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Die Welt der wintergrünen Farne

November 2012 Farne haben Wedel und wachsen im Wald. Das weiß jeder. Doch ist das wirklich alles? Nein. Farne sind etwas Besonderes, gehören zur Gruppe der Sporenpflanzen wie Moose, Flechten und Pilze. Sie haben keine Blüten, sind nicht bunt, haben allenfalls unterschiedlich grüne Wedel. Die Welt der Farne ist eine ganz eigene.


Im Gegenlicht sind die leistenförmigen Sporenlager auf den Blättern des Hirschzungenfarns (Asplenium scolopendrium) besonders deutlich zu sehen. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist die Wildform "besonders geschützt". Für die Verwendung im Garten werden etliche Zierformen des Hirschzungenfarns in Staudengärtnereien kultiviert.
© Roth, Wolfgang
Im Gegenlicht sind die leistenförmigen Sporenlager auf den Blättern des Hirschzungenfarns (Asplenium scolopendrium) besonders deutlich zu sehen. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist die Wildform "besonders geschützt". Für die Verwendung im Garten werden etliche Zierformen des Hirschzungenfarns in Staudengärtnereien kultiviert.

Hier geht es vor allem um wintergrüne Farne. Wir unterscheiden zwischen immer- und wintergrün. Bestimmte Farne sind zwar winter-, aber nicht immergrün, denn ihre Wedel bleiben nur einen Winter lang grün und vergehen am Ende des Winters, indem sie neuen Wedeln Platz machen. Immergrün sind Farne, wenn die Wedel mehrere Jahre erhalten bleiben. Wegen ihrer wintergrünen Eigenschaft sind die Farne unverzichtbar, um Gärten auch im Winter attraktiv zu machen. Denn Farne wachsen da, wo Blütenpflanzen versagen, weil es nicht sonnig genug oder zu schattig ist. Solche Plätze gibt es in jedem Garten, manchmal von vornherein, oft im Laufe der Zeit, weil Büsche umfangreicher, Bäume höher werden.

Weil Farne keine Blüten haben, kann man sie weniger gut unterscheiden als Blumen. Manche Menschen meinen sogar, dass alle Farne gleich aussehen. Dem ist nicht so, wie wir sehen werden. Wir wollen ein bisschen sortieren und damit die Sache übersichtlich machen. Es geht um Farne, die in jedem Garten an geeigneten Plätzen wachsen können.

Mauernraute
© Jaehner, Ilse
Mauernraute
Da sind zunächst ganz kleine Farne. Kleinste der Kleinen ist die Mauerraute oder Asplenium ruta-muraria. Im Fall der Farne sind botanische Namen wichtig, weil man sonst zu leicht durcheinander kommt. Die Mauerraute ist ein Winzling, wirkt fast wie ein Büschel krauser Petersilie und lebt – so will es mitunter scheinen – von Luft und Liebe, also sprichwörtlich von nichts. Man findet sie häufig in Ritzen und Fugen alter Burg- und Kirchhofsmauern. Ähnlich altes, kalkhaltiges Mauerwerk würde ihr auch im Garten gefallen.

Streifenfarn
© Jaehner, Ilse
Streifenfarn
Jedes übliche Trockenmauerwerk dient dem Streifenfarn (Asplenium trichomanes) als Zuhause. Streifenfarn kann man zweifelsfrei an seinen 15 cm langen Wedeln als Farn erkennen. Sowohl Mauerraute als auch auch Streifenfarn sind ganz hart, wie es nicht anders sein kann an so exponierten Standorten. Streifenfarn braucht keine besondere Erde, aber frische. Er ist in beschatteten oder nach Norden ausgerichteten Trockenmauern gut untergebracht. Wo er sich wohl fühlt, breitet er sich aus.

nach obenHeimische Farne

Rippenfarn
© Jaehner, Ilse
Rippenfarn
Drei weitere Farne sind selbst für Laien unterscheidbar. Es sind Farne der heimatlichen Flora, die verbreitet in den Mittelgebirgen, im Schwarzwald, Bayerischen Wald und sonstigen waldreichen Gegenden wachsen: Zunächst der Rippenfarn (Blechnum spicant). Er hat charakteristische, ziemlich schmale Wedel, an denen die Fiederblättchen rippenähnlich sitzen. Überwinternde sterile Wedel breiten sich eher seitlich aus, sporentragende mit schmalen Fiederblättchen wachsen eher aufrecht. Rippenfarne stehen gern gesellig in frischem bis feuchtem, kalkarmem, humosem Boden unter lichten Laubgehölzen. Die Nachbarschaft von Nadelgehölzen sagt ihnen weniger zu.

Hirschzungenfarn
© Jaehner, Ilse
Hirschzungenfarn
Nicht weit vom Rippenfarn findet sich Hirschzungenfarn (Phyllitis scolopendrium), der es eher noch etwas feuchter wünscht. Daher findet er passende Plätze im leicht beschatteten Uferbereich von Rinnsalen oder kleinen Teichen. Hier zeigt sich die Formenvielfalt von Hirschzungenwedeln – mit glatten und mehr oder weniger gewellten Wedelrändern, mit gekrausten, vielmals gespaltenen Wedelspitzen. Mit seinen kompakten Wedeln entspricht der Hirschzungenfarn mit am wenigsten den üblichen Vorstellungen von Farnwedeln. An eben diesen Wedeln kann man besonders gut die Sporenanhäufungen, Sporenlager (Sporangien) sehen. Sie befinden sich streifenförmig an den Wedelunterseiten und produzieren unzählige winzige Sporen, aus denen neue Farne hervorgehen.

Tüpfelfarn mit Sporen
© Jaehner, Ilse
Tüpfelfarn mit Sporen
Der dritte im Bunde heimischer Farne ist der Tüpfelfarn (Polypodium vulgare), der wegen seiner rundlichen Sporenhäufchen an den Wedelunterseiten so heißt. Sein zweiter Name ist Engelsüß, weil die kriechenden Wurzelstöcke deutlich süß schmecken. Dieser Farn galt früher als Hausmittel bei Asthma, Heiserkeit, chronischem Husten und mehreren anderen Unpässlichkeiten. Heute spielt er in der Medizin kaum noch eine Rolle.

Tüpfelfarn ist gut für etwas trockenere, leicht beschattete und sogar besonnte Plätze mit dünner Humusauflage geeignet, also auf schottrigen Abhängen, auf Mauerresten oder Mauerkronen, aber immer über gut durchlüftetem Untergrund.

Alle drei Farne eignen sich unbedingt für naturnahe oder naturbelassene Gärten. Da sie in unseren Breiten heimisch sind, begegnet man ihnen in freier Natur. Man sollte sie nicht von dort in den Garten holen. Vor allem nicht den geschützten Hirschzungenfarn. Man bekommt ausreichend Farne samt Spezies in Staudengärtnereien.

nach obenEinzeln schön

Goldschuppenfarn
© Jaehner, Ilse
Goldschuppenfarn
Das gilt auch für jene wintergrünen Farne, die nicht ohne Weiteres wild bei uns wachsen und doch als wintergrüne, ausdauernde Pflanzen wichtig für Gärten sind. Da ist zunächst der Goldschuppenfarn (Dryopteris affinis oder borreri) mit mehreren Sorten wie 'Cristata', dem Königs-Goldschuppenfarn, mit seinen dicht goldbraun beschuppten Wedelstielen. Dieser Goldschuppenfarn aus Cornwall gehört zu den stattlicheren Farnen, die man durchaus als Einzelexemplare an die gewünschten Stellen setzen kann. Seine Wedel werden immerhin bis 100 cm hoch sowie 20 cm breit und sind im unteren Bereich an den Fiederspitzen stark, im oberen weniger stark betroddelt. Er liebt kalkarmen, humosen, frischen bis feuchten Boden im Wechselschatten von Laubgehölzen und insgesamt eine etwas warme, geschütztere Lage. Dann behält er seine Wedel über den Winter, ist also wintergrün.

Den größten Anteil wintergrüner Farnwedel steuert Schildfarn (Polystichum) bei. Der Glänzende Schildfarn (Polystichum aculeatum) siedelt gern in feuchten, steinreichen Tälern oder Schluchten. Der Einwand "das gibt’s nicht im Garten" gilt nicht, denn passende Plätze mit humosem, feuchtem Boden an luftfeuchten, beschatteten Standorten gibt es allemal. Dieser Schildfarn gedeiht gut, wurde er erst entsprechend gepflanzt. Seine Wedel sind etwa 80 cm lang, nur einfach bis doppelt gefiedert und wirken dadurch ziemlich kompakt. Glänzender Schildfarn verträgt vergleichsweise viel Sonne, vor allem in ohnehin niederschlagsreichen Gegenden. Ihm ähnelt der Japanische Goldschildfarn (Polystichum polyblepharum) mit etwas breiteren, wie lackiert glänzenden Wedeln.

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Viel Spaß beim Gärtnern!
Filigranfarn
© Jaehner, Ilse
Filigranfarn
Im Vergleich zu den bisher genannten Polystichum-Farnen fällt Polystichum setiferum 'Plumosum densum' und dessen Sorte 'Herrenhausen' mit außerordentlich fein zerteilten Wedeln auf. Man nennt solche Farne Filigranfarne und trifft damit die Sache auf den Punkt. Polystichum setiferum ist weit verbreitet, sowohl in Westeuropa als auch Nordafrika und Asien zu Hause – immer in Bergwäldern mit feuchter Luft und feuchtem Boden. Diese Farne werden um die 50 cm hoch, damit nicht ganz so groß wie die vorher genannten Polystichum-Farne und stellen ihre Wedel eher flach als aufrecht. Einmal eingewurzelt, behaupten sie sich gut und werden von Jahr zu Jahr schöner. Besonders eindrucksvoll ist eine Pflanzung unterschiedlicher Farne in nahem Beieinander an geeigneter Stelle.

nach obenFaustregel

Wichtig für Farne sind unbedingt luftdurchlässiger, lockerer Boden, der nicht immer, jedoch oft humusreich sein sollte, ferner hohe Luft- und Bodenfeuchtigkeit, windgeschützte Plätze, wechselnder, heller Schatten, keine ungebremste Sonne, vor allem kleine pralle Wintersonne. Eine gute Vorbereitung der Pflanzstellen ist das A und O bei der Integration von Farnen im Garten. Man lockert die Erde gründlich und tief, mischt reichlich halb verrotteten Kompost, gern auch Lauberde, groben Sand oder ähnliches unter. Gepflanzt wird nur im Frühjahr kurz vor oder bei Triebbeginn.

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Streifenfarn
Schöne Schattenseiten im Steingarten
Rotstiel-Perlfarn
Dekorative Farne für Schattenplätze
Bild 1: Die wachsenden Blätter der Funkie sprengen die Hüllenspitze.
Stauden mit besonders schönem Austrieb

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Farne, Goldschuppenfarn, Hirschzungenfarn, Mauerraute, Rippenfarn, Schildfarn, Streifenfarn, Tüpfelfarn

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