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Feigen

Besonders beliebt auf Samos ist diese längliche blauviolette Form.
© von Soosten, Rolf
Besonders beliebt auf Samos ist diese längliche blauviolette Form.
Eine im August aufgenommene reife hellviolette Frucht, bei der der Porus und die ihn verschließenden Hochblätter zu erkennen sind.
© von Soosten, Rolf
Eine im August aufgenommene reife hellviolette Frucht, bei der der Porus und die ihn verschließenden Hochblätter zu erkennen sind.

November 2005 "Reisen bildet" sagt der Volksmund. Aber es weckt auch die Neugier und motiviert zu Experimenten, auch im Hausgarten. So finden wir seit einigen Jahren in den Versandgärtnereien und Gartencentern Feigen in Töpfen angeboten. Gartenbesitzern, die diese wunderbare Frucht im reifen Zustand frisch vom Baum haben probieren können, kommt spontan der Gedanke, Feigen im eigenen Garten anzubauen.


Wenn Weinklima vorhanden ist oder der Garten einen besonders günstigen Platz aufweist, sollte man den Versuch wagen. Wichtig ist dabei, dass das Pflanzmaterial für rauhere Lagen geeignet ist. Das bei uns verkaufte stammt meistens aus Nord- und Mittelitalien, wohin gute alte Handelsbeziehungen (Formgehölze, Zitronen- und Orangenbäumchen, Terrakotten) bestehen.

Die Feige gestaltet in freier Landschaft einen bis zum Boden beasteten Baum von mehreren Metern Höhe. Ihre sehr kleinen Samen werden von Vögeln verbreitet, und nicht selten sieht man aus kleinen Ritzen in Felsen Feigen wachsen. Über ihre Heimat sagt die Bibel etwas, ebenso, dass sie in biblischer Zeit bereits dem Menschen sehr nützlich war (nicht nur mit ihren Blättern).

nach obenInteressante Biologie

Eine grüne wildwachsende Form. Überreife Früchte platzen in der Mitte auf und setzen damit die Samen frei.
© von Soosten, Rolf
Eine grüne wildwachsende Form. Überreife Früchte platzen in der Mitte auf und setzen damit die Samen frei.
In der geöffneten Frucht sieht man die kleinen reifen Samen.
© von Soosten, Rolf
In der geöffneten Frucht sieht man die kleinen reifen Samen.
Getrocknete Feigen aus dem persischen Zagros-Gebirge.
© von Soosten, Rolf
Getrocknete Feigen aus dem persischen Zagros-Gebirge.
Die Feige gehört in die große Pflanzenfamilie der Moraceen, von der wir noch einige andere Vertreter kennen. Der altbekannte Gummibaum, der kleinblättrige Ficus benjamina und die großkronigen Maulbeerbäume seien als Vertreter genannt.

Viel interessanter ist die Biologie. Von der uns hier interessierenden Feige haben sich in ihrer Heimat Vorderasien zwei Unterarten entwickelt, die eng aufeinander angewiesen sind: Die Essfeige (Ficus carica domestica) und die Bocksfeige (Ficus carica var. caprificus). Die Essfeige besitzt nur noch weibliche Blüten die im Inneren einer krugförmigen Frucht dicht nebeneinander sitzen. Diese Frucht ist nach außen durch winzige Hochblätter verschlossen. Wir kennen diese birnenförmigen oder plattrunden grünen, gelben oder blauvioletten Feigen im Sommer als frische und als getrocknete Früchte um die Weihnachtszeit. Eine Besonderheit ist die selten angebotene getrocknete Feige aus dem persischen Zagros-Gebirge. Vollreif fällt sie vom Baum, wird getrocknet und dient in vielerlei Weise der Ernährung und bei uns z. B. als Knabberei zu Wein und Bier. Feinschmecker lieben sie eingelegt in Whisky oder Cognac.

nach obenFrüchte ohne Befruchtung

Welche Rolle spielt nun die Bocksfeige? Sie bringt männliche und weibliche Blüten, gleich dreimal im Jahr. Aus den befruchteten weiblichen Blüten werden holzige ungenießbare Feigen. Wichtiger sind dagegen die männlichen. Der Blütenstaub dieser männlichen Blüten muss auf die Narben der weiblichen Blüten der Essfeige gelangen. Dies besorgt eine Wespenart, deren Kinderstube die weibliche Frucht der Bocksfeige ist. Auf der Suche nach einer neuen Ablagestelle für ihre Eier gelangt die mit Blütenstaub beladene Wespe in die Blüten der Essfeige und befruchtet sie; jedoch ohne Eier ablegen zu können. Aus diesem Grunde pflanzte man früher in die Ertragsplantagen stets auch Bocksfeigen oder hängte einige Äste davon hinein. Heute ist dieser komplizierte Vorgang nicht mehr nötig, wenn man moderne Sorten bekommt.

Mittlerweile kennt man Sorten, bei denen ohne Befruchtung vollwertige (parthenogenetische) Früchte heranreifen. Nur solche sind bei uns sinnvoll.

Auch bei der Essfeige gibt es meistens drei Generationen von Blüten, von denen die im August reifenden die wertvollsten sind. Dank der intensiven Sonne bilden sich in der Frucht etwa 16 % Zucker. Die frische Frucht ist eine Delikatesse, die jedoch gepflückt nicht lange haltbar ist. Im Sommer sieht man dann Bleche oder Bretter mit Feigen, abgedeckt mit Folie, die in der Sonne zum Trocknen ausgelegt sind.

Welche Rolle die Feige in der Kultur spielte, lässt sich daraus ablesen, dass sie in einigen vorderasiatischen Kulturen Symbol für Wohlbefinden und Fruchtbarkeit wurde. In der frühen Heilkunde schrieb man ihr Wirkung bei Halsschmerzen und Hautkrankheiten zu. Als mildes Abführmittel wird sie heute noch genannt. Wer im Sommer ans Mittelmeer reist, sollte die Augen aufhalten, besonders in Landschaften mit aufgelassenen Gärten und in der Nähe abgelegener Dörfer. Hier kann man die Vielfalt an Sorten genießen. Jedoch sollten die Früchte unbedingt reif, das heißt weich sein. Südländer brechen die Frucht auf und essen nur den inneren weichen Teil der Frucht. Sie sagen, diese Frucht habe alles was man im Laufe eines Tages braucht.

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Bocksfeige, Essfeige, Feige

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