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Apfelbäume − Fehler rückgängig machen

Januar 2012 Im Gegensatz zu Gemüsepflanzen wachsen Obstbäume über mehrere Jahre zu großen Exemplaren heran. Manchmal jedoch stärker und früher als geplant. Die Gründe sind vielfältig: So können es Bäume auf falsch gelieferten Unterlagen sein. Möglicherweise ist auch die Wuchsstärke der Sorte nicht bekannt oder berücksichtigt worden. Ebenso kann ein Kulturfehler die Ursache sein, beispielsweise wenn der Baum zu tief gepflanzt wurde. Zum Glück lassen sich manche Fehler nachträglich beheben.


  • Bild 1: Dieser Apfelbaum beschattet einen Großteil des kleinen Vorgartens und trägt keine Früchte. Nach dem im Text beschriebenen Schnitt werden in wenigen Jahren wieder Früchte wachsen und der intensive Schatten gelockert sein. Der Baum kann dann bleiben. | © von Soosten, Rolf
  • Bild 2: Gleiches gilt für diesen ehemals als Busch gepflanzten Apfel. Der im Hintergrund stehenden Süßkirsche kann auf diese Weise leider nicht geholfen werden. | © von Soosten, Rolf

Die Bilder 1 und 2 zeigen Apfelbäume, die regelmäßig geschnitten wurden. Der ihnen zugewiesene Standraum ist für diese Sorten-­Unterlagenkombination unglücklich oder falsch. Sie wachsen viel zu stark in diesem kleinen Garten. Daher schnitt man die beiden Bäume seit Jahren stark zurück, mit dem Ziel, sie der Fläche anzupassen. Die Folge: Das ständige Einkürzen der Jungtriebe und der dadurch verstärkte Neutrieb ließen die beiden Apfelbäume zu so genannten Besen werden. Auf Früchte wartet man hier lange! Wenn dann doch noch welche wachsen, werden sie wahrscheinlich kaum Farbe und Aroma haben, außerdem neigen sie zur Stippe.

Dieser Fehler entstand, weil eines der wichtigsten Wachstums- und Schnittgesetze nicht beachtet wurde: Je stärker der Rückschnitt, desto stärker der Austrieb. Wenn hier also die vermeintlich zu langen Triebe auf drei oder vier Augen eingekürzt wurden, gab es sicher drei neue Triebe – frei nach dem Motto "aus eins mach drei". Diese Reaktion verstärkt sich, je steiler das angeschnittene Holz steht und je höher es in der Krone platziert ist. Der natürliche Wachstumscharakter der ge­wählten Sorten­-Unterlagen-Kombination trägt weiter dazu bei.

nach obenWieder mehr Früchte

Der auf den Bildern sichtbare Zustand kann durchaus gezielt entstanden sein. Häufig stellt sich aber die Frage, wie man wieder zu Früchten kommt. Wie also schwenke ich von der Holz- in die Fruchtproduktion um? Hier kommen wir zu einer anderen Gesetzmäßigkeit: Je waagerechter ein Ast, umso stärker der Assimilatestau im Holz und damit eine entsprechend bessere Blütenknospenbildung.

Wir beginnen also mit dem Auslichten eines Astes. Dabei ist es sehr wichtig, die meisten aufrechten Triebe bis auf den Astring zu entfernen. Wenn der Standraum – wie auf Bild 1 – knapp ist, entfernen wir von den verbleibenden waagerechten Trieben die längsten. Der Ast selber wird nicht eingekürzt. Im folgenden Jahr kann man diesen auf einen zurückliegenden Zweig absetzen. So bleibt der Standraum gleich, aber der Baum bringt Früchte.

Nach diesem ersten Ast folgen die nächsten. Wenn alle nach diesem Schema behandelt sind, betrachte man sich den Baum aus der Entfernung, um sich von der Gleichmäßigkeit und einem etwa pyramidalen Aufbau zu überzeugen. Letzteres ist nicht nur für die Optik, sondern auch für die Statik und damit für die Lebensdauer des Baumes wichtig.

Diese Umstellung ist nicht in einem Jahr erledigt. Im ersten Sommer gibt es sehr viele Triebe und "Wasserreiser". Bald nach ihrem Erscheinen, sollte man sie ausbrechen, solange sie noch weich sind. Nur einige waagerechte Triebe bleiben. Keine Angst, im Herbst sind es immer noch viel zu viele. In der Lehrzeit hieß es: Durch einen fertig geschnittenen Baum muss man einen Hut werfen können.

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Apfelbaum, Auslichtungsschnitt, Baumschnitt, Obstbaumschnitt, Pflanzenschnitt, Wasserreiser, Wuchs
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