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Pflanzenbilder zum Jahresausklang

Dezember 2010 Ein Garten kann vieles sein: Gemüse- und Obstlieferant, Blumeninsel, Kinderspielplatz, Wohnzimmer im Grünen, Prestigeobjekt, sogar Entdeckerland. Was wächst und bewegt sich nicht alles darin! Am Ende des Jahres wollen wir ein bisschen genauer hinsehen bei Pfeifenwinde, Königsfarn, Aronstab und Wolfsmilch.


Blüte der Pfeifenwinde
© Jaehner, Ilse
Blüte der Pfeifenwinde
Nomen est omen, Namen sind bedeutsam – bei der Pfeifenwinde ganz bestimmt. Die Blüten dieses Schlingstrauches ähneln Pfeifen wie Urgroßvater sie einst rauchte. Sie bilden sich klein, unscheinbar gelbgrün und rostbraun gefärbt, ganz versteckt im Mai/Juni zwischen den riesigen Blättern. Diese werden durchaus 30 cm breit und sogar noch ein bisschen länger. Der Apfel auf dem Blatt, der die Größenverhältnisse veranschaulichen soll, ist ein normal großer Speiseapfel, nicht etwa Zierapfel oder sonstige Mini-Ausgabe. Der Zusatz "macrophylla" im botanischen Namen Aristolochia macrophylla heißt übrigens "großblättrig".

Blatt einer Pfeifenwinde
© Jaehner, Ilse
Blatt einer Pfeifenwinde
Pfeifenwinde
© Jaehner, Ilse
Pfeifenwinde
Imposant ist auch, wie die Blätter Rankgerüste und besonders Pergolen so dicht begrünen, dass sie einen leichten Sommerregen ohne weiteres abhalten. Aus einer mit einfachsten Mitteln gebauten Laube macht Pfeifenwinde ein wunderbar schattenspendendes Refugium, erholsam an heißen Sommertagen. Allerdings sollte die Erde an diesem Platz für das Gehölz genügend feucht sein.

nach obenMajestätisch

Königsfarn mit Sporenträgern
© Jaehner, Ilse
Königsfarn mit Sporenträgern
König aller Farne im Garten ist Königsfarn (Osmunda regalis). Man steht, staunt und verspürt wirklich Hochachtung vor diesem stattlichen Farn. Bereits im Frühjahr beginnen die Wedel des Königsfarnes zu wachsen, als wollten sie sagen: "Hallo, jetzt kommen wir!"

Mit langen, aber stabilen Stängeln und den noch aufgerollten Blattteilen wirken die Triebe wie Bischofsstäbe. Manch ein Künstler begeisterte sich an diesem Bild, formte es nach und um. Voll ausgerollte, ausgewachsene Wedel werden durchschnittlich 150 cm hoch. An einem Platz mit humosem, feuchtem, gern auch etwas anmoorigem Boden kann Königsfarn manchmal sogar mannshoch werden. Ein wirklich majestätischer Farn!

Und er blüht sogar, was kein anderer Farn tut. Tatsächlich sind Farne aber Sporenentwickler. Auch der Königsfarn. Bei ihm spricht man nur von "Blühen", weil er am oberen Ende der inneren Wedel auffallend geformte Sporenträger bildet und dies so aussieht, als würde der Königsfarn blühen. Im wechselvollen Licht am Fuße von Gehölzen ist Königsfarn so schön, dass die Erinnerung an ihn im Winter, wenn seine nicht wintergrünen Wedel längst vergangen sind, noch immer begeistert. Im nächsten Jahr wird er noch mächtiger und schöner sein.

nach obenGiftige Pracht

Aronstab mit aufgeschnittenem Blütenstand
© Jaehner, Ilse
Aronstab mit aufgeschnittenem Blütenstand
Nicht ganz so hoch, jedoch nicht minder majestätisch ist der Aronstab, mit lilafarbener Keule im Blütenstand. Der Name dieser Pflanze erinnert an Aaron, den Bruder von Moses (4. Mose 17). Nach der biblischen Überlieferung legten die Vertreter der zwölf Stämme Israels je einen Stab auf die Bundeslade und Arons Stab war der einzige, der grünte.

Manche Pflanzen verfolgen konsequent ihre Ziele, warten nicht ab, dass vielleicht zufällig ein Insekt vorbeikommt und die Blüten bestäubt, sondern richten regelrechte Fallen ein. Die tütenförmige, weißlich-grüne Blütenscheide des Aronstabs lässt, wenn sie sich öffnet, nur das dicke Kolbenende sehen. Innen, unterhalb der Einschnürung der Blütenscheide, läuft alles nach einem ausgeklügelten System ab: Von Aas-Geruch und Wärme angelockt, kommen kleine Insekten herbei, folgen der gelegten Spur, krabbeln immer tiefer in den Kessel, durch einen ersten Haarkranz, vorbei an männlichen Blüten, durch einen zweiten Kranz bis zu den weiblichen Blüten am Grund. Zurück können sie erst, nachdem sie die weiblichen Blüten mit Pollen von anderen Pflanzen bestäubt haben. Ist das geschehen, lässt der untere Kranz die Tiere durch zu den männlichen Blüten, von denen sie nun ebenfalls Pollen abstauben. Nun vergehen auch die Härchen des oberen Kranzes. Damit kommen die Tiere unbeschadet frei.

Aronstab mit Früchten
© Jaehner, Ilse
Aronstab mit Früchten
Bald darauf fällt der ganze Blütenstand gewissermaßen zusammen, mit Ausnahme der befruchteten weiblichen Blüten, die zu knallroten Beeren werden.

Aronstab ist etwas für naturnahe Gärten in Waldnähe oder mit waldähnlichen Bereichen. Wo er sich wohl fühlt, vermehrt er sich mit knolligen Wurzelstöcken oder Samen.

Vorsicht! Aronstab ist in allen Teilen giftig, dennoch diente er früher in bestimmten Fällen als Heilpflanze. In manchen Gegenden Südeuropas wird die stärkereiche Knolle sogar gegessen, allerdings nur in gekochtem Zustand. Doch dies soll man besser unterlassen, denn eine Vergiftung mit Aronstab kann im schlimmsten Fall tödlich verlaufen.

nach obenStrenge Schönheit

Kreuzblättrige Wolfsmilch
© Jaehner, Ilse
Kreuzblättrige Wolfsmilch
Einige frustrierte Gartenbesitzer setzen auf Wolfsmilch im ständigen Kampf mit der Wühlmaus. Die meist unterirdisch lebenden Nager können die Lust am Garten im wahrsten Sinne des Wortes untergraben. Zwiebeln, Knollen, Wurzeln vieler Pflanzen, gern auch von Obstbäumen, sind nicht sicher vor den Schädlingen. Da sucht mancher verzweifelte Gärtner sein Heil bei der Kreuzblättrigen Wolfsmilch (Euphorbia lathyris), sät sie, pflanzt sie und hofft, dass mit ihrer Hilfe das Wühlmausproblem gelöst ist, weil die Tiere das Weite suchen. Aber die Wühlmäuse zeigen sich da ziemlich unbeeindruckt. Mitunter graben sie ihre Gänge und Löcher in unmittelbarer Nachbarschaft der Wolfsmilch und ignorieren sie komplett.

Doch die Kreuzblättrige Wolfsmilch ist aus einem anderen Grund bemerkenswert: Wer einen Blick für formale Schönheit hat, ist fasziniert von ihrem strengen, fast architektonischen Aufbau. Akkurat kreuzförmig ordnen sich die Blätter am Stängel. Der Blütenstand baut sich nach ähnlichem Prinzip auf. Stängel teilen sich, im Winkel sitzen winzige Blütchen, Samenkapseln entstehen. Es folgt wieder die Teilung der Stängel, wieder Blühen, wieder Fruchten und so weiter. Würde es nicht Winter, ginge das vielleicht endlos weiter – als pflanzliches Perpetuum mobile. Selbstverständlich bilden sich auch Samen, sogar viele Samen. Sie sorgen dafür, dass sich die Kreuzblättrige Wolfsmilch autark ohne Nachhilfe im Garten hält. Mitunter werden es sogar zu viele. Sie ist aber leicht zu stoppen, weil sie nur zweijährig wächst. Man muss lediglich die Samenbildung unterbinden.

Die Kreuzblättrige Wolfsmilch war ursprünglich nur in Südeuropa sowie Ostasien heimisch und hat sich bei uns eingebürgert. Früher wurde sie unter anderem wegen ihrer ölhaltigen Samen (40 bis 50 %) regelrecht kultiviert. Wolfsmilchöl in Öllämpchen brachte Licht in manches Dunkel. Mit dem weißen Saft, den diese Wolfsmilch, wie alle anderen Angehörigen ihrer Familie, aus jeglichen Wunden absondert, ist jedoch nicht zu spaßen. Er reizt die Haut, ruft auch Entzündungen hervor und kann blind machen, wenn etwas davon ins Auge kommt.

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Wintergrün ist immer schön
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Aronstab, Blumeninsel, Kinderspielplatz, Kreuzblättrige Wolfsmilch, Königsfarn, Pfeifenwinde, Rankgerüst, Wolfsmilch, Wühlmaus

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