Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Ziergarten > Pflanzen, die verborgen blühen
← vorheriger BeitragWunderstrauch Holunder
nächster Beitrag → Rhododendren richtig pflegen

Pflanzen, die verborgen blühen

Juni 2013 Die meisten Pflanzen blühen groß, bunt und prächtig. Doch die Blüten einiger Pflanzen übersieht man leicht, weil sie klein, unscheinbar oder verborgen aus dem Blühen fast ein Geheimnis machen. Wir gehen auf Spurensuche und fangen gleich nach dem Winter damit an.


Haselstrauch
© Jaehner, Ilse
Haselstrauch
Jeder kennt Haselsträucher mit langen, goldgelb stäubenden Kätzchen als Hoffnungsträger auf den baldigen Frühling. Das dauert nicht lange. Danach nimmt man Haselsträucher erst wieder wahr, wenn im Herbst Nüsse reifen. Die können jedoch nur wachsen, falls im Frühling Pollen aus männlichen Blütenständen, eben den Kätzchen, zu weiblichen Blüten gelangten. Dafür sorgt der Wind. Er findet sicher zu diesen kleinen Blüten, die knospenartig winzige, rote Narbenpinselchen bereithalten. Männliche und weibliche Blüten sitzen zwar getrennt voneinander an den Zweigen, jedoch auf demselben Strauch. Die Hasel ist demnach einhäusig.

Eibe
© Jaehner, Ilse
Eibe
Zweihäusig hingegen ist die Eibe. Schon seit Herbst zeigen sich männliche Blüten als kleine rundliche Gebilde in den Achseln einjähriger Nadeln. Man nimmt sie selten wahr, selbst dann noch, wenn sie im März/April größer werden und sich zu einzelnen Blüten auseinanderschieben. Erst wenn der Wind wahre Pollenwolken vor sich hertreibt, schaut man hin. Die Pollenkörner müssen nun weibliche Blüten finden, die allerdings auf weiblichen Eibensträuchern sitzen, noch kleiner und unscheinbarer – laubknospenähnlich in den Blattachsen vorjähriger Zweige. Aus ihnen bilden sich Früchte, keine Beeren, auch wenn es so aussieht, sondern Zapfen, wie bei Nadelgehölzen üblich.

Aronstab
© Jaehner, Ilse
Aronstab
Wir halten uns weiter in Waldnähe auf und stoßen ab April und im Mai auf weißlich-grüne, tütenförmige Gebilde, aus denen nur ein violett-brauner Kolben auf langem Stiel herausragt: die Blütenstände des Aronstabes. Von Blüten ist allerdings nichts zu sehen. Dafür muss man eine Tüte aufschneiden. Unterhalb des Kolbens befindet sich ein Kranz nach unten gerichteter Haare, dann ein Zusammenschluss männlicher Blüten, zuunterst einer mit weiblichen. Kleine Insekten werden von Duft und Wärme im Innern der Höhle angelockt, kriechen hinein, fallen herunter zu den Blüten, nehmen vom nahrhaften Saft und bestäuben nebenbei die Blüten. Erst wenn das geschehen ist, vergehen die Sperrhaare, lassen die Tiere frei, und dann entwickeln sich allmählich rote, giftige Früchte.

nach obenMais und Pfefferwinde

Mais
© Jaehner, Ilse
Mais
Ein bisschen wie der Aronstab macht es der Mais. Jeder kennt die von Blättern ummantelten Kolben mit den süßen Körnern. Lecker! Aber wo Körner sind, müssen zuvor Blüten sein – weibliche und auch männliche zum Befruchten. Männliche Blüten krönen als fedrige Blütenstände, wie oft bei Gräsern zu beobachten, die stattlichen, über mannshohen Pflanzen. Die weiblichen Blüten werden von breiten, dünnen Scheidenblättern dicht umhüllt. Nur die Narben ragen büschelig bis 20 cm lang oben heraus. Erst wenn sie mit Pollen bestäubt wurden, entwickeln sich die Körner, während das Narbenbüschel vertrocknet.

Pfeifenwinde
© Jaehner, Ilse
Pfeifenwinde
Die Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla) gefällt als sommergrüner Schlingstrauch für größere Spaliere oder sonst stabile Kletterhilfen. Bei Stand in gutem Boden windet er ohne weiteres 10 m hoch mit herzförmigen, riesigen, 30 cm großen Blättern. Diese wachsen so dicht, dass sie über einem Pergolensitzplatz durchaus einen leichten Sommerregen abhalten. Zwischen ihren Blättern versteckt die Pfeifenwinde ihre bräunlich-grünen, gelblich-grünen, innen purpurnen Blüten, die man trotz ihrer 6 bis 8 cm wegen der speziellen Färbung oft nicht wahrnimmt. Sie sehen akkurat wie Pfeifen aus. Ein ganz besonderes Gewächs aus den Bergwäldern Nordamerikas.

nach obenVeilchen und Zeder

Veilchen
© Jaehner, Ilse
Veilchen
Erstaunlicherweise gehört auch das Veilchen in diese Reihe. Es blüht ja im Frühling auffallend und duftend. Dennoch: Den sichtbaren Frühlingsblüten folgen unter dem Laub sehr unscheinbare Sommerblüten, die praktisch nicht aus dem Knospenstadium herauskommen und mehr oder weniger geschlossen bleiben. Obwohl also Insekten zur Bestäubung an sie herankommen, bilden sie Samen. Sie bestäuben sich selbst, sind also botanisch gesprochen kleistogam im Gegensatz zu den normalen, chasmogamen Frühlingblüten. Veilchen blühen also tatsächlich zeitweise im Verborgenen.

Zeder
© Jaehner, Ilse
Zeder
Manche Pflanzen führen uns an der Nase herum und blühen auf diese Weise verborgen. So auch die Zeder, jener blaunadelige, imposante Baum, der für kleine Gärten zu groß ist, in Parks hingegen wunderbar passt. Auf dessen Zweigen stehen im September zahllose Zapfen, die allerdings keine Zapfen sind, sondern männliche Blütenstände. Weibliche sieht man selten, weil sie in den oberen Regionen des Baumes entstehen und außerdem unscheinbar sind. Die Zeder tanzt gehörig aus der Reihe. Sie blüht nicht im Frühling, wie andere Nadelbäume, sondern im ausgehenden Sommer. Auch ihre Kätzchen hängen nicht, sondern stehen aufrecht und fallen nach der Pollenreife als Ganzes ab.

nach obenZimmerpflanzen

Schuster- oder Metzgerpalme
© Jaehner, Ilse
Schuster- oder Metzgerpalme
Während wir bisher heimische oder eingeführte, aber im Freien wachsende Pflanzen betrachteten, wenden wir uns jetzt Zimmerpflanzen zu, die ihre Blüten verbergen. Zuerst ist die Schuster- oder Metzgerpalme dran, die so heißt, weil sie früher sogar im wenig pflanzenfreundlichen Klima von Metzgerläden und Schusterwerkstätten gedieh. Sie verträgt Zugluft, trockene Zimmerluft, Temperaturwechsel, Staub, wächst in kühlen wie warmen Räumen und erfreut mit sattgrünen, glänzenden, länglich-lanzettlichen Blättern. Und wo sind Blüten? Man muss sie dicht auf oder sogar teils im Substrat, zwischen Wurzeln und Blattstängeln sitzend suchen, wie kleine, im Innern schmutzig-braunrote Kessel, mit acht Blütenblättern, die in spitzen, hellen Zipfeln auslaufen. Die Metzgerpalme ist eine der wenigen Pflanzen, deren Blüten von Schnecken bestäubt werden. Sie stammt aus dem südlichen Japan.

Flamingoblume
© Jaehner, Ilse
Flamingoblume
Die Flamingoblume ist jedem ein Begriff, weil sie, meist signalrot, mit großen, flachen Gebilden auf sich aufmerksam macht. Im Laufe der Zeit entstanden durch Kreuzungen viele Hybriden, unterschiedlich in Wuchs, Blütenform und -größe. Die roten Gebilde sind keine Blütenteile, sondern Hochblätter. Sie stehen im Allgemeinen höher als die eigentlichen grünen Blätter und sollen die Blüten schützen. Diese sind bei der Flamingoblume sehr klein und umgeben zahlreich, dicht an dicht einen gemeinschaftlichen Kolben. Die Narben der Blüten reifen zuerst und scheiden dabei oft helle Nektartröpfchen aus. Erst wenn die Narben absterben, springen die Staubbeutel auf. Dafür lässt sich die Pflanze Zeit, und ebenso lange halten sich die Hochblätter.

Nestrosette
© Jaehner, Ilse
Nestrosette
Den Trick, mit Hilfe auffallend gefärbter Blätter Insekten anzulocken, nutzt die Nestrosette (Nidularium), ein Ananasgewächs. Sie färbt ihre innersten Herzblätter schon einige Zeit vor der Blüte hochrot. Leicht übersieht man dabei die sich entwickelnden Blüten. Sie sitzen mitunter so tief, teils sogar unter Wasser im Blatttrichter, und sind so unscheinbar, dass man sie gar nicht als Blüten erkennt.

Weihnachtsstern
© Jaehner, Ilse
Weihnachtsstern
Auch der Weihnachtsstern besticht mit Hochblättern. Die eigentlichen Blüten sitzen klein am Ende der Triebe, eng vereint mit schlitzförmig aufgetanen Nektarien.

Mäusedorn
© Jaehner, Ilse
Mäusedorn
Gleich mehrfach überrascht Mäusedorn, dessen Triebe gern bei der Advents- und Weihnachtsbinderei verarbeitet werden. Die Pflanze passte sich ihrer regenarmen Heimat im Mittelmeerraum mit drastischer Verkleinerung der verdunstenden Blattflächen an. Blätter gibt es nur noch als kleine Anhängsel. Was Blättern täuschend ähnelt, sind umgewandelte Sprosse. Das zeigt sich deutlich zur Blütezeit. Dann sitzen mitten auf den "Blättern" (tatsächlich aber Zweiglein) entlang der Mittelrippe winzige Blütchen, denen rote Beeren folgen.

← vorheriger BeitragWunderstrauch Holunder
nächster Beitrag → Rhododendren richtig pflegen
Grüne Christrose
Echte Hinkucker - Hochblätter und "falsche" Blüten
Flamingoblume
Eingebürgerte Wohngefährten und ihre Verwandten
Alpenveilchen
Zimmerpflanzen richtig pflegen

Schlagworte dieser Seite:

Aronstab, Blühpflanzen, Eibe, Flamingoblume, Haselnussstrauch, Mais, Metzgerpalme, Mäusedorn, Nestrosette, Pfeifenwinde, Schusterpalme, Veilchen, Weihnachtsstern, Zeder, Zimmerpflanze

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (0)

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2019

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de