Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Obst > Archiv (2002 - 2005) > 2005 > Gedanken zur Planung und Vorbereitung einer neuen Pflanzung

Gedanken zur Planung und Vorbereitung einer neuen Pflanzung

September 2005 Während der Ernte und im Herbst kommen die Wünsche zur Erneuerung oder Verbesserung des Obstsortiments. Ursachen hierfür können die altersbedingt kleiner werdenden Früchte oder der Wunsch nach neueren oder besseren Sorten sein. Manchmal sind die zu groß gewordenen Bäume oder eine grundlegende Umgestaltung des Gartens der Grund für Neupflanzungen.


Im Gegensatz zum Gemüse und zu Sommerblumen nehmen Obstgehölze ihren Platz lange ein, früher sogar über Generationen. Angesichts der Kosten für ein junges Obstgehölz guter Qualität sollte man sich vorher gründliche Gedanken über dieses Vorhaben machen.

Bei allen Baumobstarten sollte man von einer Nachpflanzung der gleichen Obstart auf gleicher Stelle absehen. Der nachgepflanzte Baum wird nicht ordentlich wachsen können, da die Wurzeln des vorangegangenen entwicklungshemmende Stoffe im Boden hinterlassen haben. Sie verbleiben über mehrere Jahre, bei Sämlingsunterlagen auch Jahrzehnte im Boden. Dazu kommen noch andere Faktoren, die von der Wissenschaft noch nicht endgültig geklärt worden sind. Ausgeprägt ist diese Erscheinung bei den Mitgliedern der Familie der Rosengewächse, zu denen Stein- und Kernobst sowie Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren zählen. Der Fachmann spricht vom Komplex der Bodenmüdigkeit.

Gelegentlich wird in älterer Fachliteratur angegeben, dass man Steinobst nach Kernobst oder umgekehrt pflanzen könne. Auch hier muss mit Einbußen gerechnet werden. Besser ist ein Auswechseln des Bodens, wenn schwachwachsende Unterlagen benutzt werden. Die Einarbeitung von Kompost, Stallmist und anderen Zusatzstoffen mindert das Problem in dem Maße der zugegebenen Menge.

Zeichen einer guten Bewurzelung sind viele feine Seitenwurzeln. Das trifft auch für die Apfelunterlage M9 (hier) zu.
© Rolf von Soosten
Zeichen einer guten Bewurzelung sind viele feine Seitenwurzeln. Das trifft auch für die Apfelunterlage M9 (hier) zu.
Sehr gute Erfolge hat man mit der Einsaat von Tagetes, der Studentenblume gemacht. Ursprünglich wurde ihr nur eine Wirksamkeit gegen Älchen (Nematoden) nachgesagt. Die vielen Versuche ergaben aber auch eine beachtliche Wachstumsförderung, deren Ursache noch nicht endgültig geklärt ist. Diese Einsaat kostet aber einen Sommer. Ob sie dann ausreichend ist, den Standort eines alten Apfelhochstammes für eine junge Generation Spindel auf M9 vorzubereiten dürfte fraglich sein. Wenn Gehölze auf schwachwachsenden Unterlagen gerodet wurden, kann man bei der Nachpflanzung auf eine etwas stärkere ausweichen. Sicher nicht optimal, aber möglich.

nach obenNicht zu dicht pflanzen

Ein anderer bedeutungsvoller Punkt sind die Pflanzabstände. Im Hausgarten neigt man oft aufgrund der eingeschränkten Fläche dazu zu dicht zu pflanzen. Dichte Pflanzung bedeutet intensive Kulturführung. Das heißt korrekter Schnitt, begrenzte aber kontinuierliche Düngung und gezielter Pflanzenschutz. Wer dazu nicht kommt oder aus Überzeugung nicht gewillt ist, sollte die Abstände größer wählen um dadurch schnelleres Abtrocknen und durch Luftbewegung eine gewisse Vorbeugung zu betreiben.

In wühlmausgefährdeten Gegenden steht als Vorbeugung die Pflanzung in Drahtkörben mit allen Vor- und Nachteilen zur Diskussion. Alle anderen Maßnahmen sind mit einem großen Fragezeichen versehen.

Obstgehölze sind oft schon ab August in den Gartencentern und Baumschulen zu bekommen. Frühe Pflanzung ist wünschenswert, jedoch nicht zu Lasten der Qualität. Früh angebotene Ware, vor allem ballenlose, wird oft zwangsentblättert. Das Laub wird mechanisch entfernt bevor es reif ist. Dabei entstehen Rindenverletzungen, die unerwünscht und gefährlich sind. Man achte beim Kauf darauf, dass die Rinde keine Schäden aufweist und keine Blattstiele mehr vorhanden sind. Allgemein sind der Oktober und November ideal, dann können neue Wurzeln gebildet werden und die Austrocknung im Winter ist kaum möglich.

Das Beerenobst mit Sortenbeschreibungen und einzelnen Etiketten.
© Rolf von Soosten
Das Beerenobst mit Sortenbeschreibungen und einzelnen Etiketten.
Bäume ohne Topf werden einzeln eingeschlagen. Deutlich die gelben Etiketten des Bundes Deutscher Baumschulen (BdB).
© Rolf von Soosten
Bäume ohne Topf werden einzeln eingeschlagen. Deutlich die gelben Etiketten des Bundes Deutscher Baumschulen (BdB).
Einjährige Steinobstgehölze (hier Pfirsich) im Container müssen reichlich einjähriges Seitenholz haben. Sind sie mehrfach angeschnitten, deutet das auf überständige Ware hin.
© Rolf von Soosten
Einjährige Steinobstgehölze (hier Pfirsich) im Container müssen reichlich einjähriges Seitenholz haben. Sind sie mehrfach angeschnitten, deutet das auf überständige Ware hin.
In guten Gartencentern sind die Container im Winter "eingefüttert", d. h. der Topf ist gegen Strahlungsfrost geschützt. So sind die unmittelbar an der Topfwand liegenden Saugwurzeln gegen extreme Temperaturen sicher.
© Rolf von Soosten
In guten Gartencentern sind die Container im Winter "eingefüttert", d. h. der Topf ist gegen Strahlungsfrost geschützt. So sind die unmittelbar an der Topfwand liegenden Saugwurzeln gegen extreme Temperaturen sicher.
Das Angebot an getopfter Ware, Container, nimmt ständig zu. Sie bringt den Vorteil mit, Wurzeln durch das Roden und Pflanzen nicht zu beschädigen. Torfhaltiges Substrat sollte vorher gründlich gewässert werden. Man achte beim Kauf darauf, dass es sich nicht um überständige Ware handelt. Sie ist zwar groß, wächst aber oft nicht so gut an und nicht so gut weiter. Wenn man bedenkt, dass der Baum oder Strauch viele Jahre Freude bringen soll, lege man Wert auf sowohl gute innere als auch äußere Qualität. Die innere lässt sich ablesen auf dem Etikett, das zusätzlich zu Sortennamen und Unterlage den Virusstatus und die Betriebsnummer der herstellenden Baumschule haben sollte. Die Mitgliedsbetriebe des Bundes Deutscher Baumschulen (BdB) sind zu dieser Form der Etikettierung gehalten und werden zudem regelmäßig kontrolliert. Gute Gartencenter beziehen von diesen Betrieben.

Viele Seitenäste mit weiten Astwinkeln ermöglichen den Aufbau einer guten Krone mit früh einsetzenden Erträgen.
© Rolf von Soosten
Viele Seitenäste mit weiten Astwinkeln ermöglichen den Aufbau einer guten Krone mit früh einsetzenden Erträgen.
Strauchbeeren sollten drei bis fünf kräftige Triebe haben, die nur einmal zurückgeschnitten sein sollen. Beim Baumobst achte man auf weite Astwinkel und weit versetzte Triebe. Rindenschäden und gebrochenes Holz sollten nicht toleriert werden. Die teurere Containerware ist der preiswerteren Ware mit "nackter Wurzel" um das Anwachsjahr voraus. Letztere hat aber ihre Vorteile im besseren Einwurzeln am neuen Standort.

In den einschlägigen Katalogen werden zunehmend die "resistenten", "toleranten" und "widerstandsfähigen" Sorten angeboten. Beim Apfel ist die Schorfresistenz am weitesten entwickelt. Es gibt mittlerweile eine große Zahl davon. Damit ist aber nichts über die Anfälligkeit gegenüber anderen Pilzkrankheiten gesagt. Nur wenige Sorten besitzen eine mehrfache Resistenz. Alle resistenten Sorten haben Nachteile. Und diese liegen meistens im Geschmack, im Aussehen oder in der Haltbarkeit. Man achte daher beim Kauf genau auf das Geschriebene, um einer späteren Enttäuschung vorzubeugen. Ein weiterer Wermutstropfen sind Hinweise aus der Praxis, dass die Resistenz nicht immer dauerhaft sein muss.

Pflückwagen mit sechs Großkisten. Seitlich angehängt: die Pflückkörbe.
Apfelernte auf der Obstplantage
Diese Apfelreihe wurde vor zwei Jahren auf einen Boden gepflanzt, der mit Hilfe von Studentenblumen saniert wurde. Im Vordergrund wird für eine Nachpflanzung vorbereitet.
Obstgehölze und ihre Nachpflanzung
Fadenwürmer (Nematoden) treten nesterartig auf. Kranke Erdbeerpflanzen stehen neben gesunden. Eine Bodenkur mit Tagetes und bestimmten Sommerblumen löst das Problem auf Bio-Art.
Was ist los mit den Erdbeeren?

Schlagworte dieser Seite:

Bodenmüdigkeit, Pflanzvorbereitung, Studentenblume, Tagetes, Wühlmaus

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (0)

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2019

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de