Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Obst > Obstreife und Lagerung
← vorheriger BeitragHimbeeren jetzt zurückschneiden

Obstreife und Lagerung

September 2006 Das Wachstum der jungen Frucht nach der Befruchtung verläuft, wenn man es grafisch darstellt, s-förmig. Zunächst, wenn die Zellteilung beginnt, ist es gering. Mit Haselnussgröße etwa ist die Zellbildung abgeschlossen und die Phase der Zellvergrößerung beginnt. Wenige Wochen vor der Pflückreife lässt das Größenwachstum nach und endet mit der Bildung des Korkgewebes zwischen Fruchtstiel und Fruchtkuchen am Fruchtholz.


In diesem Stadium erkennt man, von welchen Früchten sich der Baum trennt. Gründe dafür sind mangelnde Befruchtung, unzureichende Ernährung und Befall von Schädlingen.
© von Soosten, Rolf
In diesem Stadium erkennt man, von welchen Früchten sich der Baum trennt. Gründe dafür sind mangelnde Befruchtung, unzureichende Ernährung und Befall von Schädlingen.
Im Inneren der jungen Frucht laufen mehrere Prozesse parallel. Nach der Blüte wirft der Baum alle nicht oder nicht ausreichend befruchteten Blüten ab. Im Juni beobachten wir den Junifruchtfall, bei dem besonders bei Trockenheit und mangelnder Versorgung mit Nährstoffen Früchte abgeworfen werden. Der Nährstoffbedarf ist bis zur Zellbildung besonders groß und die Versorgung wichtig. Nach Abschluss der Zellbildung beginnt die Zellvergrößerung. Die spätere dritte Fruchtfallperiode wird auf Veränderungen im Wuchsstoffhaushalt zurückgeführt. Vom Kernobst ist bekannt, dass eine enge Beziehung zwischen Fruchtgröße und ausgebildeten Samen besteht: Je mehr Samen um so größer die Frucht. Ungleiche Verteilung der Samen in der Frucht verursacht unsymmetrische Früchte.

Inhaltlich finden wir in der Jungfrucht zuerst die zellbildenden Stoffe: Beispielsweise Phosphor für die Zellkernbildung und Pektine für die Zellwände. Ab der Zellvergrößerung wird Stärke eingelagert, die dann bis zur Essreife völlig in Zucker, Aromen und Säuren umgebaut wird. Die sehr früh entstehenden Säuren – je nach Obstart unterschiedlich in der Zusammensetzung – nehmen zur Reife hin ab und sind bei der Beurteilung des Geschmacks ein wichtiges Kriterium. Der Abbau der Säuren ist von der Temperatur abhängig. So ist es nicht verwunderlich, dass der Geschmack und die Säure gleicher Sorten ('Golden Delicious') aus unterschiedlichen Anbaugebieten (Nord- und Süddeutschland) recht unterschiedlich sein können.

nach obenObstlagerung muss gut überlegt sein

Sortenabhängig beginnt die Bildung des Korkgewebes zwischen Frucht und Baum als Funktion zur Trennung. Damit unterbleibt der Einfluss des Baumes und es beginnt je nach Sorte der Zerfall des Fruchtfleisches durch die Auflösung der Pektine als Kleber zwischen den Zellen. Die Verdunstung der Feuchtigkeit nimmt zu, wenn dies nicht durch die Wachsschicht gebremst wird. Die Frucht wird "mehlig" und zerfällt, die Samen werden frei.

Auf diesem Ausschnitt sind nur zwei Früchte für die Lagerung geeignet, die anderen hätten besser ausgedünnt werden müssen.
© von Soosten, Rolf
Auf diesem Ausschnitt sind nur zwei Früchte für die Lagerung geeignet, die anderen hätten besser ausgedünnt werden müssen.
Überreife und beschädigte Früchte sollten besser sofort verbraucht werden.
© von Soosten, Rolf
Überreife und beschädigte Früchte sollten besser sofort verbraucht werden.

Optimaler Pflückzeitpunkt

Eine gezielte Obstlagerung beschränkt sich nicht auf das Aufbewahren. Durch Kenntnis der geschilderten Vorgänge kann das Stadium der Genussreife bewusst und gezielt verlängert werden. Erste Voraussetzung ist der optimale Pflückzeitpunkt. Leider gibt es hierfür keine feste Regel, zumal es für jede Sorte und in jedem Jahr anders sein kann. Aber es gibt Kriterien, nach denen man sich richten kann. Sie sind nicht schwierig, wenn man einen Einblick in die Hintergründe bekommen hat. In FuG wurde im Heft 9/2003 darüber berichtet.

Lager-Temperatur

Die Temperatur auf dem Lager spielt eine wesentliche Rolle. Durch Absenkung können Stärke-, Säure-, Zucker- und Pektinabbau gebremst werden. Die Früchte behalten länger die im wesentlichen durch die Säure beeinflusste Frische und ihren Geschmack.

Lager-Luftfeuchtigkeit

Die Abgabe von Wasser an die umgebende Luft führt zu Gewichts- und Qualitätsverlust. Bei 5 bis 7 % Gewichtsverlust beginnt die sichtbare Schrumpfung. Daher versucht man, die Lagerluft bei 85 bis 92 % relativer Luftfeuchte zu halten.

Diese Früchte sind ideal für die Lagerung: Gute Ausfärbung garantiert gutes Aroma und Zucker, gleiche Größe und Ausfärbung ergeben zufriedene Ergebnisse.
© von Soosten, Rolf
Diese Früchte sind ideal für die Lagerung: Gute Ausfärbung garantiert gutes Aroma und Zucker, gleiche Größe und Ausfärbung ergeben zufriedene Ergebnisse.

nach obenDie wichtigsten Regeln

Die Eigenschaften der Obstarten und der Sorten sind sehr spezifisch und meist nur dem Fachmann ausreichend bekannt. Für den Laien seien hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  1. Bei Beginn der Pflückreife prüfe man ständig den Reifefortgang und pflücke die für die Lagerung geeigneten Früchte heraus. Nur gesunde unbeschädigte Früchte ohne Befall von Krankheiten sind geeignet. Sie müssen im trockenen Zustand geerntet werden. Sonst sind Fäulnis und Verderb vorprogrammiert.
  2. Schnell herunterkühlen. Warme Früchte erhöhen die Lagertemperatur unnötig.
  3. Die Früchte werden am Lagerort sorgsam in einen liegenden Plastiksack gelegt. Er verhindert die Verdunstung der Früchte, wenn die Luft im Sack maximal mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Der Sack wird dicht zugebunden. Er sollte nach dem Füllen nicht mehr transportiert werden, um Beschädigungen zu verhindern.
  4. Das Obstlager sollte sich dort befinden, wo die niedrigste Temperatur im Hause ist. Optimale Temperatur für Äpfel und Birnen liegt bei etwa 4 °C. Diese ist im normalen Haushalt kaum zu erreichen. In alten Häusern mit eigener Wasserversorgung war stets die Nähe der Pumpe der beste Ort.
  5. Im Abstand von drei bis vier Wochen öffne man die Säcke, kontrolliere die Früchte auf Fäulnis und sorge für Frischluft. Um den Reifeprozess langsam fortschreiten zu lassen, muss die Luft im Sack ausgetauscht werden.


Auf diese Weise kann mit einfachen Mitteln die Genussreife verzögert und das Obst länger gehalten werden. Wie es unsere Eltern gehandhabt haben, beschreibt Friedrich Schnack in seiner Erzählung "Aufbewahrung der Winteräpfel" aus "Die schönen Tage des Lebens", 1971, Echter-Verlag Würzburg.

← vorheriger BeitragHimbeeren jetzt zurückschneiden
Obsternte und Lagerung
Obsternte und Lagerung
Apfel-Zimt-Brot
Wir backen frisches Brot
Quitten-Apfelmus
Köstliches aus Kernobst

Schlagworte dieser Seite:

Apfel, Birne, Buch-Tipp, Obstlagerung, Obstreife

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (0)

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2019

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de