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Echte Hinkucker − Hochblätter und "falsche" Blüten

September 2010 Die erfinderische Natur lässt Blätter durchaus nicht immer nur Blätter sein, sondern denkt sich einiges aus, um ihnen weitere Aufgaben zuzuteilen oder sie schöner zu machen. Gewissermaßen in Konkurrenz zu Blütenblättern. Hochblätter sind Beispiele für geglücktes Bemühen in diese Richtung.


Botaniker erklären Hochblätter so: Es handelt sich grundsätzlich um umgewandelte gewöhnliche Laubblätter, wobei diese meist eine andere Form, oft auch eine andere Farbe annehmen, also anders aussehen als die normalen Laubblätter der betreffenden Pflanze. Sie befinden sich meist höher als normale Laubblätter, am Ende von Trieben in Nähe der Blüten. Hochblätter werden auch Brakteen, Hüllblätter, Spelzen oder Deckblätter genannt.

Die Aufgabe von Hochblättern ist zuerst der Schutz von Blütenknospen und jungen Blüten vor ungünstigen Witterungsverhältnissen. Ein Beispiel dafür sind die Hochblätter vom Schneeglöckchen, aus deren Schutz allmählich die gestielten Blüten herauswachsen. Auch Maiglöckchen haben Hochblätter und zwar unter jedem Blütenstielansatz. Sowohl bei Schnee- als auch bei Maiglöckchen fallen die Hochblätter wegen ihrer grünlichen Farbe kaum auf.

nach obenVerlockend

Das ändert sich, sobald Hochblätter dazu dienen, Insekten anzulocken, damit die Blüten sicherer bestäubt werden. Das ist besonders wichtig, falls die Blüten selbst klein und unscheinbar sind, deswegen möglicherweise von potenziellen Bestäubern übersehen werden könnten. Dann übertreffen Hochblätter oft die Blütenblätter an Größe und Farbe. Sie werden gewissermaßen selbst zu Blüten.

Diese Veranlagung von Pflanzen zur Bildung attraktiver Hochblätter machen sich Menschen zunutze und fördern sie sogar. So entstehen Pflanzen mit wunderschönen Hochblättern wie jene von Bougainvillea mit ihren roten oder blauvioletten Hochblättern. Die eigentlichen kleinen, weißen Blütchen treten in den Hintergrund.

Stazice
© Jaehner, Ilse
Stazice
Ähnlich verhält es sich bei Statice, deren Hochblatt-Blütenstängel beliebtes Material für Trockensträuße liefern. Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang, dass Hochblätter, allgemein länger halten als Blüten, die dem normalen Gang von Auf- und Verblühen unterliegen.

nach obenLichtabhängig

Weihnachtsstern
© Jaehner, Ilse
Weihnachtsstern
Der Weihnachtsstern als Beispiel für Hochblattbildung ist besonders eindrucksvoll, zumal er jedermann bekannt ist und mittlerweile nicht nur mit roten "Blüten", sondern auch mit rosafarbenem und weißem Schmuck gefällt. Auch hier sind die Blüten nicht echt, sondern es handelt sich um Hochblätter. Die unscheinbaren wirklichen Blüten des Weihnachtssterns befinden sich am Ende der Blütenstängel und bestehen nur aus pinseligen Staubgefäßen und nebengestellten Nektarien, die eine süße Flüssigkeit absondern. Weihnachtssterne sind schnittreif, wenn ein Teil dieser Blütenköpfchen Staubgefäße zeigt.

Goldwolfsmilch
© Jaehner, Ilse
Goldwolfsmilch
Der Weihnachtsstern ist eine typische Kurztagpflanze und blüht demnach nur, wenn die tägliche Lichteinwirkung eine bestimmte Dauer nicht überschreitet. Andernfalls färben sich weder die obersten Blätter rot noch bilden sich Blüten. Viele in Kultur befindliche Wolfsmilchgewächse (Euphorbien) verhalten sich ähnlich, nur nicht so streng wie der Weihnachtsstern. Wir erinnern an Christusdorn (Euphorbia milii) oder die Goldwolfsmilch (Euphorbia polychroma), eine frühjahrsblühende Staude mit wunderschönen goldgelben Hochblättern.

nach obenBlütenscheiden

Große Flamingoblume
© Jaehner, Ilse
Große Flamingoblume
Eine ganze Pflanzenfamilie, die der Aronstabgewächse, besitzt auffallend gefärbte Hochblätter, die sie als Blütenscheiden oder Spathen ausbildet. Die bekanntesten Vertreter sind die Kleine Flamingoblume (Anthurium scherzerianum) und die Große Flamingoblume (Anthurium andraeanum) – die eine als Topfpflanze, die andere als Schnittblume. Die auffallend gefärbten Schilder haben mit Blüten nichts zu tun. Die eigentlichen winzigen Blüten sitzen dicht an dicht als kleine Höcker an den Kolben und sind leicht zu übersehen.

Ein prüfender Blick lohnt sich aber, besonders, wenn man eine große Flamingoblume als Schnittblume kauft. Der Stiel ist schnittreif, wenn am Blütenkolben die ersten Höcker Tröpfchen absondern. Sind die Höcker schon trocken oder gar dunkler gefärbt, hält die Schönheit nicht mehr lange.

Blütenscheiden entwickeln ebenfalls Callas und Blattfahnen. Außer der Attraktivität der Spatha ist es auch deren lang andauernder Schmuckwert, der diese Pflanzen so beliebt macht.

Bundschofsalbei
© Jaehner, Ilse
Bundschofsalbei
Von der langen "Blüte"-Zeit seiner Hochblätter profitiert auch der Buntschopfsalbei (Salvia viridis, früher Salvia horminum). Die von Natur aus staudig wachsende, hier meist einjährig zu ziehende Pflanze kann man gar nicht warm genug empfehlen, eben wegen der Wirkung ihrer Hoch- oder Deckblätter an den etwa 40 cm hohen Trieben mit dicht sitzenden Blättern, von denen jene am Ende der Triebe purpurkarmin, violett, rosa oder weiß getönt sind. Die eigentlichen Blüten sieht man kaum.

nach obenSchauobjekte

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Viel Spaß beim Gärtnern!
Samthortensie
© Lentner, Christian
Samthortensie
Wie einige Pflanzen Blätter zu Blüten umwandeln, um damit Insekten anzulocken, so raffiniert modeln andere Gewächse ihre Blüten zu reinen Schauobjekten um. Hortensien verstehen das ausgezeichnet. Die umfangreichen blauen, roten oder weißen Blütenbälle sind dafür Beispiele. Sie wären längst nicht so dick, wenn die vielen Blüten so winzig geblieben wären wie sie ursprünglich einmal waren.

Die Samthortensie (Hydrangea aspera 'Macrophylla') ist dafür ein ideales Anschauungsobjekt: Abweichend von den rosalila bis hellvioletten, fruchtbaren (fertilen), aber kleinen Blüten entstehen auffallend gefärbte Blüten, um auf die kleinen aufmerksam zu machen. Der Preis für die größere Attraktivität dieser Blüten ist Unfruchtbarkeit (Sterilität).

Japanischer Etagenschneeball
© Jaehner, Ilse
Japanischer Etagenschneeball
Ähnliches kann man bei Schneeballarten beobachten, so beim Japanischen Etagen-Schneeball (Viburnum plicatum 'Mariesii'). Ein Kranz steriler Randblüten umgibt die fertilen Mittelblüten dieses sehr aparten Blütenstrauches.

nach obenWandelbar

Grüne Christrose
© Jaehner, Ilse
Grüne Christrose
Die Möglichkeiten der Umwandlung von unscheinbaren Gebilden zu auffallender Blütengestaltung veranschaulicht ferner die Christrose beziehungsweise ihre attraktivere Schwester, die Lenzrose. Die Aufnahme der Christrose zeigt rechts die Blütenorgane, Staubbeutel und Stempel, sowie in der Mitte eine Blüte mit aus Kronblättern umgewandelten, deutlich erkennbaren Nektarien, die süßen Saft ausscheiden und so Insekten anlocken. Diese Nektarien spielen bei der Züchtung von gefüllt blühenden Lenzrosen eine große Rolle, weil sie in Erinnerung ihrer ursprünglichen Aufgabe wieder blütenblattähnlich werden können. Blütenblätter bleiben sowohl bei reinen Arten als auch Hybriden bis zur Samenreife erhalten, verfärben sich weißlich, grünlich oder grüngelblich. Mitunter lassen sie sogar noch andeutungsweise die ursprüngliche Musterung erkennen.

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Bild 1: Christrose 'Wintersun'
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Christrosen: Blühwunder zur Weihnachtszeit
Gehölz, Blumenzwiebeln, Stauden, Zweijahrsblumen – hübsch arrangiert.
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Aronstab, Bougainvillea, Buntschopfsalbei, Calla, Christrose, Christusdorn, Flamingoblume, Hochblätter, Hortensie, Lenzrose, Maiglöckchen, Samthortensie, Schneeglöckchen, Statice, Weihnachtsstern, Wolfsmilchgewächs

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