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Tradition und Fortschritt bei Kartoffeln

Breites Kartoffelsortiment
© Gaidies, Bernd
Breites Kartoffelsortiment

Mai 2011 Der Ursprung aller Kartoffeln, die heute weltweit angebaut werden, liegt in den südamerikanischen Anden. Die lange Evolution der Pflanze bis zu den heutigen Wildformen der Kartoffeln mit vielen, zum Teil noch unbekannten Sorten, fand in den Tälern und an den Hängen dieses Hochgebirges statt. Die Wildkartoffeln werden auch heute noch von den Bewohnern in Peru und Chile ohne züchterische Bearbeitung angebaut.


Nach der Entdeckung Amerikas gelangten die ersten Knollen um 1.500 durch spanische Konquistadoren nach Europa. War die Kartoffel zuerst noch als exotisches Gewächs fast ausschließlich in den Klostergärten vertreten, erweiterte sich der Anbau in Hausgärten und auf Feldern in dem Maße, wie die Kartoffel zunehmend als wertvolles Nahrungsmittel erkannt wurde. Für die rasant wachsende Bevölkerung in den entstehenden Industriegebieten Westeuropas im 19. Jahrhundert wurde die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel. Besonders nach Kriegen half sie, Hungersnöte zu mildern.

Sie hat aber in der Geschichte auch eine Hungersnot ausgelöst: Im Jahre 1845 kam es in Europa zum ersten massenhaften Auftreten eines Schädlings der Kartoffelpflanze. Es war ein Pilz (Phyophthora infestans), der die Krautfäule verursachte und auch die eingelagerten Knollen befiel, sodass diese verdarben. Besonders in Irland, wo der Kartoffelanbau schon eine weite Verbreitung erlangt hatte, litten die Menschen an Hunger und verließen in großen Auswanderungswellen ihr Land und gingen nach Amerika.

Aus diesen Gründen, zur Erzeugung von gesundem Pflanzgut und zur Verbesserung der gewünschten Eigenschaften der Kartoffeln, begann man verstärkt zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der konventionellen Neu- und Erhaltungszucht. Von der Bestäubung der blühenden Kartoffelpflanze über die jährliche Auslese bis zur Zulassung einer neuen Sorte mit verbesserten Eigenschaften vergehen 10 Jahre. Für diese Neuzucht einer Sorte entstehen Kosten von über 1 Mio. Euro. In Deutschland sind derzeit rund 250 Sorten von deutschen Züchtern und 70 Sorten von Züchtern aus der EU zugelassen. Damit dürfte jeder Verbraucher etwas "nach seinem Geschmack" finden. Auch für die Herstellung von Pommes frites, Chips und anderen Veredelungsprodukten sowie zur Produktion von Stärke und Alkohol stehen genügend leistungsfähige Sorten zur Wahl. Wirtschaftlich von Bedeutung werden über die Jahre meistens nur 25 bis 30 Sorten. Ein Teil der anderen wird für spezielle Ansprüche und Produkte benötigt. Insgesamt stellen die Neuzüchtungen auch ein erhebliches Gen-Reservoir für die weitere Züchtung dar.

Die Kartoffelpflanze kann in fast allen Klimagebieten der Erde wachsen. Sie ist Nahrung für Mensch und Tier, dient als Rohstoff in der Stärkeindustrie und Brennereiwirtschaft. Durch ihren hohen Gehalt an Stärke, biologisch hochwertigem Eiweiß, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen nimmt sie heute einen unverzichtbaren Platz auf dem Speisezettel vieler Völker ein.

Der Traditionsstandort Groß Lüsewitz bei Rostock hat seit über 50 Jahren die deutsche und internationale Kartoffelzüchtung mitgeprägt. In der an der Ostseeküste gelegenen Region wurde 1948 das renommierte Institut für Kartoffelforschung gegründet. Dessen erste Aufgabe war die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg mittels leistungsfähiger Kartoffelsorten. In der Praxis bedeutete dies, sowohl eine optimale Verwendungsfähigkeit für die Küche bei bestem Geschmack als auch eine hohe Sortenrobustheit für eine großflächige Produktion zu erreichen. Zahlreiche neue Sorten erfüllten diese Aufgabe meisterhaft. Die damals begründete Kombination aus Widerstandsfähigkeit und Geschmack ist noch heute ein Grundpfeiler des Sortiments der Institutsnachfolgerin NORIKA.

Eine der bekanntesten Sorten des Instituts ist die mehlig kochende Sorte 'Adretta'. Wegen ihres hervorragenden Geschmacks, insbesondere als Salz- und Püreekartoffel, wurde sie im Jahr 2009 in Deutschland zur "Kartoffel des Jahres" gewählt. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde 'Gala', ebenfalls eine Züchtung der NORIKA, in einer Verkostung mit etwa 1.000 Konsumenten zur "Thüringer Kartoffel des Jahres 2010" gewählt.

Ein Beitrag in Kooperation der Firma Norika mit Gartenfachberater Bernd Gaidies.
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Schlagworte dieser Seite:

Kartoffel, Kartoffelpflanze, Krautfäule, Sortenrobustheit, Züchtung

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