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Obstbaumkrebs

Krebswucherungen treten vorwiegend am Stamm, in Astwinkeln und an älteren Ästen auf.
© May
Krebswucherungen treten vorwiegend am Stamm, in Astwinkeln und an älteren Ästen auf.

Oktober 2005 Über kaum eine andere Krankheit im Obstgarten ist so viel geschrieben worden wie über den Krebs. Mit Recht, denn sein Schaden kann immens sein. Eine tückische Zeit ist der Herbst, wenn durch den Blattfall die vielen kleinen Wunden entstehen, durch die der Keimschlauch aus der Spore fast ungehindert eindringen kann. Diese Erkenntnis veranlasst den Erwerbsobstbau, die "Blattfallspritzungen" mit einem Kupferpräparat durchzuführen. Dadurch wird die große Zahl der Blattnarben geschützt. Besonders wichtig, wenn durch herbstliche Nebel und Niederschläge das Abtrocknen verzögert wird.


nach obenWoher kommen die Sporen?

Der Obstbaumkrebs dringt, wie viele andere Pilze, durch Wunden aller Art in das gesunde Holz ein. Befallen werden die Kernobstarten, vorwiegend der Apfel. Seine Biologie ist sehr interessant, denn im Verlaufe eines Jahres bildet er mehrere Arten von Sporen aus.

Krebssporenlager: Unzählige Sporen werden aus den vielen „roten Kügelchen“ freigesetzt. Daher ist ein restloses Entfernen befallener Holzteile vorzunehmen.
© May
Krebssporenlager: Unzählige Sporen werden aus den vielen „roten Kügelchen“ freigesetzt. Daher ist ein restloses Entfernen befallener Holzteile vorzunehmen.
Am auffälligsten sind die Geschwülste an den dickeren Ästen bzw. am Stamm. Die Ränder der Infektionsstelle versuchen die Narbe zu überwallen. Das kann mehrere Jahre dauern. Im Schutze der Rinde entstehen im Laufe des Herbstes stecknadelkopfgroße dicht beieinander liegende rote Kügelchen. Bei ausreichender Luftfeuchte platzen sie an ihrem Mittelpunkt auf und die für die Infektion so bedeutsamen Schlauchsporen werden herausgeschleudert. Bis ins Frühjahr hinein kann diese Quelle sehr ergiebig sein. Diese Sporen werden durch Regenwasser in die Ritzen von Schnittwunden und Beschädigungen geschwemmt und keimen dort solange die Wunde noch frisch ist. Die Infektionsgefahr einer Wunde nimmt einige Stunden nach ihrer Abtrocknung ab. Daher gilt als eine der wichtigsten Verhinderungsmaßnahmen: Ernten, Schneiden und Pflegen eines Apfelbaumes möglichst bei trockenem Wetter!

Bei erfolgter Infektion beginnt das Wachstum des Myzels, unterbrochen wird es bei niedrigen Wintertemperaturen. Zur Zeit der Knospenschwelle nimmt es wieder zu bis die Langtriebbildung zur Ruhe kommt. Jetzt können aus dem kranken Gewebe die Sommersporen entlassen werden. Häufig sieht man am dünnen Holz absterbende Triebe. Als Ursache findet man eingefallene, aufreißende Rinde mit weißem pilzähnlichen Belag. Hier entstehen die Sommersporen, die die massenhaften Infektionen innerhalb der Krone verursachen. In ungepflegten Bäumen schaukeln sich diese beiden Infektionswege gegenseitig hoch, sodass manchmal die von weitem sichtbaren Baumruinen entstehen. Sie stellen für die benachbarten Pflanzungen eine enorme Gefahr dar.

Nicht vergessen dürfen wir den Befall dieses Pilzes an der Frucht. Diese sogenannte Kelchgrubenfäule entsteht, wenn Sporen durch Wunden oder Lentizellen eindringen. Zuerst entsteht ein Hof mit dunkler Schale, scharf zum gesunden Gewebe abgegrenzt. Im Verlaufe der Lagerung greift die Fäule auf das bisher gesunde Fruchtfleisch über. Typisch ist, dass man das gesamte verfaulte Fruchtfleisch als einen Pfropfen herausdrücken kann. Auf der Schale entstehen winzige weiße Pusteln, aus denen Konidien aufsteigen und wiederum Infektionen verursachen können.

nach obenKrebsanfällige Sorten

Das Sortiment enthält krebsanfällige Sorten: Kaum ein 'Weißer Klarapfel' ohne Krebswunden. Ähnlich die gute alte 'Goldparmäne'. Alle Cox-Verwandten so wie 'Berlepsch' und ganz besonders 'James Grieve'. Unterschiedlich dagegen ist die Regenerationsfähigkeit mancher Sorten. Dabei spielen die Unterlage und der Standort eine Rolle. Schwachwuchsinduzierende Unterlagen und damit verbunden kleine Baumformen haben wenig Aussichten. Hochstämme, besonders wenn sie in den ersten Jahren ungestört wachsen konnten, sind toleranter.

Eine ganz entscheidende Rolle fällt dem Wetter zu. Man spricht von Krebsepidemien, wenn in mehreren Jahren nacheinander krebsfördernde Feuchtwetterperioden mit den hauptsächlichen Infektionszeiten zusammenfallen.

nach obenBekämpfung

Ein gewissenhafter Wundverschluss (hier Lacbalsam) hilft Krankheiten und Schädlinge von der Wunde fernzuhalten.
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Ein gewissenhafter Wundverschluss (hier Lacbalsam) hilft Krankheiten und Schädlinge von der Wunde fernzuhalten.
Welche nichtchemischen Möglichkeiten zur Befallsminderung oder Bekämpfung haben wir? Im Zusammenhang mit der Jahreszeit und der Witterung: Winter- und Sommerschnitt, Bindearbeiten und Ernten sollten an regenfreien Tagen geschehen. Man sagt, 5 bis 8 Stunden nach diesen Eingriffen müssen die Wunden Zeit zum Abtrocknen haben. Danach sind die Chancen für die Sporen gering, erfolgreich keimen zu können. Das Abtrocknen geschieht in lockeren lichtdurchfluteten Kronen schneller.

Bei der Düngung sorge man für ein harmonisches Verhältnis der Nährstoffe zueinander. Stickstoffbetonte Düngung fördert das Wachstum und verzögert damit die Abreife des Holzes.

Schnittwunden mit größerem Durchmesser werden zweckmäßigerweise mit einem scharfen Messer glatt geschnitten und mit Wundverschlussmitteln verstrichen.

Von den chemischen Mitteln haben Kupferpräparate gute Wirkung während des Blattfalls. Kupferspritzungen sofort nach längeren Frostperioden schützen die Frostrisse gegen das Eindringen. Die sich ständig ändernde Zulassungssituation lässt keine langfristige Empfehlung zu. Zur Zeit ist das Cuprozin WP mit dem Wirkstoff Kupferhydroxid zugelassen. Einigen schorfwirksamen Mitteln sagt man eine krebsreduzierende Wirkung nach. Damit kann die Sommerinfektion gedämmt werden.

Rotpustelpilz (Nectria cinnabarina)
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Rotpustelpilz (Nectria cinnabarina)
Der Obstbaumkrebs hat den botanischen Namen Nectria galligena Bres. Außer am Kernobst kommt er auch an mehreren Laubholzarten unserer Landschaft vor. Wir kennen einen Verwandten, den Rotpustelpilz (Nectria cinnabarina), der an Stachelbeeren und Johannisbeeren nicht nur am toten Holz auftritt, sondern auch geschwächtes Gewebe befallen und damit ganze Triebe abtöten kann. Auf totem Holz findet jeder Spaziergänger zum Frühjahr an geschlagenem Holz die typischen roten oder später die rosa gefärbten Pusteln. In der Literatur werden weitere Vertreter dieser Gattung genannt.

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Schlagworte dieser Seite:

Apfel, Johannisbeere, Kernobst, Obstbaumkrebs, Rotpustelpilz, Stachelbeere

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