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Erdbeeren − Frigopflanzen selber machen?

Mai 2006 Seit etwa zwanzig Jahren spielen die Frigo-Pflanzen eine nicht mehr wegzudenkende Rolle im Erdbeeranbau. Für Haus- und Kleingärtner ist es jedoch kaum möglich, diese Form der Erdbeerjungpflanzen käuflich zu erwerben. Das hängt mit den frigo-spezifischen Eigenschaften zusammen.


Frigos sind Jungpflanzen, die anstatt im Juli oder August erst während der absoluten Winterruhe aus dem Boden genommen werden. Durch spezielle Einlagerung wird diese Winterphase künstlich verlängert, sodass ihr nächster Frühling erst beginnt, wenn der Besitzer sie auslagert. Blicken wir zuerst in die Botanik: Die Erdbeere erwacht als Staude mit der Erwärmung des Boden aus ihrer Winterruhe. Diese Winterruhe ist genetisch fixiert. Der Kältebedarf unserer mitteleuropäischen Sorten liegt zwischen 600 und 1.000 Stunden bei Temperaturen unter 5 °C. Nach einer solchen Ruheperiode beginnt die Pflanze mit dem Austrieb von Blüten und Blättern. Eine ebenfalls in der Pflanze verankerte Eigenschaft ist die Bildung, die Induktion, von Blütenknospen im Herbst. Um den Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche beginnt sie mit der Anlage von Blüten für das nächste Jahr. Qualität und Menge sind abhängig von der Lichtmenge. Diese Knospen sind ähnlich wie beim Apfel mit einer guten Lupe oder unter dem Mikroskop sichtbar.

nach obenWorin unterscheiden sie sich von normalen Jungpflanzen?

Im August geerntete Setzlinge müssen auf dem neuen Standort anwachsen, d. h. neue Wurzeln und Blätter bilden und erst bei Beginn der Kurztagsbedingungen mit der Blüteninduktion beginnen. Damit ist die Erntezeit vorgegeben: Als Einjährige blühen sie einige Tage früher und die Reife setzt je nach Witterung 3 bis 8 Tage eher ein. Mit Frigos pflanzen wir "komplette" Pflanzen, deren Blüte erfahrungsgemäß 4 bis 5 Wochen nach der Pflanzung beginnt. Nach weiteren vier Wochen setzt die Ernte ein. Durch die Wahl des Auslagerungstermins – Anfang Mai bis Ende Juni – kann somit der Erntezeitpunkt bei Frigopflanzen bestimmt werden.

Seitlich in den Blattachsen befinden sich in den spitzen Knospen die Blütenanlagen, die im nebenstehenden Bild herausgearbeitet sind.
© von Soosten, Rolf
Seitlich in den Blattachsen befinden sich in den spitzen Knospen die Blütenanlagen, die im nebenstehenden Bild herausgearbeitet sind.
Der Schnitt durch das Rhizom: Oben sitzt der Vegetationskegel, die bereits vorgebildeten Blätter für das nächste Frühjahr.
© von Soosten, Rolf
Der Schnitt durch das Rhizom: Oben sitzt der Vegetationskegel, die bereits vorgebildeten Blätter für das nächste Frühjahr.
Will man nun Frigos selber produzieren, sorge man für einen guten Stand der Mutterpflanzen. Gesundheit, gute Ernährung und ein weiter Abstand sind beste Voraussetzungen. Die Anzahl der Ausläuferpflanzen sollte man begrenzen. Denn nur voll besonntes Laub schafft Blütenknospen! Und die der Mutterpflanze am nächsten stehende ist aufgrund der größeren Blattzahl die bessere! Im Idealfall belasse man je Ausläufer nur eine Jungpflanze. Diese Obstart hat nach der Ernte den größten Nährstoffbedarf. Bei einer guten und vor allem einer harmonischen Ernährung bleiben die Blattstiele relativ kurz und die Blattspreite ist dunkelgrün. Im Oktober, spätestens mit Beginn der Nachtfröste, zeigen die alten Blätter der Mutter- und der Jungpflanzen gelbe Ränder. Sie zeigen an, dass der Rücktransport der in den Blättern gebildeten Kohlehydrate (Zucker und Stärke) in das Rhizom beginnt. Die Menge der Stärke im Rhizom ist ein Kriterium für die Stabilität im Winter und für das Austriebsvermögen im Frühjahr.

Zwei unterschiedlich starke Pflanzen: links gute Qualität mit etwa 15 mm, rechts ein sehr starkes Beispiel, das eine wesentlich höhere Leistung erwarten lässt.
© von Soosten, Rolf
Zwei unterschiedlich starke Pflanzen: links gute Qualität mit etwa 15 mm, rechts ein sehr starkes Beispiel, das eine wesentlich höhere Leistung erwarten lässt.
Ende November, besser im Dezember, nimmt man die Jungpflanzen heraus, schneidet die Blätter etwa 2 cm über der Knospe ab, schüttelt die Wurzeln aus und bündelt sie je nach Bedarf zu 10 oder mehr. Faule Blattansätze gehören nicht hinein, Fäulnisgefahr! Die Beutel sind luftdicht zu verschließen. Am Wurzelhals – zwischen Blattansatz und Wurzelbeginn – kann man die Qualität beurteilen. Durchmesser von mehr als 15 mm sind als Frigos brauchbar. Sie enthalten ausreichend Blütenansatz. Bei kleineren Durchmessern sollte man kritisch sein. Die fertigen Tüten werden bei einer Temperatur von etwa −2 °C eingelagert. Wenn die Pflanze durchgefroren ist, kann man auf −1,7, später auf −1,5 °C ansteigen lassen. Hier liegen sicher die schwierigen Punkte, denn nicht jeder Haushalt verfügt über die technischen Voraussetzungen.

Sinnvolle Pflanzzeit gilt ab Mitte Mai. Erstaunlich ist der schnelle Start mit dem Wachstum. Es wird schon 48 Stunden nach dem Auftauen durch Schieben der Knospen sichtbar. Da wir dann bereits heiße oder trockene Perioden bekommen können, streue man beim Erscheinen der Blüten eine dünne Strohschicht aus. Das dient dem Schutz vor unnötiger Verdunstung, Erhitzung und später vor Verschmutzung der Früchte. Die Ertragsleistung liegt bei durchschnittlichem Pflanzgut bei 150 bis 200 g, bei starkem Pflanzgut können auch 300 g erreicht werden. Stehen reichlich Pflanzen zur Verfügung, setze man auf halbem normalen Abstand, um dann nach der Ernte jede zweite Pflanze zu beseitigen.

Die Eigenschaft des sofortigen Austriebs nach dem Auftauen ist ein wesentlicher Grund für die mangelnde Verfügbarkeit im Handel. Dem kann man nur durch eigenerzeugtes Pflanzgut entgehen. Sicher wird es Bastler geben, die diese technischen Ansprüche erfüllen können und eventuell Frigopflanzen oder Lagerraum im Kühlschrank der Nachbarschaft zur Verfügung stellen.

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