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Wachstumsgesetze beim Baumschnitt berücksichtigen!

Eine gut mit schwachem Bekleidungsholz versehene „Schlanke Spindel“ ist das Ziel des Erziehungsschnittes.
© May
Eine gut mit schwachem Bekleidungsholz versehene „Schlanke Spindel“ ist das Ziel des Erziehungsschnittes.

Januar 2000 Alle baumartigen Obstgehölze zeichnen sich durch eine starke Wuchsförderung der Mittelachse aus, die einseitig auf Kosten der darunter angelegten Knospen erfolgt. Sinn dieser Wuchsförderung ist es, den Bäumen einen Platz an der Sonne zu bieten, weil nur eine optimale Kronenbelichtung ein gesichertes Weiterleben garantiert.


Dieses Spitzenförderungs- oder Polaritätsgesetz arbeitet allerdings dem gewünschten Kronenaufbau entgegen, indem an Stämmen und Ästen enorme Kahlstellen entstehen und sich außer den Spitzenknospen nur noch einige kräftige Konkurrenztriebe entwickeln.

Unser Ziel ist es, beispielsweise beim Aufbau einer Schlanken Spindel, an der Stammverlängerung möglichst viel schwaches Bekleidungsholz zu gewinnen, das schnell Blütenknospen ansetzt und damit den betreffenden Baum in die Ertragsphase bringt.

nach obenWie kommt es zu dieser Entwicklung?

Damit ein bevorzugter Stammaufbau erfolgt, werden die untergeordneten Knospen durch einen Hemmstoff, der durch die Rinde in Richtung Wurzeln fließt, am Austrieb gehindert. Um gerade bei einer Spindel nach der Pflanzung ein zu starkes Wachstum zu vermeiden, bleibt die Stammverlängerung zunächst ungeschnitten. Zeigen sich im Folgejahr die oben genannten Kahlstellen, sollte die Hauptachse (Stammverlängerung) angeschnitten werden, und zwar zunächst mäßig (eine Scherenlänge). Bleibt der Erfolg aus, muss stärker zurückgegangen werden. Rezepte gibt es nicht, da Sorten und Standorteigenschaften sowie das durch die Unterlage vorgegebene Wachstum zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Hier heißt es: Beobachten und dann handeln!

Auch bei starkwüchsigen Bäumen entwickeln sich die Leitäste nach dem Prinzip der Spitzenförderung. Ihnen kann man gegenüber der Stammverlängerung leichter beikommen, indem man das Gesetz der Oberseitenförderung ausnutzt, d. h. waagerechte Triebe lassen sämtliche an der Oberseite befindlichen Knospen gleichmäßig, aber schwach austreiben. Maßnahmen wie das Absetzen der Äste auf mehr waagerecht wachsende Triebe oder das Waagerechtbinden steilstehender Zweige beschleunigen die Fruchtbarkeitsphase.

Als Folge der starken Spitzenförderung ist noch wenig an Fruchtholz entwickelt.
© May
Als Folge der starken Spitzenförderung ist noch wenig an Fruchtholz entwickelt.
Durch  Waagerechtbinden wird die Bildung von Fruchtholz gefördert. Diese Maßnahme kann bereits im Laufe des Sommers geschehen.
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Durch Waagerechtbinden wird die Bildung von Fruchtholz gefördert. Diese Maßnahme kann bereits im Laufe des Sommers geschehen.

Begründung: Bei waagerecht stehenden Zweigen kann das Gros der Hemmstoffe nicht in die Wurzeln fließen, sondern der Austrieb wird in Richtung der Bildung zahlreicher schwacher Triebe gesteuert, die in den meisten Fällen erwünscht sein dürften.

Aus den wenigen Beispielen wird ersichtlich, dass nicht der Rückschnitt die schnelle Entwicklung von Fruchtholz fördert, sondern Formierungsarbeiten an Jungbäumen wie Abspreizen von Ästen und Waagerechtstellung von Trieben den gewünschten Erfolg bringen. Lediglich bei vergreisenden Bäumen sind stärkere Schnitteingriffe sinnvoll, um eine Neutriebbildung zu ermöglichen.

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Obstbaumschnitt, Polaritätsgesetz, Spitzenförderungsgesetz, Wachstumsgesetze
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