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Aktueller Pflanzenschutz ein Buch mit sieben Siegeln?

November 2005 Sorgen Vorstände durch Vorträge und Infos für Grundwissen zum Pflanzenschutz? Bei Vorträgen in Siedlervereinen, individuellen Gesprächen über den Gartenzaun, im Dialog mit Ratsuchenden am Telefon oder Freie Presse – Infomobil "Ratgeber-Garten", höre ich oft: "Wir verzichten in unserem Garten auf die chemische Keule!".


Dieses Pseudonym, von einigen Medien für chemischen Pflanzenschutz suggeriert, animiert Freizeitgärtner sich nicht über das aktuelle Pflanzenschutzmittelangebot (einschließlich deren Wirkstoffe) für Haus und Garten zu informieren. Sie verzichten aus Ärger über Schäden an ihren Kulturen frustriert zunehmend auf den Anbau von Obst und Gemüse, erweitern dafür ihre ständig kurzgeschorene Grünfläche.

Im Glauben, das preisgünstig im Supermarkt angebotene "Grünzeug" sei aus biologisch-ökologischem Anbau, dazu noch ohne Flecken, Faulstellen und Maden(!) erwerben sie dort ihren täglichen Bedarf von Gemüse und Obst.

Solches offenbart, so manche Mitgliedsfamilie hat Informationsbedarf zum aktuellen Stand des integrierten Pflanzenschutzes. Empfehlenswert ist es deshalb, im anstehenden Winterhalbjahr diese Wissenslücke auf Mitgliederversammlungen mit Fachvorträgen zu schließen.

Beteiligung und Dialog zu solchen in Glauchau und Werdau belegen z. B. ein Interesse der Mitglieder, mehr über Pflanzenschutz zu erfahren. Sie legten von Schädlingen gezeichnete Pflanzenteile vor, stellten zielgerichtet Fragen zum Schutz ihrer Kulturen. Kein Problem, bei Vorliegen des Schadbildes die richtige Antwort zu geben.

Bitten um "Ferndiagnosen" sind abzulehnen. Dafür sollte auf ein gründliches Studium unserer monatlich erscheinenden Zeitschrift "Familienheim und Garten" hingewiesen werden. Selbige vermittelt eine Vielfalt von Wissen über vorbeugende und direkte Schädlingsbekämpfung sowie Integriertem Pflanzenschutz.

Insektenhotel
© Neumann, Siegfried
Insektenhotel
Jeder Freizeitgärtner sollte wissen und beachten: Die erfolgreiche Kultur widerstandsfähiger Pflanzen beginnt mit standortgerechter Arten- und Sortenwahl (resistente Sorten!), optimaler Düngung, Bodenbearbeitung, Saat- bzw. Pflanztermin, kluger Fruchtfolge und nicht zuletzt auch intensiver Pflege. Ein rechtzeitiges Entfernen lästigen Unkrautes ist dabei eingeschlossen.

Dies ist ein guter Weg zum integrierten Pflanzenschutz, den wir zielstrebig mit Förderung der uns längst bekannten Nützlingsschar weiter beschreiten. Hierzu gehören u. a. Insektenhotel, Nisthilfe, Biotope, und Schlupfwinkel zum Ansiedeln von Kleinsäugern. Auch rechtzeitiges Ausbringen bewährter handelsüblicher Pilzbekämpfungs- und Pflanzenstärkungsmittel beugt möglichem Schädlingsbefall vor.

Nicht zu vergessen ist die Vielfalt physikalischen Pflanzenschutzes wie Fangen von Schädlingen mit Fallen bis hin zu Leimringen und Gelbtafeln. Vorbeugend finden auch Sexualduftstoffe (Pheromone) zunehmend erfolgreiche Anwendung.

Bei Gefahr im Verzug, z. B. wenn witterungsbedingt mit starkem Befall von Mehltau, Braunfäule oder einer Invasion von Schadinsekten zu rechnen ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig zu bewährten handelsüblichen, zur Verwendung in Haus und Garten zugelassener Fungizide (zur Bekämpfung pilzartiger Schaderreger) oder Insektizide (zur Bekämpfung von Schadinsekten) zu greifen.

Selbige, vorwiegend nicht bienengefährlich und biologisch abbaubar, erfordern vor der Ernte von Obst und Gemüse in der Regel nur drei Tage Wartezeit. Neuerdings gehören hierzu auch wirkungsvolle Produkte auf Rapsölbasis, mit denen sich selbst die Weiße Fliege erfolgreich "in Schach halten" lässt.

Birnengitterost
© Neumann, Siegfried
Birnengitterost
Monilia am Apfel
© Neumann, Siegfried
Monilia am Apfel
Gespinstmotten
© Neumann, Siegfried
Gespinstmotten
Schwierig verhindern lassen sich noch immer Birnengitterrost, Monilia, als Folgeschäden durch Wicklerbefall sowie auch sprichwörtliche Invasionen von Schadinsekten, wie Frostspanner oder Gespinstmotten.

Befall durch Birnengitterrost lässt sich vielleicht mit Pflanzenstärkungsmitteln vorbeugen. Offensichtlich sind auch manche Sorten relativ resistent, z. B. die Sorte 'Julius Guyot', deren Laub kaum von diesem Pilz gezeichnet wird.

Monilia an Früchten von Kernobst stellt sich vorwiegend als Folge von Wicklerbefall ein. Ein Grund mehr, Apfelwickler und Co. keine Chance zu gewähren, deren Eier an den Früchten abzulegen.

Anders sieht dies bei akuter Invasion von Schadinsekten aus. Da muss, um größere Schäden zu verhüten, unbedingt eine rechtzeitige Bekämpfung erfolgen. In zahlreichen Siedlergärten stehen noch immer überalterte Kernobst- und Süßkirschhochstämme. Deren Früchte werden, weil nur geringer Bedarf vorhanden, kaum gepflückt. Solche sind effektive Brutstätten für Wickler, Kirschfruchtfliege und Monilia. Klug wäre es, selbige entweder wieder intensiv zu pflegen oder wegen Überalterung bzw. mangels Bedarf zu roden und deren Standorte anderweitig zu nutzen.

Ihr Gartenfachberater
Siegfried Neumann
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Birnengitterrost, Braunfäule, Gespinstmotte, Integrierter Planzenschutz, Mehltau, Monilia

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