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Nützling oder Schädling?

Juni 2008 Für viele Gartenbesitzer gibt es hier eine klare Einteilung: Schnecke, Blattlaus, Obstmade, Engerling = Schädling. Igel, Marienkäfer, Blaumeise = Nützling. Was unseren Pflanzenkulturen schadet, wird direkt in die Abteilung Schädlinge gesteckt, die es gilt aus dem Garten zu vertreiben.


Schon fast wütend wird oftmals bei Vorträgen angemerkt, es gäbe ja keine richtigen Spritzmittel mehr um den Schädlingen ein für allemal den Garaus zu machen. Diese Einteilung in Gut und Böse lässt sich bei näherer Betrachtung so natürlich nicht aufrecht erhalten, in der Natur ist jede Tier- und Pflanzenart auf ihre Art und Weise nützlich und diese Vielfalt sorgt für die Stabilität im Ökosystem.

Bei vielen Gartenbewohnern stößt man mit dieser Einteilung sowieso schnell an Grenzen: Wie verhält es sich mit der Amsel, die auch Kirschen frisst? Wie mit den Regenwürmern, die massenweise Erdhaufen hinterlassen und so den Rasenwuchs unterdrücken können? Was, wenn der so geschätzte Blattlausvertilger Ohrwurm plötzlich Lust auf reife Früchte bekommt und diese anfrisst, was in den letzten Jahren häufig vorkam? Nützling oder Schädling?

Sicherlich will jeder Gartenbesitzer seine Pflanzen vor Schaden schützen und muss dies tun, wenn er erfolgreich gärtnern will. Wenn aber Nützlinge lästig werden ist oft guter Rat teuer, dazu einige Tipps:

  • Blaue Vogelschutznetze werden von Vöglen gut gesehen.
    © Görlitz, Sven
    Blaue Vogelschutznetze werden von Vöglen gut gesehen.
    Schützen Sie Ihr Obst mit Vogelschutznetzen. Verwenden Sie dabei nur blaue Netze, nur diese werden von Vögeln richtig gesehen. Die Maschenweite sollte höchstens 3 × 3 cm und der Abstand zum Boden mind. 40 cm betragen, damit sich keine Tiere, z. B. Igel darin verfangen.

  • Gemeiner Ohrwurm
    © Görlitz, Sven
    Gemeiner Ohrwurm
    Wenn Ohrwürmer Fraßschäden verursachen, können diese in mit Stroh gefüllten Blumentöpfen eingefangen und an andere Pflanzen umgesiedelt werden.

  • Wurmhaufen im Rasen
    © Görlitz, Sven
    Wurmhaufen im Rasen
    Regenwürmer im Rasen sind vielleicht lästig, dürfen aber auf keinen Fall bekämpft werden. Rechen Sie die Wurmhaufen oft ab und sorgen Sie für eine gute Durchlüftung des Rasens, gegebenenfalls auch mit Sand.

  • Geben Sie einer mechanischen Bekämpfung und Abwehr z. B. mit Gemüseschutznetzen und dem Einsatz der Gartenschere immer den Vorrang. Wenn Sie Spritzmittel einsetzen, müssen diese immer nützlingsschonend sein.
  • Sorgen Sie für eine große Tier- und Pflanzenvielfalt durch verschiedene Biotope, Nisthilfen und Futterpflanzen in Ihrem Garten. Damit werden Nützlinge angelockt und nur, wenn man diesen genug Raum gibt, wird es selten zu einer Massenvermehrung von "Schädlingen" kommen.
  • Beobachten Sie Vorgänge in Ihrem Garten und informieren Sie sich über nützlingsschonende Maßnahmen. Hierbei stehen ihnen die Gartenfachberater der Landesverbände gerne zur Verfügung.

Ob Nützling oder Schädling hängt also stark von der Gartennutzung und der Betrachtungsweise ab. Bevor man hier also vorschnell klare Grenzen zieht, kann man sich auch fragen, was eigentlich der Mensch, der gerade dabei ist unzählige Arten auf diesem Planeten auszurotten, aus der Sicht der Natur darstellt: Nützling oder Schädling?

Ihr Gartenfachberater
Sven Görlitz

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Nützling, Pflanzenschutz, Schädling

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
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16. April 2015

Mohr

Zu welcher Wurmart gehört das Bild "Wurmhaufen im Rasen".
Bild von Sven Görlitz. Bekannte haben diesen Wurmhaufen in ihrem Rasen.
Bitte um Rückantwort. Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
mfg
Mohr, Hollenstedt

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