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Wann treten welche Himbeerschädlinge und Krankheiten auf?

Beim typischen Frostschaden treiben die Ruten nicht oder nur schwach aus. Der Aufwuchs der Jungruten ist dagegen normal.
© von Soosten, Rolf
Beim typischen Frostschaden treiben die Ruten nicht oder nur schwach aus. Der Aufwuchs der Jungruten ist dagegen normal.

Mai 2007 Im Frühjahr fallen Himbeerpflanzen auf, deren Austrieb zurückbleibt oder sich gar nicht rührt. Ist die Rute vertrocknet, kann es sich um einen Frostschaden handeln, wenn die Wurzel in Ordnung ist. Die Pflanze macht bald Anstalten zu neuen Knospen im Wurzelbereich. Mit Ertrag in diesem Jahr ist nicht zu rechnen.


nach obenPilzkrankheiten

Bei der Himbeerwurzelfäule ist der seitliche Austrieb schwach und gelb, Jungruten erscheinen nur wenige oder keine.
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Bei der Himbeerwurzelfäule ist der seitliche Austrieb schwach und gelb, Jungruten erscheinen nur wenige oder keine.
Treiben die Knospen nur schwach aus, die Wurzeln und der Wurzelhals sind beim Durchschneiden jedoch bräunlich bis grau verfärbt und die neu erscheinenden Jungruten sterben im laufenden Frühjahr ab, dann handelt es sich um die recht problematische Phytophthora-Wurzelfäule. Sie tritt meist als Folge von Bodenverdichtungen auf, durch die Regenwasser zu langsam abziehen kann. Gegen diese übelste aller Himbeerkrankheiten lässt sich nichts machen. Selbst nach Jahren treten diese Symptome wieder auf. Die Krankheit verbreitet sich am Standort durch eine besondere Sporenform im Bodenwasser. Zu anderen Standorten gelangt sie durch Bodenbearbeitungsgeräte und Pflanzgut.

Das bekannteste Problem, der Komplex der Rutenkrankheiten wird im wesentlichen durch zwei Pilze verursacht und durch eine Mückenart verstärkt. Der gefährlichere ist jener, der an der Rutenbasis zuerst stellenweise, dann aber flächig unter der Rinde eine braune, meist weiche Bastschicht verursacht. Da die Leitungsbahnen zerstört sind und damit der obere Teil der Rute nicht mehr ausreichend versorgt wird, kommt es zum Absterben der ganzen Rute. Der Pilz trägt den kaum aussprechbaren Namen Leptosphaeia coniothyrium. Der Aufwuchs kann gesund bleiben, wenn er nicht durch günstige Infektionsbedingungen wiederum befallen wird. Ein lichter Stand und verringerte Rutenzahl je laufendem Meter Reihe verkürzen die Zeit der Benetzung der Blattachsen, durch die die Pilzsporen in das Rindengewebe eindringen.

Ausgehend von einer Blattachse hat sich der Pilz Didymella etabliert. Deutlich sichtbar die abgegrenzte Verfärbung. Die Rinde ist aufgerissen und gibt den ersten Exemplaren der geschlüpften Himbeerrutengallmücken die Gelegenheit, ihre Eier abzulegen. Der Austrieb und der zu erwartende Ertrag sind sehr schwach.
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Ausgehend von einer Blattachse hat sich der Pilz Didymella etabliert. Deutlich sichtbar die abgegrenzte Verfärbung. Die Rinde ist aufgerissen und gibt den ersten Exemplaren der geschlüpften Himbeerrutengallmücken die Gelegenheit, ihre Eier abzulegen. Der Austrieb und der zu erwartende Ertrag sind sehr schwach.
Ganz besonders trifft dies bei der Didymella-Rutenkrankheit zu. Dieser Pilz hinterlässt durch seinen Befall erst bräunliche, später silbergraue Zonen um eine Blattachse. Im zeitigen Frühjahr fallen winzige Punkte auf, aus denen im Laufe des Sommers die neuen Ruten wieder befallen werden. Tritt Didymella allein und nur in geringem Maße auf, besteht kein Anlass zur Sorge.

Zu diesem Komplex gehört aber auch eine Mückenart, die Himbeerrutengallmücke. Sie schafft die Eintrittspforten für die beiden vorgenannten Pilzarten. Die fertigen Tiere schlüpfen im Frühjahr aus dem Boden, machen einen Tanz nach Art der Mücken im Schutz der Himbeerreihen um dann nach der Befruchtung die Eier in Ritzen und Beschädigungen der Rinde abzulegen. Bei schwankender Feuchtigkeit im Boden reißt die Rinde der Jungruten der Länge nach auf. Seitlich unter die sich abhebende Rinde werden die glasklaren stiftförmigen Eier abgelegt. Aus ihnen schlüpfen die Larven, die bald eine orange Farbe annehmen. Zur Verpuppung lassen sie sich auf den Boden fallen. Es können mehrere Generationen im Jahr auftreten. Eine chemische Bekämpfung kommt nicht in Frage. Um Schwankungen der Bodenfeuchte zu reduzieren decke man den Pflanzstreifen 60 cm nach jeder Seite ab.

Gelegentlich findet man in der Vegetationsruhe helle eingesunkene Flecken in der Rinde. Der Zyklus beginnt, wenn aus diesen Flecken im Frühsommer die Sporen auf den Jungruten die Neuinfektionen verursachen, die als kleine violettrote Flecken sichtbar werden. Bei starkem Befall verlaufen sie auch flächig. Diese "Brennfleckenkrankheit" kommt öfter vor, ist aber selten so stark, dass es zu nennenswerten Ertragseinbußen kommt.

Letztendlich ist die wohl wichtigste und darum bekannteste Pilzkrankheit, die Beeren- oder Fruchtfäule zu nennen. Die Infektion findet bereits während der Blüte statt. Die Sporen, die als mausgrauer Belag auf faulendem, zuckerhaltigen pflanzlichen Gewebe entstehen, landen auf der zuckerhaltigen Narbe der Blüte. Von dort wächst der Keimschlauch durch den Griffel bis in die noch kaum entwickelte Frucht. Erst nach der Befruchtung beginnt sich die Frucht langsam mit kohlehydrathaltigen Stoffen zu füllen. Wenn sich ausreichend Zucker gebildet hat, kann sich aus dem bis dahin latent vorhandenen Pilzschlauch das Gewebe entwickeln. Dann beginnt die "Fäule" zu wachsen. Bei späteren Infektionen, zum Beispiel von Beere zu Beere, findet ein anderer Mechanismus statt. Eine chemische Bekämpfung kann sinnvoll sein. Die einzusetzenden Mittel sind beim jeweiligen Fachberater oder Fachmarkt zu erfragen, denn sie können häufig wechseln. In diesem Jahr ist das altbekannte Euparen aus dem Verkehr gezogen worden und darf nicht mehr eingesetzt werden.

nach obenTierische Schädlinge

Zu diesem Zeitpunkt sollten die Beobachtungen hinsichtlich der Blütenknospenstecher und des Himbeerkäfers beginnen.
© von Soosten, Rolf
Zu diesem Zeitpunkt sollten die Beobachtungen hinsichtlich der Blütenknospenstecher und des Himbeerkäfers beginnen.
Schrecken aller Himbeerliebhaber sind die "Würmer" in den Beeren. Sie werden zu Beginn der Blüte von einem kleinen hellbraunen Käfer in die Blüte gelegt. Schon im Knospenstadium frisst dieser Käfer kleine Löcher in die Knospe um an den eiweißhaltigen Blütenstaub zu kommen. Erst durch dieses Eiweiß reifen seine Geschlechtsorgane. Zwischen beginnendem Reifefraß – wenn die Außentemperatur 20 °C überschreitet – und der Eiablage vergehen oft zwei bis drei Wochen. Die Larve schlüpft nach wenigen Tagen und frisst zuerst in der Blüte bis sie sich in die Frucht einbohrt. Zur Bekämpfung benutze man die jeweils zugelassenen Mittel unter konsequenter Beachtung der Auflagen.

Etwa zur gleichen Zeit tritt ein anderer Käfer, schwarzblau mit ausgeprägtem nach unten abgeknicktem Rüssel, in den Blütenständen auf. Es ist der Blütenstecher, der den Stiel halb durchbeißt und in die Knospe ein Ei ablegt. Aus ihm schlüpft die Larve, die in der welkenden Frucht vom Eiweiß der Pollen und anderen Blütenteilen lebt. Bei starkem Auftreten kann es zu massiven Ertragseinbußen kommen.

Das Vorhandensein beider Käferarten kann man recht gut beobachten, wenn man morgens gegen das Licht durch die Blütenstände sieht. Die klammen Tiere lassen sich dann gut im Gegenlicht erkennen und abschütteln.

Wenig bekannt, aber häufig vorkommend ist die "Gemeine Spinnmilbe", die im Gegensatz zur Obstbaumspinnmilbe am Erdboden überwintert. Sie kommt mit den jungen Trieben in die Ertragsregion und kann dann kurz vor der Ernte durch ihre Saugtätigkeit die Blätter gelblich werden lassen. Die Tiere sieht man in allen Stadien in Mengen auf der Blattunterseite. Zu beobachten sind die Jungruten bis sie etwa 30 cm hoch sind. Wenn dann keine Tiere vorhanden sind, besteht keine Gefahr für den Rest des Jahres. Bekämpfungsmaßnahmen würden dann in die Zeit der Ernte fallen.

Es kommen weitere tierische Schädlinge vor, deren Bedeutung meist begrenzt ist. Blattläuse und Zikaden sind, wenn sie in Mengen auftreten, zu bekämpfen. Ihr Schaden liegt in der Übertragung von Viruskrankheiten. Himbeerblattmilben treten in wärmeren Gegenden zwar häufig auf, stellen aber keine Ertragsgefährdung dar.

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