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Staudenpflege im Herbst und Winter

Dezember 2010 Der berühmte Staudengärtner und Garten-Schriftsteller Karl Förster legte eine treffende Definition für Stauden vor: "Stauden sind Blumen, die im Winter aus scheußlichem Gestrüpp bestehen oder gar nicht vorhanden sind, falls man nicht in der Erde nachwühlt. Bei einem Mindestmaß an Freundlichkeit blühen sie jedes Jahr wieder. Hat man sie lieb, bedanken sie sich überschwänglich."


Staudenbeet
© Ratschinski, Ilja
Staudenbeet

© Ratschinski, Ilja
Unter „lieb haben“ ist vermutlich ein wenig Pflege zur richtigen Zeit zu verstehen. Leider wird diese Pflege oft vergessen, und das hat Gründe. Viele Stauden sind so pflegeleicht, dass sie ohne Pflege auskommen, andere dagegen verschwinden so unauffällig aus dem Garten, dass es erstmal gar nicht auffällt, wenn sie nicht mehr da sind. Auch die verwirrende Vielfalt der Stauden führt dazu, dass sich die Pflege oft auf das Abschneiden der abgestorbenen Pflanzenteile im Frühjahr beschränkt.

Diese Vorgehensweise ist durchaus legitim und in vielen Fällen auch sinnvoll. Die abgestorbenen Pflanzenteile bieten schließlich Nahrung und Lebensraum für die Gartenfauna, schützen Überwinterungsorgane der Stauden und das Bodenleben. Abgestorbene Pflanzenteile können auch schön aussehen und besonders in Kombination mit Raureif und Schnee dem winterlichen Garten eine morbide Eleganz verleihen. Um Platz für die Frühlingsgeophyten zu schaffen, sollte der Staudenrückschnitt aber deutlich vor Frühlingsbeginn durchgeführt werden.

nach obenKrankheiten, Schädlinge

© Ratschinski, Ilja
Es ist ratsam, befallene Stauden, schon im Herbst oder Winter zurückzuschneiden. Blattflecken sind ein häufiges Symptom von Pilzkrankheiten und bei Stauden weit verbreitet. Bei Rittersporn, Astern, Phlox und Indianernessel ist es vor allem der echte Mehltau, der die Pflanzen schwächen kann. Pilzkrankheiten überwintern in Form von Mycel oder Sporen in abgestorbenen Blättern und Trieben. Auch in Knospenschuppen oder im Boden finden sich Überwinterungsformen. Werden befallene Pflanzen bereits im Herbst oder Winter zurückgeschnitten, kann das Infektionspotenzial für das kommende Frühjahr erheblich gesenkt werden. Wintergrüne Stauden (z. B. Helleborus, Bergenia) bilden hier eine Ausnahme. Bei ihnen belässt man die Blätter trotz Pilzbefall. Erst im Februar oder März werden diese kurz vor dem Neuaustrieb entfernt.

Ähnlich wie bei den Pilzkrankheiten überwintert auch manch tierischer Schädling in abgestorbenen Pflanzenteilen und Knospenschuppen. Insbesondere bei einem Befall mit Milben oder Nematoden (Stängel-, Blattnematoden) kann ein Rückschnitt im Herbst oder Winter helfen, den Neubefall zu reduzieren. Mit Schaderregern belastetes Schnittgut entsorgt man am besten über die Biotonne.

Schon im Herbst können Stauden versetzt und geteilt werden.
© Ratschinski, Ilja
Schon im Herbst können Stauden versetzt und geteilt werden.
Für Stauden, die sich durch Teilung vermehren lassen, gilt: Kein Verpflanzen ohne Teilung. Viele Staudenarten werden mit den Jahren immer größer und vor allem breiter. So kann ein sehr dichter Pflanzenbestand entstehen. Je dichter die Pflanzen zusammenrücken, desto eher werden schwächere Pflanzenarten unterdrückt. Außerdem kann ein günstiges Milieu für Pilz- aber auch Bakterienerkrankungen geschaffen werden. Alle paar Jahre sollte daher dem Staudenbeet eine Verjüngungskur gegönnt werden. Je nach Bedarf können Pflanzen entnommen und durch Teilung reduziert sowie verjüngt werden.

Sollen neue Staudenarten ergänzt werden, sind die vorherrschenden Standortbedingungen ausschlaggebend für die Pflanzenauswahl. Eine gute Pflanzenqualität, eine gute Bodenvorbereitung sowie ausreichende Pflanzabstände sind die Grundlage für ein schönes Beet. Wenn an Wintertagen ohne Bodenfrost Arbeiten im Staudenbeet durchgeführt werden, sollte anschließend die Neupflanzung mit einer Mulchschicht abgedeckt werden. Als Mulchmaterial kann Laub, Holzhäcksel, Rindenmulch oder -humus verwandt werden. Wer Kompost verwendet, hat zugleich für die Frühjahrsdüngung gesorgt. Jedoch nicht mehr als 3 Liter Kompost pro m².

nach obenDynamik im Staudenbeet

Bei der Gestaltung und Pflege von Staudenbeeten ist es oft besser, eine gewisse Eigendynamik zuzulassen, als sich an ein statisches Konzept zu klammern. Die unterschiedliche Lebenserwartung der Stauden lässt immer wieder Lücken entstehen, die überraschend schnell von Samen und Ausläufern benachbarter Stauden besetzt werden. Manchmal ergeben sich dadurch nicht weniger reizvolle Pflanzenbilder als zuvor. Auch ungeplante Arten können willkommen sein, wenn sie sich in die Gesamtkomposition einfügen. Andere Wildkräuter, wie Ampfer, Hahnenfuß, Nelkenwurz, Brennnessel oder Vogelmiere sind selten gewünscht und können bereits im Winter gejätet werden.

© Ratschinski, Ilja
© Ratschinski, Ilja

Die Staudenpflege orientiert sich vor allem an den Wachstumsrhythmen der jeweiligen Pflanzenarten und setzt sich mit den Standortbedingungen und Kombinationsmöglichkeiten auseinander. Viele Arten gedeihen prächtig mit einem Minimum an Pflege und gerade weil sie sich nicht unbedingt so entwickeln wie gedacht, sind sie immer für eine Überraschung gut.

Ihr Gartenfachberater
Ilja Ratschinski

Humoser Gartenboden.
Vom Umgang mit dem Gartenboden
100 Tage Frühling pflanzen
Holzhäcksel
Unkrautfrei durchs Gartenjahr

Schlagworte dieser Seite:

Befall, Frühlingsgeophyten, Holzhäcksel, Mulch, Mulchmaterial, Nematoden, Rindenmulch, Staude, Staudenarten, Staudenbeet, Staudenpflege

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