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Warum eigentlich die Obstgehölze schneiden?

Ein sehr alter, stets geschnittener Birnbaum in gutem gesunden Zustand.
© von Soosten, Rolf
Ein sehr alter, stets geschnittener Birnbaum in gutem gesunden Zustand.

Januar 2007 Obstgehölze sind langlebige Wesen. Wer offenen Auges durch die Obstlandschaften und Realteilungsgebiete Süddeutschlands fährt, wird auf die teilweise riesengroßen Birnbäume, die alten Apfel- und Walnussbäume aufmerksam werden. Viele von ihnen sind weit über einhundert Jahre alt. Sie und die Bäume in unseren Gärten haben gemeinsam, dass sie sich mit zunehmendem Alter verändern:


Ihre Form (Silhouette) wird meist zu einem halbkreisförmigen Dach, sodass das Licht nur von oben die Blätter erreicht. Schlecht gefärbte Früchte mit mäßigem Geschmack sind die Folge. Es werden nur die Blätter an der Peripherie ausreichend assimilieren können, die darunter im Schatten sitzenden müssen von den oberen mitversorgt werden. Das führt zu geringer Triebleistung und mangelnder Blütenknospenbildung. Als Folge bildet sich eine Zone überalterten Fruchtholzes, das bald abstirbt: Der Baum beginnt zu verkahlen. Besonders beim Kernobst besteht die Gefahr des periodischen Tragens (Alternanz).

Diese etwa 20 Jahre alten 'Boskoop' auf M9 wurden alljährlich geschnitten und machen den Eindruck, als ob sie noch lange Früchte bringen würden. Die pyramidale Krone ist immer noch vorhanden.
© von S
Diese etwa 20 Jahre alten 'Boskoop' auf M9 wurden alljährlich geschnitten und machen den Eindruck, als ob sie noch lange Früchte bringen würden. Die pyramidale Krone ist immer noch vorhanden.
Je höher ein Baum wird, umso geringer wird die Chance für große Früchte. All diese Gründe sprechen für einen mehr oder wenige regelmäßigen Schnitt. Konsequent sollte die Pflege bei unseren kleinkronigen Bäumen sein. Die Äpfel auf schwachwachsenden Unterlagen (M27, M9, M26, M22, J9) und Birnen auf Quitten beginnen früh mit dem Ertrag, das Holzwachstum ist begrenzt und als Folge beginnen sie schon nach einigen Jahren die typischen Symptome des Alterns zu zeigen. Da auch diese Bäume je nach Unterlage und Sorte 20 bis 30 Ernten bringen können, ist die Pflege – hier ist der Schnitt gemeint – eine gute Investition in die Zukunft.

Bei größer werdenden Bäumen, etwa auf mittelstark wachsenden und auf Sämlingsunterlagen läuft dieser Prozess wesentlich langsamer ab. Schnitt und andere Pflegemaßnahmen werden der jeweiligen Phase angepasst. Ohne auf die spezifischen Belange der einzelnen Obstarten und Altersphasen einzugehen, sollen hier die Elemente des Schnittes angesprochen werden.

Eine ideale Kronenform für einen etwa 5-jährigen Baum.
© von Soosten, Rolf
Eine ideale Kronenform für einen etwa 5-jährigen Baum.
Dieser Baum ist dabei, einen Schirm zu bilden. Im oberen Drittel sind die Äste viel zu dick und müssen ausgewechselt werden. Daher rührt das starke Wachstum.
© von Soosten, Rolf
Dieser Baum ist dabei, einen Schirm zu bilden. Im oberen Drittel sind die Äste viel zu dick und müssen ausgewechselt werden. Daher rührt das starke Wachstum.
Erhaltung der Baumform: Die im Hausgarten vorherrschenden Baumformen sind die Pyramide und die Hecke. Erstere ist in der Lage, auf kleinem Raum das einfallende Sonnenlicht bestmöglich auszunutzen. Die Krone beginnt etwa 50 cm über dem Boden, die Kronenbasis darf bei Reihenpflanzung maximal so groß sein wie der Abstand von Baum zu Baum. Die Kronenhöhe kann 2,00 bis 2,50 m betragen und richtet sich nach den Lichtverhältnissen (Beschattung durch andere Bäume oder Bauwerke). Aus der Basis und der Höhe ergibt sich die Silhouette einer Pyramide. Für größere Bäume gilt das gleiche.

nach obenAndere Maßnahmen

Gelegentlich gibt es Umstände, bei denen zwangsläufig Abweichungen auftreten: Bruch oder besonders stark wachsende Seitenäste. Bei ersterem kann man oft durch Binden die Lücke füllen. Bei letzterem sollte der zu stark wachsende Ast heruntergebunden werden. Das bremst das Wachstum. Seitenzweige, die über den vorgesehenen Standraum hinausgehen setzt man auf einen darunterliegenden Seitenast ab. Einkürzen führt meist zu stärkerem Wachstum, sollte also unterbleiben.

Das Astgerüst gehört neben dem Stamm zum Wesentlichen einer Krone. Korrekturen sind meist mit Ertragsausfall verbunden. Daher gebührt ihnen besondere Aufmerksamkeit. In kleinkronigen Bäumen sollten an der Basis stets die dicksten Äste sein. Entwickeln sich im oberen Teil ähnlich dicke Äste, so wird es Zeit, diese zu beseitigen. Sie nehmen den unteren den Trieb weg und es kommt zwangsläufig zum "Überbauen". So nennt der Fachmann den Beginn der pilzförmigen Ausbildung der Krone. Diese Triebe werden so entfernt, dass die Schnittfläche schräg nach oben zeigt und ein kleiner Zapfen entsteht. So haben wir Chancen, dass sich hier ein neuer Trieb bildet, der die Lücke füllt.

Bei Halb- und Hochstämmen werden die drei oder vier Gerüstäste in einem Gleichgewicht gehalten: Keiner soll nennenswert stärker als der andere werden. Nur so entsteht eine runde, annähernd symmetrische Krone. Wird einer zu stark, sollte er auf einen darunterliegenden Ast abgesetzt oder heruntergebunden werden. Entsprechend bindet man einen schwachen Ast so hoch, dass seine Endknospe in der gleichen Höhe der anderen ist. Es ist darauf zu achten, dass die Stammverlängerung stark genug bleibt. Sie sollte mindestens so dick sein wie die Gerüstäste.

Mit Beginn des Ertrages bekommt die Fruchtholzverjüngung Bedeutung. Fruchtholz sollte nicht älter als drei oder vier Jahre werden. Dann muss es entweder eingekürzt oder ganz entfernt werden. Sein Bedarf an Assimilaten mindert die Fruchtgröße und die Triebleistung. Mit einem geschickten Ausdünnungsschnitt kann sowohl die periodische Tragbarkeit als auch die Fruchtqualität positiv beeinflusst werden. Fruchtholzbehandlung bedeutet auch eine vorbeugende pflanzenschutzliche Maßnahme: Lockere Kronen trocknen schnell ab und verhindern Pilzbefall.

Dem Obstbaumschnitt kommt eine wesentliche Bedeutung im Rahmen der Pflege zu. Er darf aber nur als ein Teil der gesamten Pflege gesehen werden und ersetzt weder Pflanzenschutz noch Düngung.

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Alternanz, Obstbaumschnitt

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