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Renekloden und Mirabellen − Bereicherung für Garten und Küche

März 2006 In den vergangenen Jahren ist viel über neue Obstsorten geschrieben worden. Dabei hat man ganz die Renekloden und Mirabellen vergessen. Wenn sie auch nicht so vielseitig wie blaue Zwetschgen zu verwenden sind, haben sie doch ihre hervorzuhebenden Vorteile.


Kaum eine Zwetschge oder Pflaume ist so lecker vom Baum zu essen, wie die meist hell gefärbten Sorten. Der erste Biss in die süßen saftigen Renekloden gehört doch zu den Sternstunden des Gartenjahres! Die weißbereiften bunt gesprenkelten Mirabellen übertreffen die Freude beim Essen reifer blauer Zwetschgen. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass beim Anbau einige Probleme zu bewältigen sind. Erkennt man sie früh genug, lassen sich einige reduzieren. Da die Sorten hinlänglich bekannt sind, sollen hier eher die Wuchseigenschaften besprochen werden.

'Nancy-Mirabelle'
© May
'Nancy-Mirabelle'
Die 'Nancy-Mirabelle' hat sich gegenüber anderen Sorten durchgesetzt. Sie ist bereits sehr alt und soll über Frankreich aus Asien zu uns gekommen sein. Der Baum wächst recht stark mit in der Jugend langen Trieben. Setzt der Ertrag ein, fällt die Krone leicht auseinander. Es entstehen dann breitkronige Bäume, die nicht in jeden Hausgarten passen. Durch Schnittmaßnahmen korrigierend einzugreifen führt zur Verzögerung des ohnehin späten Ertragbeginns. Sinnvoller erscheint die Auswahl einer schwächer wachsenden Unterlage und Zurückhaltung in der Düngung. Erst mit einsetzendem Ertrag sollten Kronen- und Fruchtgröße durch Düngung beeinflusst werden. Mirabellen gelten in kritischen Lagen als scharkatolerant. Hat man Auswahlmöglichkeit beim Kauf, ziehe man Kronen mit flach angesetzten Seitenästen vor. Die Frucht reift je nach Landschaft ab Ende August.

Etwas größere Früchte bringt die 'Große Grüne Reneklode'. Ihre grünen Früchte werden nur auf der sonnenbeschienenen Seite rötlich angehaucht. Das unattraktive Aussehen und die dünne Schale machen sie für den Handel ungeeignet. Aber für den Genuss vom Baum, als Kompott, eingeweckt oder zu Marmelade verarbeitet schmeckt sie wunderbar. Sie wächst wesentlich schwächer als die Mirabelle, bildet ebenfalls eine flache Krone, stellt aber etwas höhere Ansprüche an das Klima. Man achte unbedingt auf zeitgleich blühende Befruchtersorten ('Althanns', 'Nancymirabelle' und Zwetschgensorten), da sie selbststeril ist. Die Aussagen über die Scharkatoleranz sind unterschiedlich. Von geeigneten Standorten ist sie vollreif eine Delikatesse! Kein Wunder, dass sie sich seit annähernd 500 Jahren in Mitteleuropa gehalten hat. Achtung, sie neigt zur Alternanz!

Interessiert an den vorgestellten Sorten?

Sie erhalten sie im Handel sowie im Versandhandel wie z. B. Amazon.de. Die orange-markierten Sorten führen Sie direkt zur Fundstelle bei Amazon.de.
Viel Spaß beim Gärtnern!
Eine weitere aus Liebhaberkreisen kaum wegzudenkende Sorte ist 'Graf Althanns Reneklode'. Im Gegensatz zu den beiden vorgenannten ist sie nur auf der dem Licht abgewandten Seite gelb, sonst aber orange bis hellviolett. Die Früchte sind noch ein wenig größer, ebenfalls transportempfindlich und selten im Handel zu bekommen. Der Baum bildet eine kräftige, breite und sperrige Krone, neigt zum Aufkahlen und wird als tolerant gegenüber der Scharka bezeichnet. Um die Bäume nicht zu groß werden zu lassen, bevorzuge man beim Kauf Kronen, bei denen die Seitenäste einen weiten Winkel haben. Das Wachstum wird gebremst und der Ertrag setzt früher ein. Die ab Mitte August reifenden Früchte sind aromatisch, süß und bei voller Reife steinlösend.

Die letzte der klassischen Sorten ist die 'Oullins Reneklode'. Sie reift früh, die Früchte sind sehr groß, reichen aber in Geschmack und Qualität nicht ganz an die beiden vorgenannten heran. Die Krone wird groß und breit, die Äste wachsen sperrig und neigen zum Aufkahlen. Im Gegensatz zu den obengenannten Sorten beginnt sie früh mit dem Ertrag, der aber nicht immer zufriedenstellend ist. In Jahren mit reichem Behang ist die geschmackliche Qualität unzureichend. Bei Regen kurz vor oder während der Ernte platzen die Früchte und beginnen zu faulen. In der Küche gibt sie ein gutes Kompott und schmeckt auch eingemacht gut.

Es gibt natürlich weitere Sorten sowohl im alten Sortiment als auch unter den Neuheiten. Probleme ergeben sich langfristig mit der Beschaffung des Pflanzmaterials. Es gibt nur wenige Baumschulen, die ein großes Sortiment mit kleinen Stückzahlen führen können. Bei den Neuheiten hemmt das Gerangel um die Lizenzen die Verbreitung. Eine gute Adresse sind die Gartencenter, die von den Mitgliedsbetrieben des Bundes Deutscher Baumschulen beliefert werden.

Wintereigelege der Roten Spinne
© May
Wintereigelege der Roten Spinne
Die rötlich-braunen Flecken der Schrotschusskrankheit. Nachdem das abgestorbene Gewebe herausgefallen ist, zeigt das Blatt eine schrotschussähnliche Durchlöcherung.
© May
Die rötlich-braunen Flecken der Schrotschusskrankheit. Nachdem das abgestorbene Gewebe herausgefallen ist, zeigt das Blatt eine schrotschussähnliche Durchlöcherung.
Beim Steinobst sind unter den Schädlingen die Blattläuse, die Rote Spinne und bei voller Reife der Befall durch Wespen lästig. Unter den Krankheiten sind es Schrotschuss, Sprühflecken und während der Reife die Fruchtmonilia. Neben den zugelassenen chemischen Mitteln wirken ein freier Stand, lichter Schnitt und eine mäßige Düngung den Schädigern entgegen.

Wer an Neupflanzung denkt, bemühe sich frühzeitig um geeignetes Pflanzmaterial. Bei diesen langlebigen Gehölzen ist es besser, sich aus einem frisch eingeschlagenen Sortiment in der Baumschule oder dem Gartencenter den besten Baum auszusuchen, als das nehmen zu müssen, was andere Kunden nicht haben wollten! Obstbäume kann man bei jedem frostfreien Wetter pflanzen, wenn der Boden nicht zu nass ist! Warum also warten bis zum Mai?

Allen diesen Obstsorten ist gemeinsam die zurückgehende Nachfrage der Großmärkte wegen mangelnder Haltbarkeit und Transportfähigkeit. Daher wird zukünftig das Angebot in den Kettenläden kleiner werden. Dazu kommen die relativ kleinen Mengen im Handel und Anziehungskraft für die lästigen Wespen. Wer also Wert auf eine weitgefächerte Obstpalette legt, denke langfristig an diese Sorten.

Her mit dem Pflaumensegen!
Zweige immer nah am Ast abschneiden.
So tickt der Obstbaum!
Bild 1: Gute Obsternte dank erfolgreicher Bestäubung.
Partnerwahl der Obstgehölze

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Mirabelle, Reneklode

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