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Glockenrebe im Porträt

Mai 2010 Es ist erstaunlich, wie viel man über eine Pflanze herausfinden kann, wenn man sich gründlich mit ihr beschäftigt. Ein Paradebeispiel dafür ist die Glockenrebe (Cobaea scandens).


Glockenrebe
© Jaehner, Ilse
Glockenrebe
Trieb mit Blättern und geschlossener Blütenknospe.
© Jaehner, Ilse
Trieb mit Blättern und geschlossener Blütenknospe.

Ihren botanischen Namen erhielt die Glockenrebe nach dem spanischen Geistlichen und Botaniker Barnabas Cobo, der von 1582 bis 1657 lebte. Doch erst 1789 kam die Pflanze von Mittelamerika nach Europa, wo sie erstmals im Botanischen Garten von Madrid Furore machte. Der Zuwanderer aus tropischen Regionen Costa Ricas und Mexikos ist ein schlingendes Gehölz, daher ausdauernd und zählt mit zehn weiteren Arten zur Pflanzenfamilie der Polemoniaceae, der Sperrkrautgewächse, zu denen außerdem auch Phlox und Jakobsleiter gehören. Als allgemein verbreitete Zierpflanze konnte sich aber nur die Glockenrebe durchsetzen.

In ihrer Heimat bildet die Pflanze verholzende Triebe, die an gutem Platz bis zu 10 m hoch werden – mit Hilfe von Blattranken, die sich an allem festkrallen, was sie nur eben erreichen können. Aus diesem Grund nennt man die Glockenrebe auch Krallenwinde. Hierzulande wird sie nicht so hoch. Immerhin macht sie mit ihren Wickelranken regelrechte Klimmzüge und schafft, in der kurzen Zeit zwischen Frühjahr und Herbst, je nach Standort und Pflege, drei oder vier Meter. Nur das hiesige frostige Winterwetter macht ihr zu schaffen. Darum wird sie bei uns gewöhnlich einjährig gezogen.

nach obenÜppiger Wuchs

Bei der Glockenrebe ist alles ziemlich üppig, auch das Laub. Die Blätter erscheinen so zahlreich und dicht, dass sie an einem Spalier oder sonstigem Rankgerüst als fast geschlossene grüne Wand erscheinen. Die anfangs roten "Krallen" entstehen aus umgewandelten obersten Fiederblättchen am Ende der Triebe.

Der Name Glockenrebe veranschaulicht, wie die Pflanze blüht: mit großen, schön geformten Glocken von Juni bis Mitte/Ende Oktober. Aus den fünfzipfeligen Knospen schieben sich allmählich die Blütenglocken hervor. Im frühen Jugendstadium sind diese zunächst grünlich-weiß gefärbt. Allmählich, im Verlauf von zwei oder drei Tagen, erfolgt der Farbumschlag zu dunklem Lila. Der Flor dauert von Juni bis Mitte/ Ende Oktober.

Knospe der Glockenrebe
© Jaehner, Ilse
Knospe der Glockenrebe
Glockenrebe nach dem Farbumschlag zu dunklem Lila.
© Jaehner, Ilse
Glockenrebe nach dem Farbumschlag zu dunklem Lila.

Am Ende des Blühens schrumpft die Glocke ein und fällt schließlich ab. Nur die Kelchblätter bleiben zurück und sind noch für lange Zeit fast so reizvoll wie die Blüten selbst.

nach obenFrüchte

Unter Umständen entstehen sogar Früchte. Es heißt, dass dies bei uns selten geschieht. Denn in ihrer Heimat werden Glockenreben von Kolibris bestäubt. Offenbar übernehmen hier Nachtschmetterlinge schon mal die Aufgabe des Bestäubens, denn an sonnigen, warmen Plätzen entstehen hin und wieder tatsächlich Früchte. Wer ganz sicher gehen will, dass dies geschieht, kann nachhelfen, indem er mit einem feinen Pinsel Pollen auf die Narben überträgt. Hierfür sollte man jedoch den günstigsten Zeitpunkt wählen. Der kommt erst, wenn sich die Blüten schon ein bisschen nach unten neigen, wie bei Nachtblühern häufig zu beobachten. Dazu muss man wissen, dass erst ein Teil des Pollens reift, dann die Narben, schließlich der Rest des Pollens. Eventuell muss der Pollen im Verlauf dieser Entwicklung zweimal übertragen werden.

Kelchblatt mit Fruchtansatz
© Jaehner, Ilse
Kelchblatt mit Fruchtansatz
Frucht
© Jaehner, Ilse
Frucht

Wie erwähnt, fallen nach einiger Zeit die Blumenblätter ab, die Kelchblätter bleiben erhalten. Ebenso überdauern noch für einige Zeit ein langer Narbenstiel und in der Mitte die ersten Anfänge der Fruchtbildung. Die entstehenden Früchte werden ziemlich umfangreich, mit 5 bis 7 cm verhältnismäßig lang, ragen weit aus den Kelchblättern heraus und sind oft hübsch hell gefleckt. Ob die Samen darin wirklich voll ausreifen, ist allerdings fraglich. Meist reichen Länge und Wärme des Herbstes nicht aus.

nach obenAussaat

Man sät Glockenreben gewöhnlich im März bis Anfang April unter Schutz aus und zwar zwei oder drei der großen Samen jeweils gleich in kleine, mit humosem Anzuchtsubstrat gefüllte Töpfe. Die Keimung erfolgt an hellem Platz und bei etwa 18 Grad meist nach 14 Tagen. Mitunter dauert es auch etwas länger. Nach dem Keimen lässt man nur die stärkste Pflanze stehen, setzt die herausgenommenen, jede für sich, in weitere Töpfe um und stäbt allesamt unbedingt frühzeitig. Versäumt man Letzteres, hat man eventuell fast über Nacht ein heilloses Durcheinander, weil sich bereits die noch ganz jungen Glockenreben an alles in ihrer Nähe stehende krallen. Man muss rechtzeitig für Ordnung sorgen und dabei vor allem auf genügend Abstand von Pflanze zu Pflanze achten.

Ende Mai wird ausgepflanzt, immer an einem sonnigen, warmen, geschützten Platz im Garten oder im Kübel für Balkon und Terrasse. Die Pflanzen brauchen etwas, woran sie sich beim Wachsen festhalten können: ein Holzspalier, einen Flechtzaun, Maschendraht oder zumindest einige Schnüre. Im Verlauf des Sommers düngt man noch einige Male, am besten flüssig, und bei Trockenheit ist reichlich zu gießen.

In klimatisch besonders günstigen Lagen, wo es im Winter nur selten und dann nicht hart friert, kann man versuchen, Glockenreben mehrjährig zu ziehen. Dazu schneidet man im November die oberirdischen Teile bis zum verholzten Bereich ab, gibt eine gute Laubschütte auf die Pflanze und deckt das Ganze mit Fichtenzweigen zusätzlich ab. Geht alles gut, treibt die Glockenrebe im nächsten Frühjahr aus dem Wurzelstock wieder aus. Oder man überwintert einige Exemplare in einem im Winter garantiert frostfreien Gewächshaus und unterstützt im Frühjahr das neue Wachstum mit Wärme und Nährstoffen.

Bild 2: Zierkürbis
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Schlagworte dieser Seite:

Blütenglöckchen, Gewächshaus, Glockenrebe, Kletterpflanze

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
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13. März 2015

gartenfexin

von wegen drei oder vier meter!!!
meine glockenrebe hat es im letzten jahr mithilfe eines drahtes über den balkon(3m) und eines weiteren drahtes aufs dach(8m) geschafft. daneben hat sie noch - von mir dressiert - einen 8 m langen wäschedrahnt vor dem balkon besiedelt! all das, obwohl sie nur in einem großen tontopf saß! allerdings habe ich sie zweimal wöchentlich gedüngt. jetzt hoffe ich nur, dass aus dem samen was wird, den ich überwintert habe. die ist einfach ein tolles gewächs!

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