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Schöne Schattenseiten im Steingarten

Juli 2011 Rein gefühlsmäßig verbindet man Steingärten eher mit viel Sonne als mit Schatten. Zum Glück braucht Schatten über einem Steingarten nicht zwingend nachteilig zu sein. Im Gegenteil: Er bereichert, weil er, bezieht man ihn in die Gestaltung ein, reichere Pflanzenauswahl zulässt.


Man sollte Steingärten nie unbedingt nur mit Rücksicht auf viel Sonne anlegen. Ebenso entstehen keine Probleme, wenn im Laufe der Zeit Teile des Steingartens beschatten, beispielsweise durch größer gewordene Gehölze. Dann wird der Garten den veränderten Verhältnisse angepasst und für die Plätze, die nun im Schatten liegen, geeignetes Pflanzenmaterial bestimmt. Oder man plant von vornherein Schatten ein.

nach obenSteingarten planen

In völlig ebenem Gelände ergibt sich ein Steingarten nicht von selbst, denn gerade Höhenunterschiede machen ein Terrain reizvoller. Um das zu bewerkstelligen, bietet es sich etwa an, den Aushub eines Gartenteiches für ein Mauerbeet zu nutzen. Dies sollte ungefähr 180 cm breit und etwa kniehoch sein, die Länge ist beliebig. Die Mauern setzt man nach oben etwas verjüngend, damit die im Mauerwerk wachsenden Pflanzen ausreichend von Niederschlägen profitieren können. Meist kommt eine West-Ost-Ausrichtung in Frage, eine lange Seite sollte nach Süden liegen. Grundsätzlich kann man solch ein Mauerbeet jedoch drehen wie es am besten passt.

nach obenSchattenleben

Schatten ist nicht gleich Schatten. Ein typisches Beispiel für absonnige Lagen sind Nordhänge. Hier kommt wenig Sonne hin. Der Himmel ist jedoch offen und hell. Halbschattige Plätze finden sich in der Nähe von Einzelbäumen und Gehölzgruppen mit lockerem Blätterdach. Der Schatten ist außerdem flüchtig, er wandert, sodass die Pflanzen wenigstens hin und wieder sonnig stehen. Beständiger Vollschatten findet sich unter Bäumen mit dichtem Laubdach und direkt vor Nordseiten von Gebäuden.

Streifenfarn
© Jaehner, Ilse
Streifenfarn
Entsprechend erfolgt die Auswahl der Pflanzen für einen Steingarten: Beginnen wir mit den Pflanzen für Vollschatten. Für kühle, schattige Plätze eignen sich hervorragend verschiedene Farne, die gern zwischen Steinen oder in Mauerfugen wachsen, so der Winzling Mauerraute (Asplenium ruta-muraria), in dem man zunächst keinen Farn vermutet, weil er andersartig geformte Wedel hat. Dann den hübschen Streifenfarn (Asplenium trichomanes) mit mattgrünen, kleinen Blättchen an braunen Stielen, der sich ebenfalls mit wenig Platz begnügt. Umfangreicher werden Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) und Hirschzungenfarn (Phylitis scolopendrium), letzterer mit mehreren Sorten. Alle sind winter- bis immergrün. Viel Schatten und dazu etwas mehr Trockenheit verträgt Haselwurz mit seinen rundlichen, metallisch glänzenden Blättern – ein guter wintergrüner Bodendecker, dessen unscheinbare Blüten im Mai/Juni versteckt zwischen den Blättern erscheinen.

nach obenFarbenpracht

Günsel
© Jaehner, Ilse
Günsel
Nun zu den Blütenpflanzen: Etwas mehr Licht braucht Günsel (Ajuga reptans) mit blauen, rosa, weißen Taubnesselblüten über grünem, rötlich-braunem, purpurroten oder rosaweißen Blättern im April/Mai. Günsel schafft mit mehreren Sorten ein abwechslungsreiches Bild, fühlt sich am wohlsten in feuchtem Schatten, kommt aber auch mit mehr Sonne zurecht, sofern der Boden frisch genug ist. Eine passende Nachbarin wäre die Waldsteinie (Waldsteinia ternata) mit wintergrünem, glänzenden Laub und gelben Blüten, ebenfalls im April/Mai. Beide Stauden bilden Ausläufer. Deswegen schränkt man sie gegebenenfalls ein.

Schaumblüte (Tiarella cordifolia) macht ihrem Namen alle Ehre. Im Mai blüht sie mit kleinen weißen Blütchen in Rispen, die an Steinbrech erinnern. Sie liebt feuchten, humosen Boden und verträgt ziemlich viel Schatten.

Gedenkemein
© Jaehner, Ilse
Gedenkemein
Früh im April blüht ebenfalls Gedenkemein (Omphalodes verna), das im Steingarten mit blauen Blüten über mattenförmigem Wuchs dem ihm verwandten Vergissmeinnicht Konkurrenz macht. Es wächst sowohl im Halb- wie im Vollschatten und eigentlich überall in normaler Gartenerde.

Lungenkraut
© Jaehner, Ilse
Lungenkraut
Ein ebenso anspruchsloses Gewächs ist das Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), mit ersten Blüten mitunter schon Ende Februar. Es gibt Sorten mit rosa oder weißen Blüten, während sie bei der Art normalerweise rot aufblühen und blau vergehen. Inmitten all dieser Frühlingsblüher darf das Porzellanblümchen (Saxifraga umbrosa) nicht fehlen. Es blüht im April/Mai, je nach Sorte weiß oder rosa mit vielen rispenförmigen Blütenständen, gern in frischem, humosen Boden halb- oder vollschattig.

Richtig raumgreifend zu den vergleichsweise eher kleinen Gewächsen präsentieren sich Bergenia-Hybriden. Diese schönen Stauden mit den teils recht großen, lederartigen, wintergrünen Blättern, von denen manche zusätzlich eine Herbstfärbung aufweisen, offerieren ein umfangreiches Sortiment. Es gibt rote, karminrote, rosa, zartrosa, auch andeutungsweise zweifarbige Blüten in umfangreichen Blütenständen. Bergenien gedeihen sowohl in Sonne als auch im Schatten gut und erweisen sich als er freulich langlebig. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Blüten nicht ganz frosthart sind. Man sollte deswegen in weniger günstigen Lagen Spätblüher favorisieren, die im Frühsommer oder Mittsommer blühen. Etliche remontieren im Herbst. Es gibt sogar ausgesprochene Spätsommer- und Herbstblüher. Mit unterschiedlichen Blütezeiten von Frühjahr bis Herbst sind Bergenien gut für beschattete Steingärten geeignet.

Lerchensporn
© Jaehner, Ilse
Lerchensporn
Das gilt auch für Lerchensporn (Corydalis lutea) als Dauerblüher. Der blüht und blüht, von April bis Oktober, ist dabei denkbar anspruchslos, wächst in gutem wie in magerem Boden, auch zwischen Steinen und Geröll und sät sich selbst aus. Am besten besorgt man sich Lerchenspornpflanzen von Freunden oder Nachbarn im Pflanzentausch.

Knöterich
© Jaehner, Ilse
Knöterich
Als Sommerblüher sollte man sich eine Johanniskrautart namens Hypericum polyphyllum merken, mit wintergrünem Laub und gelben Blüten von Juni bis August. Sie wird 20 bis 25 cm hoch und eignet sich für Halb- und Vollschatten. In kühleren Gegenden ist etwas Winterschutz ratsam. Diese Staude ist verhältnismäßig unbekannt, jedoch in guten Staudengärtnereien mit umfangreicherem Pflanzenangebot zu haben. Als Partner bietet sich ein Knöterich an (Bistorta affinis, früher Polygonum) mit weiß-rosaroten Lampenputzerblüten von Mai bis einschließlich September über nur 20 cm hohem, flächendeckendem Laub. Er breitet sich gemäßigt aus, wuchert nicht ungestüm und ist in frischem Boden auch für Sonne geeignet.

Zimbelkraut
© Jaehner, Ilse
Zimbelkraut
Ein wortwörtliches Mauerblümchen ist das Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), auch ein Winzling, nur 5 cm hoch mit kleinen, efeuähnlichen Blättern und hellvioletten Rachenblüten, deren Gaumen gelbgefleckt ist. Es zwängt sich in jede noch so enge Mauerritze und breitet sich mit Hilfe stricknadeldünner Ausläufer aus, klettert dabei über Erdhügel und Felsbrocken, mitunter auch über andere Pflanzen. Man muss also ein wenig aufpassen. Es bevorzugt Halbschatten und blüht von Mai bis September.

Soweit unsere Schau von Schattenpflanzen für Steingärten, die alle im Großen und Ganzen umgänglich sind und keine besonderen gärtnerischen Vorkenntnisse verlangen. Hat man erst einmal den Anfang, kann man sich nach weiteren Pflanzen umschauen, auch nach geeigneten Blumenzwiebeln, Gehölzen und Gräsern.

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Im Gegenlicht sind die leistenförmigen Sporenlager auf den Blättern des Hirschzungenfarns (Asplenium scolopendrium) besonders deutlich zu sehen. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist die Wildform "besonders geschützt". Für die Verwendung im Garten werden etliche Zierformen des Hirschzungenfarns in Staudengärtnereien kultiviert.
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Kleines und großes Maiglöckchen: Verschwisterte Frühlingsblüher
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Bodendecker, Gedenkemein, Günsel, Haselwurz, Hirschzungenfarn, Lerchensporn, Lungenkraut, Mauerraute, Planung, Porzellanblümchen, Schattenleben, Schaumblüte, Steingarten, Streifenfarn, Tüpfelfarn, Waldsteinie, Zimbelkraut

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