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Baumformen und deren Eignung für den Hausgarten (Teil 1)

März 2008 Spricht man von Baumformen, denkt man zuerst an die Größenverhältnisse zwischen Krone und Stamm. Das erscheint logisch, doch ist die Wurzel – wir sprechen von der Unterlage – und der Standort – im Wesentlichen die Bodenqualität – für den Aufbau des Habitus mitentscheidend. So unlogisch wie es ist, auf ganz leichtem Boden einen Baum auf schwachwachsender Unterlage zu pflanzen, so sinnlos ist es, einen Hochstamm auf eine solche zu veredeln. Großrahmige Bäume werden allgemein auf starkwachsende Wurzel gesetzt. Verallgemeinernd kauft man höhere Bäume auch auf stärker wachsenden Wurzeln.


nach obenHochstamm

Dieser schöne alte Birnenhochstamm steht mitten in einer Siedlung.
© von Soosten, Rolf
Dieser schöne alte Birnenhochstamm steht mitten in einer Siedlung.
Der Hochstamm hat heute nur noch dort eine Berechtigung, wo ausreichend Raum vorhanden ist. Bei starkwachsenden Sorten sollte der Abstand etwa 10 × 10 m betragen. Die klassische Stammlänge beträgt nach alten Vorstellungen 1,80 bis 2 m. In privaten Gärten kann er dort sinnvoll sein, wo er einmal einen Sitzplatz beschatten soll oder auf einem großen Grundstück Kleintierhaltung betrieben wird. Er sollte stets bei der Pflanzung einen kräftigen Pfahl beigesetzt bekommen, der eine Mindestlebensdauer von 10 Jahren hat und am Bodenende entsprechend behandelt ist.

Etwa zwanzig Jahre alte Boskoop-Bäume. Sie stehen auf M9. Ständiger Schnitt schafft Ausgleich zwischen Ertrag und Zuwachs.
© von Soosten, Rolf
Etwa zwanzig Jahre alte Boskoop-Bäume. Sie stehen auf M9. Ständiger Schnitt schafft Ausgleich zwischen Ertrag und Zuwachs.
Beim Kauf achte man auf drei vorhandene Seitenäste, die in der Höhe möglichst weit versetzt sind. In quirlartig angeordneten Kronen bekommt die Stammverlängerung oft nicht genügend Saft und kann dann im Wachstum nicht mithalten, sie kann verkümmern. Ein regelmäßiger Schnitt sorgt für einen ausgewogenen Kronenaufbau. Der Ertrag setzt allgemein spät ein, doch kann durch Herunterbinden untergeordneter Zweige die fruchtende Phase vorgezogen werden. Dem langsamen Ertragsbeginn können dann aber über mehrere Jahrzehnte Ernten folgen. Und ein ausgewachsener Obstbaum kann ein unverzichtbares Element in einer Siedlung sein.

Hochstämme hatten früher bei Apfel und Birne große Bedeutung. Nicht nur im Plantagenobstbau, sondern auch zur Straßenrandbepflanzung und, besonders in einigen Gegenden Süddeutschlands, zur Gewinnung von Brennobst im Streuobstbau. Leider werden nur sehr zögerlich hierfür Neupflanzungen angelegt. Was werden diese Landschaften ohne blühende Obstbäume sein?

Vierjähriger Walnuss-Sämling, im letzten Jahr mehr als einen Meter gewachsen, Stammhöhe etwa 1,80 m.
© von Soosten, Rolf
Vierjähriger Walnuss-Sämling, im letzten Jahr mehr als einen Meter gewachsen, Stammhöhe etwa 1,80 m.
Anders dagegen bei der Walnuss. Die Äste der ausgewachsenen Walnuss hängen weit herunter. Daher erfordert sie geradezu einen hohen Stamm, auf dem sie ihre weit ausladende Krone aufbauen kann. Der Pflanzabstand großkroniger Bäume auf guten Böden sollte mindestens 12 m betragen.

Geradezu klassisch ist der Hochstamm für Süßkirschen. Von Natur aus wächst sie stark spitzenbetont und der Erwerbsobstbau hat lange gebraucht, um durch Züchtung schwächerwachsende Unterlagen für Süßkirschen zu erzielen. Die quirlartig angeordneten Äste bauen eine streng pyramidale Krone auf, der durch Schnitt kaum Einhalt zu gebieten ist.

nach obenDreiviertelstamm / Halbstamm

Der Dreiviertelstamm mit 1,60 bis 1,80 m ist eine Vokabel aus der alten Fachliteratur. Eher spricht man vom Halbstamm mit einer Stammhöhe von etwa 1,40 bis 1,60 m. Neben Apfel und Birne stehen besonders Zwetschgen, Aprikosen und auch Sauerkirschen auf Halbstämmen. Der Vorteil liegt in der besseren Bearbeitung. Schnitt und Ernte lassen sich besser und schneller durchführen. Der Ertrag setzt früher ein und – so sagt man allgemein – die Früchte sind an kleineren Kronen häufig etwas größer. Im Jugendstadium kann im Hausgarten die Fläche noch einige Jahre mit anderen Kulturen genutzt werden.

nach obenViertelstamm

Die Begriffe des Viertelstammes oder des Niederstammes werden nur noch selten verwendet. Häufig setzt man sie mit dem Busch gleich. Hierher zählen Stammhöhen um 60 cm. Bei richtiger Unterlagenwahl eignen sie sich gut für kleinere Grundstücke. Die Pflegearbeiten lassen sich mit kleinen Leitern durchführen und die Ernte geht gefahrlos vonstatten.

nach obenSpindel

Zwetschge als Spindel auf sandigem Boden erzogen.
© von Esebeck, Heribert
Zwetschge als Spindel auf sandigem Boden erzogen.
Mit den teurer und kleiner werdenden Bauplätzen wurde der Spindelbusch propagiert. Und das mit Recht, denn in ihm vereinen sich beachtliche Vorteile: Früher Ertragsbeginn – im Jahr nach der Pflanzung die ersten Früchte, leichte Pflegearbeiten, gut als Sichtschutz und zur Abgrenzung und optisch eine Freude, weil man in die Blüte sehen kann. Es gehört aber ein wenig mehr Pflege und Wissen dazu, denn ohne Aufwand kein Erfolg.

Die dafür geeigneten Unterlagen – sprich Wurzeln – bleiben recht klein, benötigen daher eine geregelte Wasserversorgung in Dürrezeiten und unter Umständen zusätzliche Düngergaben. Auch der Aufbau- und Erhaltungsschnitt unterscheidet sich von dem der Großkronigen. Alle Kern- und Steinobstarten außer Walnüsse sind in dieser Form vorteilhaft.

Zum Aufbau der Krone wählt man gern eine einjährige Krone oder einen sogenannten Knipbaum. Die vorzeitigen Triebe, die meist im flachen Winkel abgehen, führen zu waagerechten Ästen, die früher Blütenknospen und damit Ertrag ansetzen. Es beginnt nach ein bis zwei Jahren das ausgewogene Verhältnis zwischen Fruchten und Wachsen, was bei großkronigen Bäumen oft erst nach vielen Jahren eintritt.

Ideale Anzuchtsform für Obstgehölze. Die waagerecht abgehenden Zweige können bereits im Pflanzjahr erste Früchte bringen.
© von Soosten, Rolf
Ideale Anzuchtsform für Obstgehölze. Die waagerecht abgehenden Zweige können bereits im Pflanzjahr erste Früchte bringen.
Eine konsequente Weiterentwicklung der Spindel ist die aus Holland stammende schlanke runde Spindel. Ebenfalls aus Knipbäumen erzogen benötigt sie noch weniger Raum und hat im Idealfall bereits im Pflanzjahr erste Früchte.

Eine weitere Steigerung der Intensität ist der Schnurbaum. Zum Unterschied zu den vorgenannten Formen eignen sich hierfür nur spezielle Sorten mit sehr kurzen Internodien, sie machen anstatt Seitentrieben nur seitliches Fruchtholz. Von diesen Bäumen kommen jährlich neue Sorten auf den Markt, die jedoch meist nicht auf Aroma, sondern auf Kurztriebigkeit gezüchtet sind. Sie eignen sich für terrassennahe Beete oder Kübel und sind mehr als Attraktionen als zur Fruchtgewinnung geeignet.

Lesen Sie auch:
Baumformen und deren Eignung für den Hausgarten (Teil 2): Hecken und Spaliere Mai 2008
In der März-Ausgabe haben wir bereits die verschiedenen Baumformen und ihre Verwendungsmöglichkeiten behandelt. Abschließen wollen wir das Thema mit Hecken und Spalieren.

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Vierjährige schräggepflanzte Zwetschgenhecke. Diese Pflanzweise nimmt dem Baum einen Teil des Wuchses und fördert den Ertragsbeginn.
Pflanzen
Baumformen und deren Eignung für den Hausgarten (Teil 2): Hecken und Spaliere
Bild 2: Die zukünftigen Seitenäste bei diesem Baum der Sorte 'Ingrid Marie' stehen sehr steil. Wenn sie nicht herunter gebunden werden, wird sich trotz M9-Unterlage eine große Krone entwickeln. Bei genügend schwachen Ästen sollte man sie wegschneiden.
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Wie soll Pflanzmaterial aussehen
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Baumform, Dreiviertelstamm, Halbstamm, Hochstamm, Obstbaum, Schnurbaum, Spindel, Viertelstamm

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