Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Obst > Fruchtfall - Ursachen und Aufmaß
← vorheriger BeitragZeit für die Erdbeerpflanzung
nächster Beitrag → Schnecken in Erdbeeren

Fruchtfall − Ursachen und Aufmaß

Juli 2008 Wir kennen alle weißblühende Obstbäume. Sie sind eine Freude für das Auge. Auch eine Freude bei der Ernte?


nach obenBlüte

Der erfahrene Gartenbesitzer unterscheidet zwischen einer mäßigen, einer normalen und einer Weißblüte. Erstere folgt meistens einer Vollernte und ist das Ergebnis mangelnder Blütenknospenbildung aufgrund des hohen Bedarfs der Jungfrüchte an Kohlehydraten. Unter diesen Bedingungen entstehen nur wenige oder nur unzureichend ausgebildete Blütenknospen. Ihnen fehlt die funktionstüchtige Narbe oder die Samenanlagen im Fruchtknoten.

Befindet sich ein Baum im "physiologischen Gleichgewicht" – das ist das ausgeglichene Verhältnis zwischen Fruchtbildung einerseits und Knospenbildung andererseits – dann können wir – wenn die Witterungsverhältnisse während und gleich nach der Blüte es zulassen – mit einer normalen Ernte rechnen.

Der Begriff der Weißblüte wird verwendet bei blühenden Bäumen, die vor lauter Blüten kaum Blätter haben. Dies kann als Folge von Veränderungen im Wurzelbereich, Holzpilzbefall oder anderer Krankheiten auftreten. Gelegentlich wird hier auch der Begriff der Angstblüte verwendet. Häufig zeigt der Baum sein baldiges Ende an.

nach obenFruchtfall

Betrachtet man einen normal blühenden Obstbaum zum Zeitpunkt der Vollblüte und stellt sich den normalen Ertrag vor, so ist es klar, dass ein großer Teil der Blüten "unverrichteter Dinge" den Baum verlässt. In der Tat rechnet man beim Kernobst mit nur 5 % und beim Steinobst mit 20 % bis zur Ernte verbleibenden Früchten.

Das gleich nach der Vollblüte beginnende Abfallen der Blüten und jungen Früchte verläuft in mehreren Phasen. Beim Kernobst beginnt die erste mit dem Fall der Blütenblätter: Die unbefruchteten oder nicht vollständig entwickelten Blüten fallen. Drei bis vier Wochen später beginnt der "Junifall". Der Baum reinigt sich. Eine dritte Zeit beginnt – bei der Sorten unterschiedlich ausgeprägt – drei bis vier Wochen vor der Ernte: Der Vorerntefruchtfall.

Beim Steinobst verläuft der Fruchtfall ähnlich, jedoch aufgrund der kürzeren Fruchtentwicklung in insgesamt geringeren Abständen, die Perioden sind kaum voneinander zu trennen. Beim Junifall der Kirschen spricht man vom "Röteln" aufgrund der Rotfärbung der noch unreifen Frucht.

nach obenUrsachen

Beim Kernobst bildet das Kerngehäuse fünf Kammern, in denen die Eizellen befruchtet werden. In Blüten die nicht befruchtet werden, erfolgt nicht der Hormonimpuls, der notwendig ist, Nährstoffe zur Ausbildung der Frucht anzuziehen. Sie werden abgestoßen.

Die Blüten die durch Selbstbefruchtung oder ungeeignete Pollen ihren Anstoß zur Fruchtbildung erhielten, fallen in der nächsten Phase ab.

Innerhalb des Baumes konkurrieren die bestbefruchteten Früchte miteinander um die Kohlehydrate. In den fünf Kammern sitzen allgemein 10 Samenanlagen. Diejenigen, die die geringsten Samen angesetzt haben, werden als nächstes abgestoßen. Große Früchte haben daher auch die meisten Kerne.

Beim "Röteln" spielen noch andere, uns noch nicht ganz bekannte Verhältnisse mit. Die Witterung spielt auch eine Rolle. Bekannt und bei den Kirschenanbauern gefürchtet sind Trocken- oder Kälteperioden, die zu mangelnder Versorgung der Embryonen führen können.

Innerhalb eines Baumes beobachtet man, dass schwaches Fruchtholz die meisten Jungfrüchte fallen lässt. Blütenbüschel behalten die zuerst aufblühende Mittelblüte, die "Königsblüte", bei Äpfeln häufig durch einen dicken Stiel auffallend. Sie ist in ihrer Entwicklung den anderen voraus und damit am stärksten. Ähnlich lässt sich der Unterschied zwischen Blüten des einjährigen und des zweijährigen Holzes beim Apfel erklären. Früchte am einjährigen Trieb bleiben kleiner. Ihnen fehlen die Tage, die die anderen früher blühen, zur Entwicklung.

Der Junifall ist immer wieder erschreckend. Doch er hat auch sein Gutes: Der Baum reguliert und sichert damit die Blütenknospendifferenzierung für das Folgejahr und verhindert so eine Weißblüte. Denn es ist beim Laien kaum bekannt, dass die Fruchtbildung und die Anlage von Blütenknospen für das nächste Jahr parallellaufende Vorgänge sind, die wiederum miteinander in Konkurrenz stehen.

Die Gedanken, den ungewünschten Fruchtfall zu reduzieren, lassen sich zusammenfassen:

  • Überaltertes Fruchtholz beseitigen
  • Auf gute Belichtung in der Baumkrone achten
  • Bei Bedarf bewässern (Kirschen)
  • Für eine ausgewogene Nährstoffversorgung sorgen (Bodenprobe)
  • Fruchtausdünnung nicht vergessen (Faustzahl: 40 Blätter je Frucht)
  • Für gute Befruchtung sorgen (evtl. blühende Zweige in die Krone hängen)
  • Gefahr von Blütenfrost verringern
  • Reichlicher Bienen- und Insektenflug sichert die Befruchtung (kein Netzschwefel unmittelbar vor und in die Blüte!)

Es ist besser, durch eine gute Befruchtung bei normalen Witterungsverhältnissen zu überdurchschnittlichem Behang zu gelangen. Durch frühzeitig einsetzende Ausdünnung kann regulierend eingegriffen werden. Schlechte Befruchtung bringt nicht lagerbare Ernten und im Folgejahr oft wenig tauglichen Überbehang.

← vorheriger BeitragZeit für die Erdbeerpflanzung
nächster Beitrag → Schnecken in Erdbeeren

Schlagworte dieser Seite:

Fruchtfall, Weißblüte

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
14. März 2015

Adi

zu viel text!

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2019

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de