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Ein bisschen Mut und eine gute Säge!

Juni 2006 Gelegentlich wird man entscheiden müssen, ob es sinnvoll ist, einen alten oder gar sehr alten ungepflegten Baum durch einen intensiven Schnitt zu sanieren oder ihn aufzugeben. Abgesehen von der altbekannten Tatsache, dass ein solcher schneller gerodet als neu gewachsen ist, kann eine schöne Baumkrone sowohl in einer hausgartengeprägten als auch in der freien Landschaft ein belebendes Element und mit ihrem filigranen Astwerk ein schöner Anblick sein.


Voraussetzungen sind eine gewisse Symmetrie der Krone und ein stabiles, sicheres Gerüst. Die Frage, ob die Sorte des Baumes noch als wertvoll erachtet wird, ist rein subjektiv zu beantworten. Die meisten alten Sorten werden geschmacklich von neuen überboten. Die Gesundheit und die Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Krankheiten sprechen für den Erhalt der altehrwürdigen Sorten. Und was wären die süddeutschen Landschaften ohne ihre wunderschönen alten Obstbäume an den Straßen und in den Fluren?

Doch ein gewisses Maß an Pflege ist notwendig um ein Überbauen zu verhindern, die Kronenhöhe zu begrenzen und den regelmäßigen Neutrieb zu veranlassen. Im Gegensatz zu einem modernen Spindelbusch wird man nicht jedes Jahr auf die hohe Leiter müssen, doch wenn die Krone zu dicht wird, muss ausgelichtet werden. Am Beispiel der beigefügten Bilder wird gezeigt, wie aus einem "hoffnungslosen" Baum eine schöne erhaltenswerte Krone herausgeputzt wird. Ein wenig Mut und Zeit gehören dazu.

Vor Beginn sollte man sich ein Konzept für die nächsten Jahre machen. Das könnte wie folgt aussehen:

  1. Beseitigen allen toten und angebrochenen Holzes.
  2. Wenn notwendig die Höhe begrenzen.
  3. Eine gewisse Gleichmäßigkeit der Krone ist aus statischen Gründen nötig.

Eine alte Apfelkrone, die 30 Jahre nicht mehr geschnitten wurde. Da das Grundgerüst in Ordnung ist, hat man sich für den Erhalt entschieden und einen intensiven Schnitt durchgeführt. Aus optischen Gründen ist hier bewusst kein Verjüngungsschnitt gemacht worden.
© von Soosten, Rolf
Eine alte Apfelkrone, die 30 Jahre nicht mehr geschnitten wurde. Da das Grundgerüst in Ordnung ist, hat man sich für den Erhalt entschieden und einen intensiven Schnitt durchgeführt. Aus optischen Gründen ist hier bewusst kein Verjüngungsschnitt gemacht worden.
Nach etwa dreistündiger Arbeit sieht die Krone anders aus. Doch wird auch in den folgenden Jahren noch einiges zu verbessern sein. Die dichten Teile der Krone fallen auf.
© von Soosten, Rolf
Nach etwa dreistündiger Arbeit sieht die Krone anders aus. Doch wird auch in den folgenden Jahren noch einiges zu verbessern sein. Die dichten Teile der Krone fallen auf.

Diese möglicherweise größeren Eingriffe sind zuerst anzupacken. Große "Operationen" sind stückweise durchzuführen. So verhindert man unnötigen Bruch. Auf den ersten Bild ist die linke Kronenhälfte wesentlich höher. Hier wird ein dicker, das Innere schirmartig überdeckender Ast entfernt. Auch auf der rechten Seite herrschen ähnliche Verhältnisse. Nach Beseitigung dieser beiden Äste bekommt die Krone wieder eine halbkugelige Form, die der Belichtung zuträglich ist.

Als nächsten Schritt wird man auf der Unterseite alles vergreiste Holz entfernen. Doch soll das immer bedacht passieren, denn wir brauchen für die Verjüngung überall Holz mit funktionsfähigen Knospen. Das bedeutet ein zurückgeschnittenes Wasserreis, ein wenig freistehendes Fruchtholz oder ein Stummel eines aufrecht stehenden Astes. Jetzt wird die "Decke" dünner.

In der nun folgenden Phase versuche man die übereinander liegenden Äste zu vereinzeln. Stets der bessere bleibt, der – meist – ältere wird fortgeschnitten oder eingekürzt. Dabei berücksichtige man, dass aus einer Knospe mehrere Blätter kommen, die zusammen etwa die Fläche einer ausgebreiteten Hand haben und damit Schatten verursachen. Das Maß dieses "Ausputzens" richtet sich etwas nach der Sorte. Kleinfrüchtige Sorten haben oftmals wegen der kleineren Blätter geringere Schattenwirkung. Ein 'Schöner von Boskoop’ wird im Endzustand einen weiteren Aststand erfordern. Zu Lehrzeiten hieß es, man müsse durch eine Krone seine Mütze werfen können.

Sicherlich kann man die Sanierung einer Krone auf mehrere Jahre verteilen. Damit verringert man die anfallende Schnittholzmenge, die, wie bei diesem Baum, gewaltig sein kann. Im Folgejahr steht man dann wieder vor den gleichen Fragen. Je nach Reaktion des Baumes fällt in den folgenden Jahren ohnehin etwas Arbeit an, denn häufig folgt dem intensiven Schnitt ein intensives Wachstum, sodass ein weiterer Schritt zur Erneuerung des Fruchtholzes gemacht werden kann.

Auf dem zweiten Bild wirkt die Krone etwas sperrig. Doch der nächste Ertrag wird die gewohnte Form wiederherstellen. Sicherlich ist auch hier noch nicht die gewünschte Gleichmäßigkeit bei der Verteilung des Fruchtholzes erreicht. So bleibt ein Ziel für das nächste Jahr!

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Bild 1: Dieser Apfelbaum beschattet einen Großteil des kleinen Vorgartens und trägt keine Früchte. Nach dem im Text beschriebenen Schnitt werden in wenigen Jahren wieder Früchte wachsen und der intensive Schatten gelockert sein. Der Baum kann dann bleiben.
Apfelbäume - Fehler rückgängig machen
Qualitätsleitern bzw. Leitern von Markenherstellern sorgen für Sicherheit bei der Ernte. Nützliches Zubehör wie Einhängepodeste, Eimerhaken oder Erdspitzen erweitern die Einsatzmöglichkeiten und erhöhen den Unfallschutz.
Sicher auf der Leiter
"Besen": Diesem Baum wird jährlich ein "Rasierschnitt" verpasst. Ansonsten würden alle Früchte im Schatten reifen und vermutlich stippig werden.
Gute Fruchtqualität

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Baumschnitt, Obstbaumschnitt

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