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Hagebutten − vielseitige Rosenfrüchte

Vielseitige Hagebutte
© Jaehner, Ilse
Vielseitige Hagebutte

September 2011 Ob als Juckpulver-Produzenten, Marmeladen-Grundlage oder Raumschmuck – Hagebutten sind so schön wie nützlich.


Im zusammengesetzten Namen Hagebutte stecken Hag und Butte. Hag bedeutete im Mittelhochdeutschen Einfriedigung, Gebüsch und Dorngesträuch. Da früher wilde Rosen, bezeichnenderweise auch Heckenrosen genannt, häufig um Gärten, Gehöfte, Weiden, Obsthöfe wuchsen, ist der Zusammenhang klar. Butte kommt von Bütte oder Gefäß. Tatsächlich nimmt die Hagebutte wie ein Gefäß, wie ein Krug die Samenkörner auf und umschließt sie schützend.

nach obenAufbau

Das wollen wir uns etwas genauer im Querschnitt von Blüte und Frucht anschauen. Zuerst die Blüte mit dem Kelch, seinen Kelchblättern und Fruchtknoten im Innern, dann die Blumenkrone mit Blumen-, Staub- und Fruchtblättern. Nach Bestäubung und Befruchtung der Blüte wächst die Frucht heran, genauer eine Scheinfrucht. Echte Früchte entstehen aus einem einzelnen Fruchtknoten, Scheinfrüchte oder unechte Früchte aus einem Fruchtknoten mit fleischiger Blütenachse, dem Blütenboden. Beteiligten sich am Zustandekommen einer Scheinfrucht mehrere Fruchtknoten, entsteht eine Sammelfrucht wie bei der Hagebutte. Der fleischig gewordene Blütenboden birgt die eigentlichen Früchte, ihrer Struktur nach Nüsschen. Jedes Nüsschen enthält ein Samenkorn. Mit der Samenreife vergeht das Fleisch der Hagebutte und gibt die Nüsschen frei.

Querschnitt durch die Hagebutte
© Jaehner, Ilse
Querschnitt durch die Hagebutte
Querschnitt der Hagebuttenblüte
© Jaehner, Ilse
Querschnitt der Hagebuttenblüte

Sowohl die Staub- als auch die Fruchtblätter waren ursprünglich Laubblätter. Die Natur bedient sich ihrer beim Entstehen einer höheren Stufe der Pflanzenentwicklung. In dieser Umwandlung liegt das Geheimnis der gefüllten Rosen. Eingedenk ihres Ursprungs fällt es Staubblättern leicht, nachträglich zu Blumenblättern zu werden. Je nachdem, wie viele Staubblätter sich an diesem Geschehen beteiligen, verliert die betreffende Rose allerdings mehr oder weniger ihre Fruchtbarkeit. An Staubgefäße und Stempel dichtgefüllter Blüten kommen selten oder nie Insekten heran, übertragen mithin auch keinen Pollen, sodass Früchte und Samen entstehen könnten. Das ist der Preis, den hochgefüllte Rosen für ihre Schönheit zahlen: weitgehende Unfruchtbarkeit.

Wenn Hagebutten und mit ihnen Rosensamen entstehen, ist das überlebensnotwendig für Rosenpflanzen, weil das den Fortbestand der Art sichert, jedenfalls was die generative Fortpflanzung betrifft. Auch Rosenzüchter sind darauf angewiesen, sofern sie neue Sorten durch Kreuzung verschiedener Arten oder Sorten gewinnen wollen.

Kinder wissen Hagebutten auf ihre Art zu schätzen. Die innen liegenden eigentlichen Samen sind weich gebettet in viele feine Härchen. Wer erinnert sich nicht aus Kindertagen, dass Letztere prima Juckpulver ergeben? Für Vögel sind Hagebutten ein gefundenes Fressen bis in den Winter hinein.

nach obenGesunde Frucht

Auch für Menschen sind Hagebutten ein gesundes, vielseitig zu verwertendes, wohlschmeckendes Wildobst mit teils hohem Vitamin C-Gehalt. Manche Arten konkurrieren in dieser Hinsicht sogar mit Sanddorn. Ferner enthalten sie Vitamin B1 und B2, K2, Provitamin A, an Mineralstoffen Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen und Phosphorsäure außerdem Zucker, Pektin und Eiweiß. Vor allem in den Samen finden sich fettes Öl, Lecithin und Dextrin. Ganze, rohe Hagebutten, frisch vom Strauch verzehrt, schlagen mit ihrem Vitamingehalt manches handelsübliche Nahrungsergänzungsmittel.

Hervorzuheben ist außerdem die arzneiliche Verwendung von Hagebutten. Vor allem Tee aus ganzen Früchten oder Kernlestee aus den Kernen wird nachgesagt, bei fiebrigen Erkältungen gute Dienste zu tun – zudem schmecken sie richtig lecker.

nach obenKöstlichkeiten

Bild 1: Hundsrose (Rosa canina)
© Jaehner, Ilse
Bild 1: Hundsrose (Rosa canina)
Die Hagebutten von Hundsrosen Bild 1 (Rosa canina) haben wohl das beste Aroma. Man verarbeitet sie zu Hägemark, Hiftenmark oder Hetschepetsch. Das Mus dient außerdem zur Herstellung von Kompott und Creme, von Hagebuttensuppe und -soße. Köstlich sind Zuckerhagebutten und Hagebuttensalat, nicht zuletzt auch Hagebuttenwein.

Der beste Erntetermin für Hagebutten kommt ziemlich früh, denn die für das Vitamin C verantwortliche Ascorbinsäure geht mit der Vollreife in eine Form über, in der sie für die menschliche Ernährung keine Rolle mehr spielt. Darum pflückt man Hagebutten, wenn sie gut ausgefärbt, jedoch noch hart sind und nicht schon anfangen weich zu werden. Frost macht sie so weich, dass sie sich kaum noch verarbeiten lassen, ausgenommen die Früchte von Hunds- oder Heckenrosen.

Durch Erhitzen des Fruchtfleisches geht ein Teil der Vitamine verloren. Deshalb werden Hagebutten zur Herstellung von Mus und ähnlichen Produkten vor dem Kochen im Mixer gut zerkleinert und nur kurz gekocht, möglichst in Glas-, nicht in Metallgefäßen.

Beim Trocknen von ganzen Hagebutten sind Dörrapparate nützlich, denn ganz ohne Zusatzwärme dauert das Trocknen zu lange. Das Fleisch könnte schimmeln. Auch Tiefgefrieren geht. Große Hagebutten einiger Rosenarten erleichtern die Verarbeitung, so jene von Kartoffelrosen Bild 5 (Rosa rugosa). Große Früchte haben ferner Rosa sweginsowii 'Macrocarpa' Bild 2 und Rosa macrophylla 'Rubricaulis' Bild 3.

Bild 2: Hagebutte Rosa sweginsowii 'Macrocarpa'
© Jaehner, Ilse
Bild 2: Hagebutte Rosa sweginsowii 'Macrocarpa'
Bild 3: Hagebutte Rosa macrophylla 'Rubricaulis'
© Jaehner, Ilse
Bild 3: Hagebutte Rosa macrophylla 'Rubricaulis'

nach obenPflege ist wichtig

Eine wichtige Pflegemaßnahme von Rosen ist mit Ende des ersten Rosenflors im Juni und weiter bis Herbst das Entfernen vergehender Blüten, damit keine Hagebutten entstehen, die die Bildung immer neuer Blütenknospen behindern. Dies betrifft vor allem vielblütige Beet-, Strauch- und Kletterrosen mit mehrmaligem Flor bis Herbst. Einmalblühende Rosen dürfen fruchten, sollen es sogar und sich mit Hagebutten am Stimmungsbild des Herbstes beteiligen.

Bild 4: Zentifolie (Rosa centifolia)
© Jaehner, Ilse
Bild 4: Zentifolie (Rosa centifolia)
Die fruchttragenden Strauch- und Wildrosen wie Zentifolien Bild 4 (Rosa centifolia) wachsen verhältnismäßig stark wie andere Blütensträucher und sind auch so zu verwenden, vorrangig als Einzelsträucher in recht sonniger, freier Lage, wo sie gut fruchten. Passende Pflanzennachbarn sind andere fruchttagende Blütensträucher, herbstblühende Stauden, staudige Ziergräser.

Hagebutten sind gute Kletterer.
© Jaehner, Ilse
Hagebutten sind gute Kletterer.
Attraktiv sind Kletterrosen wie die alte, recht wüchsige 'Mme Gregoire Stechlin' mit ihren auffallend großen, gelben Hagebutten.

Weiter braucht man Hagebuttenrosen für Hecken, allen voran die Kartoffelrose. Sie blüht lange, sodass Blüten und Hagebutten zugleich schmücken. Kartoffelrosen sind sehr genügsam, wurzeln sogar in Sanddünen. Man muss berücksichtigen, dass diese Rosen zu den wenigen Arten gehören, die eher sauren als kalkhaltigen Boden lieben. Haben die Blätter einen unnatürlichen Gelbstich, liegt meist ein zu hoher Kalkgehalt vor.

Die eigentliche Heckenrose ist die Hundsrose (Rosa canina). Zur Verstärkung empfiehlt sich unter anderem Rosa multiflora, die Vielblütige, bekannt als Kreuzungspartner für reichblühende Sorten und als Unterlagenlieferant.

Die Pflege von Hagebuttenrosen beschränkt sich auf gelegentliches Auslichten oder Verjüngen im Spätherbst oder besser im Nachwinter, damit die Hagebutten als Blickfang und Vogelfutter erhalten bleiben. Kartoffelrosen kann man im Turnus von einigen Jahren stark bis auf den Stock zurücksetzen. Sie treiben danach gut wieder durch und bleiben dicht.

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Hagebutten, Hundsrose, Kartoffelrose, Rose

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
25. September 2011

Nam Lie-He

Ich habe auf Sardinien wilde Rosensträucher gesehen und fotografiert, die gelbe Hagebutten von der Größe mittlerer Tomaten trugen - mit stacheltragenden Blättern.

Gern wüsste ich den wiss. Namen. Können Sie helfen?

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