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Die Wachstumsgesetze und der Umgang mit ihnen (Teil 1)

Januar 2006 Versuchen wir uns einmal vorzustellen, wo wir in einer naturbelassenen Landschaft die Vorfahren unserer Obstgehölze finden würden. Sicher sind die lichtbedürftigen Kern- und Steinobstarten an den Waldrändern, Strauchbeeren im buschigen Gelände, die Nussarten in der freien Landschaft und Erdbeeren und die kleinen Sträucher Heidel- und Preiselbeeren dagegen im waldfreien Gelände zu finden. In ihrer Entwicklungsgeschichte haben sie einen Standort gefunden, der ihrem Habitus entspricht.


Diesen Erscheinungsbildern hat die Botanik entsprechend ihrem Aufbau feststehende Begriffe zugeordnet. So spricht man bei Äpfeln, Birnen, Kirschen und anderen Steinobstgewächsen von Bäumen. Bei ihnen werden die stets höchstsitzenden Knospen besonders mit Aufbaustoffen versorgt. Es entsteht so der "Baum". Diese Obstarten wachsen, besonders auf den starkwachsenden Unterlagen, im Anfang streng pyramidal, erst mit Beginn voller Erträge nehmen die Kronen an Umfang zu. Für die unteren Äste bleiben nicht viele Aufbaustoffe über und mangels ausreichenden Lichts vergreisen sie und sterben ab. Es entsteht ein mehr oder weniger ausgeprägter Stamm.

Im Gegensatz zu einem Baum treibt ein Strauch aus seinen Basalknospen stärker aus als mit den Spitzenknospen. Hier das Beispiel an der Hasel.
© von Soosten, Rolf
Im Gegensatz zu einem Baum treibt ein Strauch aus seinen Basalknospen stärker aus als mit den Spitzenknospen. Hier das Beispiel an der Hasel.
Ganz anders ist die Struktur bei Strauchobstarten. Hier sind es die an der Basis sitzenden Erneuerungsknospen, die – genetisch fixiert – stärker austreiben und so in zwei bis drei Jahren die älteren Triebe überragen. Stammformen kommen in der Natur nicht vor, sie entstehen in der Baumschule, oft durch Veredlung auf einem artfremden Gehölz. Zu den "Sträuchern" zählen die Johannisbeerartigen, die Stachel- und die Heidelbeeren. Auch die Haselnuss zeigt dieses Wuchsverhalten. Wegen der beachtlich abweichenden Höhe nennt man sie auch gelegentlich "Großsträucher".

Himbeeren (Ausnahme herbsttragende) und Brombeeren tragen an zweijährigen Ruten. Nach der Ernte sterben die abgetragenen Ruten ab, die neu erschienenen überwintern und blühen im Folgejahr. Hier spricht man von "Halbsträuchern". Die Erneuerung erfolgt aus den bodennahen oder Wurzelknospen.

Heimische Heidel- und Preiselbeeren sowie einige nordische Wildgehölze zählt man zu den Zwerggehölzen. Das Holz wird mehrjährig, die Verjüngung kommt aus den bodennahen Knospen. Letztlich gehört die Erdbeere nicht zu den Gehölzen, sondern zu den Stauden mit dieser Lebensform eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Lesen Sie auch:
Die Wachstumsgesetze und der Umgang mit ihnen (Teil 2) Februar 2006
Hinsichtlich gewisser Eigenschaften unterscheidet der Obstbauer verschiedene Triebformen.

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Apfel, Baum, Birne, Brombeere, Halbstrauch, Haselnuss, Heidelbeere, Himbeere, Johannisbeere, Kirsche, Preiselbeere, Stachelbeere, Strauch, Wachstum
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