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Sommerblühende Zweijahresblumen

Juni 2011 Die Zweijahresblumen des Gartens gehören botanisch zu den Annuellen, also den einjährigen Pflanzen. Im Unterschied zu Sommerannuellen, wie Ringelblumen oder Kapuzinerkresse, werden sie Winterannuelle genannt. Ihr Wachstumsrhythmus ist gekennzeichnet durch Überwinterung einer mehr oder weniger ausgeprägten Blattrosette nach der Saat im einen Jahr und Blüte erst im nächsten, also im zweiten Jahr. Danach sterben sie ab. Daher die Bezeichnung "Zweijahresblumen".


Kyrill war's, jener Sturm, der massenhaft Fichtenwälder umlegte, Berghänge und -kuppen frei machte für neues, abwechslungsreiches Pflanzenleben. Darunter Fingerhut, der gerade rot-glühend zu blühen beginnt. Niemand säte ihn. Wo kommen so viele Pflanzen so schnell her? Lang lebe der Samen! Er kann hundert Jahre keimfähig bleiben, sodass nach tiefem Schlaf im Fichtendunkel die zahllosen leichten Körner – 10.000 Stück wiegen nur 1 Gramm – bei wieder reichlich Licht zu wachsen anfangen.

Das taten sie allerdings schon im vorigen Jahr, und damit sind wir beim Thema: den Zweijahresblumen des Gartens. Die bekanntesten, verbreitetesten ihrer Art sind die Frühjahrsblüher Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen und Tausendschön. Wir stellen hier jedoch die weniger bekannten Sommerblüher vor. Ihre Aussaatzeit ist generell von Mitte/Ende Mai bis etwa Mitte Juli, je nachdem, ob die betreffende Art mehr oder weniger schnellwüchsig ist oder anfangs etwas mehr Zuwendung braucht.

Fingerhut
© Jaehner, Ilse
Fingerhut
Fingerhüte (Digitalis purpurea) machen es einem leicht. Eventuell muss man sie anfangs auf ein Saatbeet säen und im Spätsommer an Ort und Stelle pflanzen. Danach braucht man aber nur die Samen ausfallen lassen. Das gibt genug Nachwuchs für sonnige Plätze in naturnahen Gartenbereichen oder auch vor und zwischen Rhododendren, deren Flor gerade vorbei ist, wenn Fingerhüte anfangen zu blühen. Besonders attraktiv sind Züchtungen (Excelsior-Hybriden) mit umfangreichen Blüten in unterschiedlichen Farbtönen.

nach obenAnspruchsvolle Blüher

Marienglockenblume
© Jaehner, Ilse
Marienglockenblume
Marienglockenblumen (Campanula medium) sind vergleichsweise anspruchsvoll. Sie müssen unbedingt in Saatschalen im Mai bis Anfang Juni ausgesät werden, mit anschließendem Pikieren und Topfen. Die Weiterkultur geschieht auf einem Anzuchtbeet, die Pflanzung im Spätsommer oder erst im Frühjahr, damit man die Pflanzen im Winter besser vor größerer Kälte schützen kann. Glockenblumen benötigen unbedingt volle Sonne und guten Gartenboden. Neben ungefüllt blaublühenden Sorten gibt es weiße und rosafarbene sowie gefüllt blühende. Glockenblumen stellen in gewisser Weise etwas Besonderes dar, wohl auch, weil sie mittlerweile nicht zum allgemein gängigen Zweijahresblumen-Sortiment gehören.

Levkoje
© Jaehner, Ilse
Levkoje
Ähnliches gilt auch für Levkojen (Matthiola incana) mit ihrem intensivem Sommerduft und ihrem hauptsächlich rötlichen und bläulichen Blüten. Wer es im Garten duften lassen will, nehme unbedingt Levkojen dazu. Es gibt hohe und niedrige Sorten, mehrtriebig-buschige und eintriebige. Zu unterscheiden ist zwischen Sommerlevkojen, die man früh sät und die im selben Jahr blühen, und Winterlevkojen, die nach der Saat im Frühsommer im nächsten Jahr blühen. Ihre Kultur erfolgt ähnlich aufmerksam wie bei den Marienglockenblumen. Wichtig für Levkojen ist, dass ihr endgültiger Standort sehr nährstoffreichen, kalkhaltigen, warmen und kräftigen Boden in voller Sonne – wie in alten Bauerngärten – aufweist. Bei der Anzucht ist vorsichtiges Wässern ratsam. Und niemals hinter andere Kreuzblütler, wie etwa Goldlack, pflanzen!

Stockrose
© Jaehner, Ilse
Stockrose
Stockrosen (Alcea rosea) werden gut 150 cm hoch und verzaubern jeden Sommergarten. Man findet sie gerne in Hausnähe, häufig reihenweise vor Mauern. Die Saat findet im Mai bis Anfang Juni statt, am besten gleich in Töpfe, jeweils 2 bis 3 Samen. Nach dem Aufgehen lässt man nur den stärksten Keimling stehen.

In Töpfen gezogene Stockrosen mit gutem Ballen und vielen Faserwurzeln wachsen am endgültigen Platz besonders gut an. Sät man sie in Schalen, müssen beim Pikieren schwächere Exemplare aussortiert werden. Besonders üppig gedeihen Stockrosen in nährstoffreichem Boden, dem man die letzte Fuhre Mist vom Vorjahr noch ansieht. Außerdem muss die Erde ausreichend feucht sein, sie vertragen Trockenheit schlecht. Ein Tipp für Gartenbesitzer, denen eine kürzere Kulturzeit gelegener kommt: Es gibt auch einjährig zu kultivierende Sorten.

nach obenEinfach kultiviert

Bartnelken
© Jaehner, Ilse
Bartnelken
Bartnelken (Dianthus barbatus) blühen erfreulich üppig ab Ende Juni bis weit in den Sommer oder frühen Herbst, überall in gutem Boden und voller Sonne – auf Beeten und Rabatten, im Vor- oder Steingarten und auf dem Schnittblumenbeet. Ob flächig oder in Gruppen, ob sortenrein oder in bunter Mischung – Bartnelken sind Klasse. Die Kultur ist ziemlich einfach. Oft säen sich die Pflanzen an passendem Platz sogar selbst aus, sodass man ohne aktives Zutun Jungpflanzen fürs nächste Jahr hat. Ansonsten sät man ab Ende Mai bis Anfang Juni, am besten in Kisten oder auf ein Saatbeet so dünn, dass die jungen Pflanzen später direkt an Ort und Stelle gesetzt werden können. Achtung: Bartnelken schmecken, wie alle Nelken, Kaninchen und Hasen sehr gut. Daher muss man sie gegebenenfalls schützen.

Mondviole
© Jaehner, Ilse
Mondviole
Wir kommen zu Zweijahresblumen, die – ähnlich dem Fingerhut – halbe Wildpflanzen sind. So wie die Mondviole (Lunaria annua), bekannter unter den Bezeichnungen Silberblatt oder Judassilberling. Die Mondviole ist eine Pflanze des Wald-Wiesen-Bereiches mit einer Vorliebe für frischen Boden. Sonnige, sehr trockene Plätze meidet sie, sucht stattdessen hellen Halbschatten und eignet sich deswegen gut, um zwischen Gehölzen im Mai/Juni Farbe zu bringen. Reißt man die abgeblühten Pflanzen nicht aus, sondern lässt die platten Samen in den runden, silbrig durchscheinenden Früchten reifen und ausfallen, gibt es genug Nachwuchs für das nächste Jahr. Sie eignet sich sowohl für frische als auch für Trockensträuße.

nach obenSchön und nützlich

Nachtkerzen
© Jaehner, Ilse
Nachtkerzen
Manche Zweijahresblumen sind nebenbei auch Nutzpflanzen, wie die zweijährige Nachtkerze (Oenothera biennis), die aus Amerika stammt, sich jedoch hier so eingewöhnte, dass sie sich auch außerhalb von Gärten behauptet – auf Böschungen, Ödland und dergleichen. Im Sommer fast bis zum Herbst öffnen sich abends ihre Blütenknospen so schnell, dass man dabei zusehen kann. Besonders für Kinder ein spannendes Erlebnis.

Und lecker ist sie auch noch. Kennen Sie Schinkensalat oder Rapontika? Dafür sät man die Nachtkerze im Juni/Juli wie gewohnt auf ein Beet und pflanzt später auf 30 bis 20 cm. Im nächsten Jahr erntet man die Wurzeln, ehe die Blütentriebe schieben und bereitet sie wie Salat zu, ähnlich Sellerie. Wer bereits im April sät, erntet dickere Wurzeln und besonders dicke, wer bei der Pflanzung auf dem Saatbeet zuvor die Seitenwurzeln abschneidet.

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Annuelle, Bartnelke, Fingerhut, Kapuzinerkresse, Levkoje, Marienglockenblume, Mondviole, Nachtkerze, Rhododendron, Ringelblume, Sommerblüher, Stockrose, Zweijährige Blütenpflanzen, schnellwüchsig

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