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Etwas mehr über den Schorfpilz

April 2006 Das Jahr 2004 hat uns gezeigt, dass der Schorfpilz immer wieder erhebliche Ausfälle bringen kann. Selbst im Erwerbsobstbau sind trotz Anwendung von Fachkenntnissen und moderner Bekämpfungsmittel viele Fälle aufgetreten. Wenn im Hausgarten der Aufwand an Chemie auf ein Mindestmaß reduziert ist, so kann es doch recht hilfreich sein, über diesen gefährlichsten Schaderreger im Obstbau etwas mehr zu wissen.


Im Winter erkennen wir graue, kleine runde Stellen auf dem Apfel, die zum Zeitpunkt der Ernte noch nicht da waren. Sie können auf dem Lager entstanden sein, wenn die Keimschläuche der Sporen durch Feuchtigkeit in die Fruchtschale eingedrungen sind. Nach einigen Wochen entstehen diese hässlichen Flecke. Wir nennen sie Lagerschorf.

Zunächst kleinere schwarze Flecken, die an Größe zunehmen, zeigen den Befall mit Lagerschorf
© von Soosten, Rolf
Zunächst kleinere schwarze Flecken, die an Größe zunehmen, zeigen den Befall mit Lagerschorf
Schorffleck mit Fruchtrissen, die zusätzlich Einfallspforte für Fäulniserreger sind.
© von Soosten, Rolf
Schorffleck mit Fruchtrissen, die zusätzlich Einfallspforte für Fäulniserreger sind.

Auf dem Baum können ab Knospenaufbruch auf allen grünen Pflanzenteilen Infektionen entstehen. Dazu erforderlich sind keimfähige Sporen, ausreichende Temperatur und eine dünne Wasserschicht auf der Oberfläche – die sogenannte Blattfeuchte. Im Frühjahr reifen in den Pusteln der überwinterten Blätter die Schlauchsporen. Bei entsprechendem Niederschlag reißen die Fruchtstände auf, die Sporen werden hinausgeschleudert und gelangen durch bewegte Luft in die Baumkrone. Dieser Flug kann bereits im März beginnen und dauert bis in den Juni. Dabei kann es zu großen Sporenmengen kommen, wenn es nach einer trockenen Wetterperiode feucht und warm wird. In solchen Fällen treten schwere Infektionen auf, bei denen fast alle Blätter befallen werden. Der Baum reagiert mit der Ausbildung von Trenngewebe zwischen Blattstiel und Holz; er wirft das Blatt ab. So stehen gelegentlich Bäume schon im Juli fast entlaubt. Die Folgen sind neuer Austrieb und mangelnde Reservestoffe für die Winterruhe. Wir sprechen hier vom Frühschorf.

Auf den Schorfflecken im Baum reifen in der zweiten Sommerhälfte bei ausreichender Luftfeuchtigkeit die Konidien. Sie werden hauptsächlich durch Regentropfen innerhalb der Krone verbreitet. Es entstehen Infektionen bei recht kurzer Blattfeuchte an Blättern und Früchten. Dieses nennen wir Spätschorf. Er verursacht den Lagerschorf.

Es bestehen sehr enge spezifische Verhältnisse zwischen der Temperatur und der Dauer der Benetzung (Blattfeuchte). Je niedriger die Temperatur, desto länger benötigt die Spore zum Keimen. Je höher die Temperatur, umso schneller beginnt die Keimung. Dazu ein paar Zahlen: Bei 3 bis 4 °C werden 48 Stunden Blattfeuchte benötigt, bei 16 bis 24 °C sinkt die Zeit auf 9 Stunden. Voraussetzung ist jedoch dauernde Blattfeuchte. Um den Keimprozess zu unterbinden sind je nach Luftfeuchte 8 bis 16 Stunden Unterbrechung der Blattfeuchte notwendig. Heute sind Schorf-Warngeräte auf dem Markt, die auf die Stunde genau den Punkt der chemischen Bekämpfung angeben. Sie tragen wesentlich zum Reduzieren von Bekämpfungsmitteln bei.

Noch eine Ergänzung zum Spätschorf: hier reichen etwa ein Drittel kürzere Benetzungszeiten, um einen Befall entstehen zu lassen. Daher ist die Bekämpfung des Frühschorfs so wichtig.

nach obenWas kann man mit diesen Aussagen anfangen?

Mit dem Einblick in die Biologie wächst das Verständnis über den Standort. Windschutz ist zwar wichtig, aber bewegte Luft am Standort des Baumes ist noch wichtiger. Sie trägt zum schnellen Abtrocknen nach Niederschlägen wesentlich bei. Auf einem kritischen Standort muss man sich zweckmäßigerweise für eine resistente oder mindestens widerstandsfähige Sorte entscheiden. Setzt man chemische Mittel ein, können Zeitpunkt und Mittel optimiert werden. Vorbeugende (prophylaktisch wirkende) Produkte werden vor der Keimung, heilend wirkende (kurative) danach eingesetzt.

Hier auf die Bekämpfungsmittel einzugehen ist aufgrund der sich schnell ändernden Zulassungssituation nicht sinnvoll. Man werfe einen Blick auf aktualisierte Seiten im Internet.

Am bekanntesten ist der Apfelschorf mit seinem heute gültigen Fachnamen Venturia inaequalis.

Birnenschorf an Früchten und Blättern; die Früchte sind zum Teil bereits ungenießbar.
© von Soosten, Rolf
Birnenschorf an Früchten und Blättern; die Früchte sind zum Teil bereits ungenießbar.
Schwarze Pusteln auf dem einjährigen Holz, genannt Zweiggrind
© von Soosten, Rolf
Schwarze Pusteln auf dem einjährigen Holz, genannt Zweiggrind
Birnenschorf macht jährlich unsere besten Sorten unansehnlich, es ist der nahe Verwandte Venturia pirina. Er ist bei anfälligen Sorten häufig in Form von schwarzen Pusteln auf dem einjährigen Holz (Zweiggrind) zu finden.

Weniger bekannt ist der Kirschenschorf Venturia cerasi und der am Pfirsich lebende Venturia carpophila. Die botanischen Namen sind nicht zum Lernen, sie sollen auf die enge Beziehung zueinander hinweisen.

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Apfel, Apfelschorf, Birne, Birnenschorf, Kirsche, Kirschenschorf, Pfirsich, Schorfpilz
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