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Formen und Figuren − Mit Gehölzen spielen

Februar 2011 Intensiver Umgang mit Pflanzen macht Gärtner und Gartenbesitzer kreativ. Die wechselhafte Natur mit ihren vielen, mitunter kuriosen, Einfällen zwingt fast dazu.


© Jaehner, Ilse
Bild 1

Kein Tag, kein Monat, kein Jahr gleicht dem anderen. Wer sich dem nicht flexibel anpasst, hat schlechte Karten. Je sicherer man sich fühlt, desto stärker wird allmählich die Lust, dies oder jenes selber auszuprobieren. Schon ist man dabei, mit Pflanzen zu experimentieren, sie nach eigenem Willen zu formen. Das ist der Beginn des Formschnitts. Dieser Trend ist zurzeit so stark wie lange nicht. Und er hat Tradition: Wir gehen zurück bis zu den fürstlichen Großgärten der Renaissance und des Barock und haben mit dem "Jardin de Diana de Poitiers" im Park von Schloss Chenonceau an der Loire ein schönes Beispiel Bild 1. Formierte Pflanzen geben hier den Ton an – wie in so vielen repräsentativen Gartenanlagen jener Epochen. Manche Anregung dazu mag wohl aus Italien stammen, wo schon in römischer Zeit dieser Garten-Kult gepflegt wurde. Überwogen in Renaissance und Barock strenge Formen, folgten in Rokoko und Biedermeier verstärkt figürliche Darstellungen. Dabei war der Phantasie keine Grenze gesetzt.

Der Wunsch, den Garten mit ausgefallenen Elementen aufzuwerten, machte sich auch im bäuerlichen Bereich bemerkbar. Buchsbaumkanten und -figuren, niedrige und hohe Hecken waren landauf, landab zu finden. Sie waren regelrecht typisch für ländliche Gärten, wurden mit erheblichem Zeit- und Kräfteaufwand gehegt und gepflegt. Sachverständige gaben ihr Wissen und Können von Generation zu Generation weiter. Einige eindrucksvolle Beispiele solcher Gärten haben heute Museumscharakter.

nach obenLange verpönt

© Jaehner, Ilse
Bild 2
Zwischenzeitlich, besonders nach Ende des Zweiten Weltkrieges, spielten formierte Gehölze keine Rolle, waren sogar eher als "Schnickschnack" verpönt. Das natürlich Gewachsene hatte Vorrang. Augenscheinlich kehrt nun die Lust am Gestalten mit Gehölzen zurück – wenngleich in stark verkleinertem Umfang. Statt Hunderter Buchsbaumkugeln sind es nun eher weniger, passend für kleine Hausgärten – mitunter gehäuft, dicht beieinander Bild 2. Die Arbeit, die darin steckt, sollte nicht unterschätzt werden. Man muss schon Zeit und Mühe aufwenden, damit die Sache tatsächlich in Form bleibt und wirkt.

Derzeit sieht es jedenfalls so aus, als ob sich immer mehr Gartenbesitzer in die eindruckstarken Gehölze vergucken. Schon etwas größere Exemplare dieser Art stellen einen erheblichen Wert dar. Man braucht nur mal in Katalogen nachzuschauen, wie viel vergleichsweise junge, ältere oder alte Formgehölze kosten.

nach obenAnspruchsvolle Formen

Mittlerweile boomt das Geschäft mit Formgehölzen. Gerade weil heute kleine Gärten überwiegen, und immer mehr zum Wohnzimmer im Grünen werden, das natürlich auch "Inventar" benötigt. Gefragt sind in diesem Zusammenhang nicht mehr nur einfache geometrische Formen wie Kugeln, Kegel oder Würfel, sondern solche von besonderer Gestalt, die mehr Können voraussetzen.

Bild 3
© Jaehner, Ilse
Bild 3
Wer sich etwas zutraut, formt zum Beispiel aus einem Kegel eine Spirale oder nimmt sich die früher gängigen Stufenbäume als Vorbild. Solche Stufenbäume entstehen, indem mehrere scheibenförmige Etagen durch nackte Stammstücke von einander getrennt sind, wie es andeutungsweise in Bild 3 zu sehen ist.

Bonsai
© Jaehner, Ilse
Bild 4
Allgemein ist eine gewisse Tendenz zu weniger strengen, locker gestalteten Formen zu erkennen. Es wäre ja auch ziemlich langweilig, gäbe es nur Kegel und Kugeln. So werden etwa die Hauptäste von Eibenbüschen freigestellt und tragen nur an den Enden schirmförmige Kronen Bild 4. Während sich kompakte Formen wie Kugeln oder Kegeln gegenüber benachbartem Pflanzenwuchs durchaus behaupten, vertragen solche grazilen oder auch bizarren Kunstwerke keine zudringlichen Pflanzennachbarn. Sie müssen ganz frei stehen und brauchen eine sehr aufmerksame Pflege mit viel Geduld und Kenntnis von den Gesetzen des Pflanzenwachstums.

Mit von der Partie sind neben immergrünen Gehölzen auch laubabwerfende wie die Hainbuche. Wegen ihres schnelleren Wachstums hat sie das Zeug, in kürzerer Zeit als Eibe oder Buchsbaum zum Meisterstück zu reifen.

© Jaehner, Ilse
Bild 5: Bremer Stadtmusikanten
Beim Formschnitt ist grundsätzlich ein gewisser Spieltrieb des Gärtners notwendig. Die hohe Kunst sind jedoch Tier- oder Märchenfiguren und andere ausgefallene Sujets. Besonders geeignet ist hierfür Buchsbaum, der beispielsweise die Bremer Stadtmusikanten in Bild 5 so schön herausbringt.

nach obenSchnitt

Beim Anblick all dieser Ergebnisse stellt sich natürlich die Frage: Wie läuft der Formschnitt in der Praxis ab? Beteiligt sind in erster Linie immergrüne Gehölze. Topp sind dabei eindeutig Buchsbaum und Eibe, eben weil sie immergrün sind und sich eng verzweigen, was die Arbeit des Formierens erleichtert. Daneben eignen sich andere Immergrüne, vor allem Nadelgehölze. Laubgehölze wachsen sparriger und sind, wie die Hainbuche, nicht immergrün, daher im Winter weniger attraktiv. Zudem wachsen sie stärker, brauchen also eine stärkere Kontrolle, damit sie nicht aus der Form geraten.

Das Entscheidende ist Schnitt, Schnitt, Schnitt. Buchsbaumhecken schneidet man beispielsweise einmal im Jahr (Juli/August), Formen mindestens zwei-, wenn nicht gar dreimal: im Mai, 5 bis 6 Wochen später (Mitte/Ende Juli) und noch einmal im September. Sehr scharf konturierte Figuren, wie sie in historischen Parks zu finden sind, werden noch häufiger geschnitten, selbst wenn sich bei spätem Schnitt gewöhnlich die Blätter leicht bräunlich verfärben. Es kommt also bei der Zahl der Schnitte erstens auf die beabsichtigte Wirkung an und zweitens auf die Gehölzart, da Laubgehölze allgemein ein strengeres Vorgehen verlangen, sollen sie in die gewünschte Form kommen oder darin bleiben.

Welche Schere man benutzt, ist zweitrangig, wichtig dagegen ihre absolute Schärfe. Dann braucht man auch kein besonderes Werkzeug. Formgehölze mit glatten Flächen wie Kegel, Pyramiden, Würfel und dergleichen können Geübte sogar mit einer Motorschere schneiden, falls diese scharf genug ist. Große, hohe Eibenkegel lassen sich übrigens besser schneiden als man denken würde, weil ihr Zweiggerüst mit der Zeit so stabil wird, dass es ohne Weiteres eine angelehnte Leiter samt Gärtner hält.

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Buchs, Buchsbaum, Buchsbaumkanten, Buchsbaumkugeln, Eibe, Heckenschnitt

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