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Bodenbearbeitung und Düngung (Teil 2)

Ramblerrose
© Breidbach, Martin

März 2008 Der Boden ist bearbeitet, die Pflanzen sind ausgewählt und das Wetter lässt (hoffentlich) die Finger kribbeln und man sagt: Auf in den Garten! Etwas fehlt aber noch, oder? Richtig, der Dünger ist noch nicht verteilt. Denn neben Boden, Wasser, Luft, Licht und weiteren Wachstumsfaktoren benötigen die Pflanzen noch ein wenig "Futter" zum Wachsen. Und ohne diese Nahrungsquelle gedeihen weder Obst, Gemüse noch Blüten- und Zierpflanzen, wie diese Ramblerrose, zu den gewünschten Schmuckstücken im Garten.


Nicht jede Pflanze benötigt aber dieselben Nährstoffe und nicht in derselben Dosierung. Und nur nach dem grünen Daumen zu düngen, schadet in vielen Fällen den Pflanzen oder aber dem Geldbeutel. Regelmäßige Bodenuntersuchungen (alle 3 bis 5 Jahre), die in der Regel Auskunft über Phosphor-, Kalium- und Magnesiumgehalt sowie über den pH-Wert geben, und die darauf aufbauenden Düngeempfehlungen sind nicht nur in der Landwirtschaft oder im Gartenbau unabdingbar. Auch im Hausgarten sind sie eine wichtige Vorraussetzung für eine pflanzengerechte und auch umweltschonende Düngung. Die Adressen entsprechender Bodenuntersuchungs-Institute erhalten sie über ihre Landesfachberater.

nach obenNärstoffgehalte 1997 – 2002 (652 Proben)

 Phosphor
mg P2O5 in 100 g Boden
Kalium
mg K2O in 100 g Boden
Magnesium
mg MgO in 100 g Boden
gewünscht15159
Ziergarten Ø451714
Nutzgarten Ø1014222
Minimum632
Maximum35025387

Stippeflecken als Symptom einer unausgewogenen Ernährung.
© Breidbach, Martin
Stippeflecken als Symptom einer unausgewogenen Ernährung.
Die Ergebnisse von über 650 Bodenproben in Hessen, aber auch die Ergebnisse der Fachberater im ganzen Bundesgebiet, machen deutlich, dass die Böden auch in den Gärten unserer Eigenheimer vielfach überversorgt sind (siehe Tabelle). Eine solche Überversorgung kann sich oftmals auch ins Negative kehren. An den Pflanzen kann es zu Missbildungen kommen, Früchte lassen sich nicht lange lagern, Schädlinge und Pilzerkrankungen können die "gemästeten" Kulturen stärker befallen und schlimmstenfalls stirbt die Wurzel und damit die ganze Pflanze ab.

nach obenMineralisch oder organisch?

Nun scheint nach einer Bodenuntersuchung alles klar zu sein, doch stellt sich bei den vielen Zahlen die Frage: Welchen Dünger und wie viel davon verwende ich? Die Auswahl ist groß und die nächste, schon fast grundsätzliche Frage lautet: Nehme ich einen mineralischen oder einen organischen Dünger?

Mineraldünger

Die mineralischen Dünger, fälschlicherweise auch als Kunstdünger bezeichnet, enthalten die Nährstoffe im Gegensatz zu den organischen Düngern in mineralischer Form. Diese Dünger werden zwar chemisch hergestellt, bestehen aber auch aus natürlichen Rohstoffen, die entweder bergmännisch abgebaut oder im Falle des Stickstoffes in einem aufwendigen Verfahren aus dem Luftstickstoff gewonnen werden. Die Mineraldünger, am bekanntesten ist das sogenannte "Blaukorn", sind wasserlöslich und die im Boden gelösten Nährstoffe können direkt über die Wurzel in die Pflanze gelangen. Sie wirken rasch und ein Erfolg ist in kürzester Zeit sichtbar, was unter anderem bei Pflanzen mit Mangelerscheinungen von großem Vorteil ist.

Eine unsachgemäße Anwendung in Form einer Überdüngung kann sich aber sehr schnell durch massive Schäden – wie oben erwähnt – oder auch durch zu hohe Nitratgehalte im Gemüse bemerkbar machen. Zudem besteht u. a. bei sandigen Böden die Gefahr des Auswaschens ins Grundwasser – eine Problematik, die schon vor vielen Jahren den Haus- und Kleingarten in Verruf gebracht hatte. Mineralische Langzeitdünger, leider teuer in Produktion und Anschaffung, sind hier ein Weg, diese Risiken zu minimieren. Ein weiterer Nachteil der Mineraldünger ist, dass es im Laufe der Jahre zu einer Humusverarmung kommen kann. Eine gleichzeitige Versorgung mit Kompost ist also wichtig, sollte aber in der Nährstoffberechnung mit einbezogen werden.

Organischer Dünger

Organische Dünger sind normalerweise tierischen oder pflanzlichen Ursprungs. Sie sind gekennzeichnet durch die enthaltene organische Substanz und enthalten eine Vielzahl an Nährstoffen und Spurenelementen. Diese entfalten ihre Wirkung langfristiger und werden meist weniger schnell ausgewaschen als mineralische. Um von den Pflanzen aufgenommen werden zu können, müssen die Nährstoffe erst im Boden mineralisiert werden. Dazu ist ein aktives Bodenleben nötig, welches ich u. a. durch regelmäßige Kompostgaben, aber auch durch die Einarbeitung von Pflanzenresten, fördern kann. Aber auch Temperatur und Bodenfeuchte beeinflussen die Mineralisation. Bei kühlen Witterungsverhältnissen kann neben einer organischen Düngung der Einsatz eines mineralischen Düngers sozusagen als Starthilfe sinnvoll sein.

nach obenHornspäne unbedenklich

Eine der bekanntesten Formen des organischen Düngers sind Hornspäne und Hornmehl. Sie bestehen aus zerkleinertem, gesiebtem Horn, das aus Hörnern und Hufen von Rindern gewonnen wird. Anfang des Jahrtausends gerieten die Horndünger wegen der BSE-Krise in die Kritik. Da im Horn aber kein Nervengewebe enthalten ist, gelten die Hornspäne heute als BSE-frei. Allerdings ist bei dieser Düngerform zu bedenken, dass es sich ausschließlich um einen Stickstofflieferanten handelt. Dies kann – je nach Ergebnis einer Bodenuntersuchung – von großem Vorteil sein. Zeigt aber eine Untersuchung, dass mehrere Nährstoffe fehlen, müssen die anderen Nährstoffe einzeln nachgedüngt werden.

nach obenMaltaflor


Konventioneller Rasendünger
© Breidbach, Martin
Wurzelentwicklung nach der Vewendung von einem Mineraldünger
Wurzelentwicklung nach der Vewendung von Maltaflor-Rasendüger
© Breidbach, Martin
Wurzelentwicklung nach der Vewendung von Maltaflor-Rasendüger
Neben vielen anderen Mehrnährstoffdüngern auf organischer Basis stellt auch Maltaflor eine sinnvolle Alternative dar. Wesentlicher Bestandteil dieses Düngers sind Malzkeime. Dabei handelt es sich um die jungen Wurzelkeime frisch angekeimten Getreides, die bei der Malzproduktion als Abfallprodukt anfallen. Neben Stickstoff enthält dieser Dünger Phosphor und Kalium sowie einen hohen Anteil an organischer Substanz. Sowohl Fachberater als auch Verbandsmitglieder waren von der stärkeren Wurzelentwicklung nach der Vewendung von Maltaflor-Rasendüger im Vergleich zu einem Mineraldünger positiv angetan.

nach obenKompost

Als wirtschaftseigener Dünger kann Kompost ebenfalls zu den organischen Düngern gezählt werden. Neben den Nährstoffen wird dem Boden viel organische Substanz zugeführt, was sich in einem höheren Humusgehalt niederschlägt. Allerdings schwankt der Nährstoffgehalt im Kompost – in Abhängigkeit von Alter, zugeführten Materialien usw. – sehr stark. Daher sollte zusätzlich zu einem benötigten Dünger nicht mehr als 2,5 kg/m2 Kompost eingearbeitet werden. Im Ganzen kann der Kompost als eine der sinnvollsten, günstigsten und umweltverträglichsten Düngervarianten im Hausgarten bezeichnet werden.

Es empfiehlt sich aber grundsätzlich, vorsichtig mit den Düngern umzugehen. Das frühere Sprichwort "Viel hilft viel" hat bei der Düngung keine Bedeutung, doch auch zu wenig lässt die Pflanzen kümmern. Lassen Sie Ihren Boden untersuchen und sich von Ihrem Landesfachberater bei der Düngerauswahl und -dosierung helfen. Sowohl Umwelt, Garten und Pflanzen, u. U. aber auch Ihr Portemonnaie, wird sich über eine pflanzengerechte, aber auch über eine ersparte Düngemaßnahme freuen.

Ihr Bundesgartenfachberater
Martin Breidbach

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Schlagworte dieser Seite:

Bodenuntersuchung, Hornmehl, Hornspäne, Kompost, Maltaflor, Mineraldünger, Organischer Dünger

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