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So entsteht eine neue Rosensorte

Dezember 2006 Versteinerungen, unter anderem in der Grube Messel bei Darmstadt, zeigen, dass die Rose bereits seit etwa 50 Millionen Jahren, also lange vor uns Menschen, die Erde besiedelte. Die meisten der über 100 Wild-Arten sind über die nördliche Halbkugel von Nordamerika über Europa bis Ostasien verbreitet.


Die ältesten schriftlichen Zeugnisse, aus Königsgräbern der Sumerer, liegen 4.600 Jahre zurück und ein Fresko mit einem Rosenbusch im Palast von Knosos ist 3.600 Jahre alt. Große Flächen mit Rosen wurden in den ersten vier Jahrhunderten zu Beginn der neuen Zeitrechnung angebaut, um den Bedarf an Rosen und Rosenblättern der Römer bei ihren rauschenden Festen zu decken. Das zeigt uns, dass die Rose den Menschen schon lange begleitet.

nach obenDer Siegeszug in die Gärten

Heute gehören die Rosen in vielen Ländern der Welt zu den beliebtesten Zierpflanzen. Den Siegeszug, den die Rose in unsere Gärten und öffentlichen Grün-Anlagen vollzogen hat, verdankt sie der intensiven Züchtungsarbeit, die im wesentlichen in den letzten 100 Jahren durchgeführt wurde. In der Regel haben die ursprünglichen Wildrosen einfache rosa Blüten (mit fünf Blütenblättern), die nur eine kurze Zeit und nur einmal im Jahr blühen.

Das heutige Sortiment der modernen Gartenrosen bietet uns dagegen eine außerordentlich vielfältige Auswahl. Blättert man den neuesten Katalog einer großen deutschen Rosenschule durch, so findet man für die Saison 2006/2007 ein Angebot von 257 Rosen-Sorten. Wir können hier wählen zwischen neun Rosengruppen von den niedrigen Zwergrosen, über die Edelrosen bis zu den Kletterrosen. Die reiche Farbpalette geht vom reinen Weiß über Gelb, Rosa und Rot zu zahlreichen Zwischentönen. Des weiteren finden wir bei den einzelnen Sorten unterschiedliche Blütenformen und -größen; sowie einfach, halbgefüllt und gefüllt blühende Sorten. Letztere weisen 40 Blütenblätter und mehr auf. Die meisten modernen Rosen blühen über einen längeren Zeitraum und mehrmals im Jahr.

Beispiel-Sorten

  • 'Lichtkönigin Lucia', eine bewährte, robuste Strauchrose mit reicher Blüte. | © Opitz, Wolfgang
  • 'Bonica 20', eine empfehlenswerte Beet- und Kleinstrauchrose, die sich durch eine reiche, mehrmalige Blüte auszeichnet. | © Opitz, Wolfgang
  • 'Mirato', breitbuschige Beet- und Bodendeckrose mit reichem und anhaltendem Blütenflor. | © Opitz, Wolfgang

nach obenAufwendige Züchtungsarbeit

In Deutschland zählen die Rosenschulen W. Kordes’ Söhne in Klein Offenseth-Sparrieshoop und Rosenwelt Tantau in Uetersen zu den großen Züchterfirmen auf dieser Welt. Zu erwähnen ist auch die Fa. Noack-Rosen, Gütersloh.

Der professionelle Rosenzüchter hat einen sehr langen Weg zu gehen, bis er eine neue Sorte auf den Markt bringen kann. Zunächst wird in einem umfangreichen Kreuzungsplan festgelegt, welche Eltern-Sorten aus dem großen zur Verfügung stehenden Sortiment gekreuzt (bestäubt) werden sollen, um möglichst die gewünschten Eigenschaften bei den neu entstehenden Sorten zu erreichen. Dabei sind gute Kenntnisse über die Vererbungsmöglichkeiten der einzelnen Arten und Sorten aufgrund langjähriger Erfahrungen von Bedeutung.

nach obenEs beginnt im Gewächshaus

Die Rosenpflanzen für die Züchtung stehen in unseren Breitengraden in Gewächshäusern. Die Blüten der Rosen sind zwittrig, das heißt, in jeder Blüte befinden sich die weiblichen Samenanlagen, der Griffel, oben mit der Narbe und die männlichen Staubbeutel. Zunächst werden bei den Vatersorten die Blütenblätter abgezupft und mit der Schere oder den Fingernägeln die Staubbeutel entfernt und diese in einem Schälchen aufgefangen. Die Staubbeutel werden einen Tag im Dunklen getrocknet. Bei den Mutterpflanzen entfernt man am frühen Morgen von den erst halb geöffneten Blüten die Blütenblätter und die Staubbeutel und verhindert dadurch eine Selbstbefruchtung. Die so kastrierte Blüte der Muttersorte wird nun mit dem vorher gewonnenen Blütenstaub der Vatersorte mit dem Finger bestäubt. Sofort nach der Kreuzung wird die Blüte mit einem Beutel für eine Woche eingehüllt, um eine Fremdbestäubung durch Insekten zu verhindern.

nach obenHarte Auslese

Blühende neue Sorten auf dem Testfeld, die besten werden ausgelesen.
© Opitz, Wolfgang
Blühende neue Sorten auf dem Testfeld, die besten werden ausgelesen.
Die Hagebutten mit den Samen der neu entstandenen Sorten reifen heran.
© Opitz, Wolfgang
Die Hagebutten mit den Samen der neu entstandenen Sorten reifen heran.
Mit welch großen Mengen an Kreuzungen und Sämlingen heute gearbeitet wird, zeigt zum Beispiel ein von der Fa. Kordes' Söhne dargelegter Züchtungsablauf. Von Mai bis Ende Juni werden jährlich 2.000 ausgewählte Kreuzungspflanzen im Gewächshaus mit größter Sorgfalt von Hand bestäubt. Jede bestäubte Blüte erhält ein Etikett auf dem die Vatersorte vermerkt ist. Ende Oktober können aus den Kreuzungen 60.000 Hagebutten geerntet werden. Die Saatkerne daraus werden einzeln im Gewächshaus auf Beeten ausgesät. Ab Februar des folgenden Jahres erscheinen etwa 200.000 kleine Rosenpflanzen, die im April erstmals zu blühen beginnen. Jetzt ist das erfahrene Auge des Züchters gefragt, denn jede aus einem Samenkorn hervorgegangene Rose ist eine neue Sorte, die sich von allen anderen unterscheidet. Der Züchter muss nun beim Ausleseprozess entscheiden, aus welchen Pflanzen erfolgversprechende neue Rosensorten werden könnten.

Die ausgelesenen Sämlingspflanzen werden durch Veredelung auf Wildrosen sortengerecht vermehrt.
© Opitz, Wolfgang
Die ausgelesenen Sämlingspflanzen werden durch Veredelung auf Wildrosen sortengerecht vermehrt.
Im ersten Jahr werden von den 200.000 Rosen 5.000 für die Weiterkultur ausgelesen. Sie werden Ende Juli/Anfang August durch Veredlung auf Sämlingspflanzen vegetativ und damit sortenecht weitervermehrt. Die neuen Sorten werden während der Wachstumszeit in den kommenden Jahren ständig bewertet und weiter hart selektiert.

nach obenZuchtziele

Das wichtigste Zuchtziel sind Sorten mit einer möglichst großen Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten. Deshalb werden während der gesamten Selektions-Zeit keine pilzabtötenden Pflanzenschutzmittel angewendet. Weitere bedeutende Selektionskriterien sind Robustheit, Duft, Farbe, eine reiche Blüte und lange Blütezeiten, aber auch Frosthärte und Regenfestigkeit. Während der Selektionszeit verringert sich die Zahl der Rosen von Jahr zu Jahr. Dieser Prozess dauert bis zu acht Jahren an. Am Ende überleben die strenge Auslese nur die Besten und das sind in der Regel dann nur sechs bis sieben von den ursprünglich 200.000 Pflanzen, die als Rosen-Neuheiten in den Katalog aufgenommen werden und auf den Markt kommen.

Die lange Selektionszeit und die geringe Ausbeute zeigen, wie schwierig es ist, all die heute von einer neuen Rosensorte geforderten positiven Eigenschaften im Erbgut einer Pflanze zu vereinen. Der hohe Zeit- und Kostenaufwand rechtfertigt dann auch einen höheren Preis für eine neue Sorte. Die Auswahl guter Rosensorten ist auch eine gute Voraussetzung für einen blütenreichen Garten-Sommer. Letztendlich kann kein anderes Gehölz mit dem Blütenreichtum und der langen Blühdauer der modernen Garten-Rosen konkurrieren.

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Rose, Rosenzüchtung

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