziehen lässt. Dann wird das Gemisch durch ein Sieb gegossen, einige Blütchen hinein gestreut, eventuell versetzt mit Mineralwasser, schon hat man ein wohlschmeckendes "Sternchenwasser". Auch Holunderküchlein aus Eierkuchenteig mit frischen Blüten schmecken lecker.

Wichtiger Bestandteil der Hausapotheke ist Holunderblütentee, auch Fliederbeertee genannt. Holunderblüten produzieren außerordentlich viel Pollen, für den sich Fliegen, Bienen und Hummeln lebhaft interessieren und der sich beim Trocknen als gelbes Pulver sammelt. Für den Tee pflückt man an einem trockenen Tag komplette Dolden, sobald die Mehrzahl der Blüten aufgeblüht ist. Die gröbsten Stiele werden vor dem Trocknen abgeschnitten, dann die Blüten sehr schonend getrocknet, weil sie sonst braun und unansehnlich werden. Nachdem sie genügend trockneten, zupft man die Blüten vorsichtig von den Stielen und trocknet sie sanft nach. Unterbleibt das Abzupfen und Nachtrocknen, hält sich in den noch vorhandenen Stielchen zu viel Feuchtigkeit, und der Tee verdirbt, vor allem wenn man ihn in Gläsern oder Dosen lagert. Holunderblütentee soll unterstützend gegen Erkältungskrankheiten helfen. Er ist ein so genannter Schwitztee und bewährt sich daher besonders bei fieberhaften Erkältungen. Viele Menschen trinken ihn vorbeugend gegen grippale Infekte. Da er gut schmeckt, vor allem mit Zitrone und Honig, trinken ihn auch Kinder gern.

Holundersaft und -gelee
© Jaehner, Ilse
Holundersaft und -gelee
Holundersaft und -gelee aus Früchten profitieren von den seit einigen Jahren stark propagierten Säften aus Wildobstarten. Saft und Gelee werden auf übliche Weise zubereitet: Man erntet die Beeren, wenn sich möglichst alle einer Dolde dunkel färbten. Beachten Sie unbedingt, dass rohe Holunderbeeren giftig sind. Wie alle grünen Teile der Pflanze enthalten sie Sambunigrin-Glykosid, aus dem sich giftige Blausäure abspaltet. Durch Erhitzen wird der Giftstoff zerstört.

Selbst Blätter, Rinde und Wurzeln von Holunder wurden früher arzneilich genutzt, heute jedoch seltener. Sie sollen bei allen möglichen Unpässlichkeiten helfen, bei Unreinheiten von Haut und Blut, bei Gicht, Rheuma und vielem mehr.

Für den Gebrauch der Rinde gibt es besondere Vorgehensweisen: Schält man die Rinde von oben nach unten ab, dient sie als Abführmittel, entfernt man sie von unten nach oben, als Brechmittel. Darüber kann man denken, wie man will – fest steht, der ganze Holunderstrauch ist von oben bis unten eine einzige volkstümliche Apotheke.

nach obenMusikalischer Holunder

Holunderflöte
© Jaehner, Ilse
Holunderflöte
Schließlich bringen wir Holunder die Flötentöne bei: Im Nachwinter, wenn der Saft steigt, ist die beste Zeit dazu. Dazu benötigen wir etwa 8 cm lange, fingerdicke Triebstücke. Das Mark herausholen, indem man das Stück so lange vorsichtig klopft, bis sich Rinde und Mark voneinander lösen. Am oberen Ende wird die Flöte fürs Mundstück schräg angeschnitten und unterhalb gegenüber eine Kerbe eingepasst. Das Mundstück formt man aus dem Holzkern, das Gegenende wird mit einem für eventuell unterschiedliche Töne verschiebbaren kleinen Korken oder Holzpfropfen verschlossen. Meist muss man öfter versuchen, bis die Flöte einen Ton von sich gibt.

Bei so vielen Talenten muss man doch wirklich den Hut ziehen vor dem Holunder.



nach obenHolundersekt

Holundersekt
© Jaehner, Ilse
Holundersekt
Zutaten:
10 Holunderblütenstände
¼ l Obstessig
1 kg Zucker
2–3 Bio-Zitronen, in Scheiben
10 l Wasser
Zubereitung:
  • Alle Zutaten mischen, 4 bis 5 Tage an einem warmen Ort stehen lassen.
  • Durch ein Sieb gießen, in dickwandige Flaschen füllen, fest verkorken und eventuell verdrahten, denn es entwickelt sich massiv Kohlensäure, die dünnwandige Flaschen sprengen kann.

Holundersekt lässt sich längere Zeit lagern. Erste Proben nimmt man nach etwa 14 Tagen. Der Alkoholgehalt ist gering.

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Gelee, Holunder, Holunderblüten, Holundergelee, Holundersaft, Holundersekt, Obstlieferant, Tee

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