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Das Fruchtholz behandeln

Hier hängen viele Früchte an überaltertem Fruchtholz übereinander und beschatten sich.
© von Soosten, Rolf
Hier hängen viele Früchte an überaltertem Fruchtholz übereinander und beschatten sich.
Bei gezielt durchgeführtem Schnitt erübrigt sich die Ausdünnung.
© von Soosten, Rolf
Bei gezielt durchgeführtem Schnitt erübrigt sich die Ausdünnung.

Februar 2008 Beim Schnitt großkroniger Bäume fällt das Auge zuerst auf den Stamm, seine Verlängerung in der Krone und auf die gerüstbildenden Äste. Das Fruchtholz, das praktisch eine "Garnierung" darstellt, fällt erst im Laufe des Schnittes auf und wird meistens zum Ende behandelt.


Anders bei kleinkronigen Gehölzen, sie bestehen häufig in der Masse aus Fruchtholz. Bei einem Spindelbaum oder im Extrem beim Schnurbaum ist das Gerüst auf wenige Äste an der Basis reduziert, beim Schnurbaum fehlt es ganz. Während beim Kakao- und Johannisbrotbaum die Früchte aus der Rinde der dickeren Äste entspringen, entstehen unsere Obstarten an dünnem kurztriebigem Holz, dem Fruchtholz.

Bei Apfel und Birne unterscheiden wir die nur wenige Zentimeter langen Fruchtspieße und die bis etwa 20 cm langen Fruchtruten, die beide meistens in einer Blütenknospe enden. Aus den seitlich sitzenden Blattknospen entwickeln sich oft weitere Kurztriebe, sodass nach mehreren Jahren das sogenannte Quirlholz entsteht.

Die Ansatzstelle einer Frucht ist verdickt. Man spricht vom "Fruchtkuchen". Auch aus ihm können neue Blüten entstehen. Der Charakter ist sortenspezifisch. Ausgeprägt langes sperriges Fruchtholz bilden die altbekannte Sorte 'Finkenwerder Prinz' und 'Celler (Krügers) Dickstiel'. Kurzes Holz dagegen finden wir bei 'James Grieve' und 'Alkmene', bei der Birne bei 'Conference'.

Fruchtholz unterschiedlichen Alters: So sieht ungepflegtes Fruchtholz aus. Es bedarf unbedingt einer Behandlung.
© von Soosten, Rolf
Fruchtholz unterschiedlichen Alters: So sieht ungepflegtes Fruchtholz aus. Es bedarf unbedingt einer Behandlung.
Gleicher Ast, jedoch ausgedünnt und eingekürzt.
© von Soosten, Rolf
Gleicher Ast, jedoch ausgedünnt und eingekürzt.
Wenn der Sinn von Obstgehölzen in der Gewinnung von gutschmeckenden Früchten besteht, ist der Schnitt des Fruchtholzes ein wichtiger Teil der Pflege. Pflege heißt: Die Bildung fördern, Vorhandenes verjüngen und Überaltertes entfernen. In großkronigen Bäumen beginnt mit dem Fruchtertrag die Entstehung des Fruchtholzes. Mit dem Herunterbinden derjenigen Triebe, die für den Kronenaufbau nicht gebraucht werden, erzwingen wir den Ansatz von Blütenknospen. Ein Teil der Assimilate wandert in die Frucht und wird dem Gerüstbau entzogen.

Fruchtholz unterschiedlichen Alters: Fruchtholz vom Apfel (oben), Zwetschge (Mitte) und Birne. Links einjährig, in der Mitte zweijährig. An diesem Holz erreichen Früchte die besten Qualitäten.
© von Soosten, Rolf
Fruchtholz unterschiedlichen Alters: Fruchtholz vom Apfel (oben), Zwetschge (Mitte) und Birne. Links einjährig, in der Mitte zweijährig. An diesem Holz erreichen Früchte die besten Qualitäten.
Die Fruchtproduktion und damit die Fruchtholzbildung setzt früher ein. Bei längeren Trieben, die sich als Fruchtholz eignen, kann im Sommer eingekürzt werden. Sie entwickeln dann seitliche Knospen, die im Folgejahr Blüten ansetzen. Im Winter sollte solchen Trieben nur die Spitze genommen werden. Aus den Knospen werden dann Fruchtspieße.

Erfahrungsgemäß gibt es am zweijährigen Holz die besten Früchte. Zwei Gründe bewirken dies: Die Blütenknospe hatte im Vorjahr einen ganzen Sommer für die Ausbildung. Am einjährigen Holz setzt die Umbildung von der Trieb- zur Blütenknospe erst später ein und ist infolgedessen oft nicht komplett. Die Früchte sitzen dann weit genug auseinander um gut belichtet zu werden. Dichtes älteres Fruchtholz wird häufig von den jüngeren Baumteilen beschattet und bekommt daher nur wenig Licht. Die Anzahl der Blüten- und Blattknospen konkurriert um die zugeführten Assimilate. Verringert man die Zahl durch Rückschnitt und Ausdünnung wird das Fruchtergebnis verbessert.

Im Inneren der Krone befinden sich immer – je größer die Krone, um so mehr – alte Fruchtholzpartien, die nur als "Parasiten" an der Kohlehydratleistung des Baumes hängen. Die daran sitzenden Früchte bekommen oft nicht genug Licht, um gleichzeitig auch die Blütenknospendifferenzierung zuzulassen. Sie sollten entfernt werden zugunsten gut platzierter Früchte.

Astpartien dieses Alters sollten entfernt werden.
© von Soosten, Rolf
Astpartien dieses Alters sollten entfernt werden.
Mehrjähriges Fruchtholz kann, wenn es lichtgünstig sitzt, zurückgeschnitten werden. Dabei achte man darauf, dass stets ein oder zwei austriebsfähige Knospen erhalten bleiben. Aus diesen bilden sich neue Fruchtspieße mit einer Blüte am Ende. Mit der Behandlung dieser Holzteile kann die Fruchtqualität nachhaltig positiv beeinflusst werden.

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Der Gartenbau-Diplomingenieur (FH) Rolf Heinzelmann ist Geschäftsführer des Landesverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg und Spezialist für Streuobstwiesen.
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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
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19. März 2012

Jochen Retzlaff

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu welchem Zeitpunkt entscheidet sich der Apfelbaum ob aus einer Knospe eine Blatt- oder Bluethenknospe ensteht? Oder gibt es von Beginn an unterschiedliche Knospen fuer Blatt und Bluethe?
Mit bestem Dank und freundlichen Gruessen Jochen Retzlaff

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