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Wie sieht ein moderner Zwetschgenbaum aus?

Zwetschgenbaum
© Rolf von Soosten
Diese Baumform hat sich im modernen Erwerbsanbau etabliert.

Mai 2005 Im Erwerbsobstbau erzwang die Arbeitswirtschaft kleinere Baumformen. Beim Apfel stehen bereits alle modernen Plantagen auf schwachwachsenden Unterlagen. Seit einigen Jahren greift diese Tendenz auch auf die anderen Obstarten über. Kleine Kronen induzierende Unterlagen und dazu passende Baumformen bei den Süßkirschen führen sich im Moment ein. Auch bei den Zwetschgen tut sich etwas.


Zwetschgenbaum - mehrjährig als Spindel
© Rolf von Soosten
Eine mehrjährige Zwetschge als Spindel erzogen. Es fehlen jegliche gerüstaufbauende Äste. Alle Seitenäste im unteren Bereich wurden heruntergebunden. Die typische Form einer Spindel wurde erreicht.
Während wir noch vor etwa zehn Jahren bei der Erziehung der Zwetschgen von Kronen mit drei bis vier gerüstbildenden Seitenleitästen sprachen, unterhalten wir uns heute über mittelstarkwachsende Unterlagen und der Spindel als Baumform.

Die seit vielen Jahren bekannte GF 655/2 steht dabei im Mittelpunkt. Sie wird mit fast allen Sorten kombiniert, nicht jedoch mit Mirabellen. Sie wächst auf allen etwas besseren Böden und der Ertrag setzt früh ein. Ein Problem bleibt die Ausläuferbildung.

Neu im Sortiment ist dagegen Fereley. Sie hat sich auf Standorten mit schweren, tonhaltigen Böden bewährt. Von der neueren 'Ishtara' erwartet man gute Eigenschaften, um die starkwachsenden Sorten noch besser und früher in den Ertrag zu bekommen.

Die stärker wachsenden Unterlagen St. Julien A. Wangenheim und Myrobalane sollten nur auf ganz schwachen Standorten verwendet werden.

Um bei Zwetschgen das Wachstum zu bremsen, sind weite Astwinkel Voraussetzung. Moderne Baumschulen produzieren die Knipbäume, über die bereits berichtet wurde (Ausgabe 6/03). Sie sind für diese Kronenform ideal.

Aber auch Zweijährige mit einjähriger Krone können geeignet sein. Einige Sorten machen als Einjährige ausreichend vorzeitige Seitentriebe, die die gewünschte Aststellung haben.

nach obenMehr binden als schneiden

Zwetschgenbaum - Blick in die junge Krone
© Rof von Soosten
Blick in die junge Krone, in der die Bindungen noch erhalten sind. Sie haben aber ihren Dienst getan, sind daher nicht mehr nötig.
Zwetschgenbaum - Höhenbegrenzung
© Rolf von Soosten
Der Blick in die Spitze zeigt, dass der Mitteltrieb bereits entfernt wurde und so die Spitze abgeleitet wird. Höhenbegrenzung.
Nach der Pflanzung werden alle Äste in die Waagerechte, jedoch nicht darunter gebunden. Den Mitteltrieb lässt man bis zwei Scherenlängen über dem nächsten darunter liegenden brauchbaren Seitenast stehen. Dort wird er eingekürzt. Wir erreichen damit ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wurzel und Trieb und zwischen Holz- und Fruchtbildung. Unterhalb des Anschnittes soll nur ganz kurzes Seitenholz entstehen. Die unteren Äste dürfen ein wenig stärker werden, während die oberen stets nur Fruchtholzcharakter haben sollen. Früh einsetzender Ertrag bremst das Triebwachstum und fördert die Blütenbildung.

In den kommenden Jahren wird man immer wieder bemüht sein, steile Triebe frühzeitig herunterzubinden und dafür zu sorgen, dass die oberen Äste die untere Kronenhälfte nicht überbauen. Zu dicht übereinander sitzende Zweige sind der besseren Belichtung wegen zu vereinzeln. Als Ziel muss uns eine streng pyramidale Spindel vor Augen stehen, deren untere Äste etwas stärker sein dürfen. Je höher die Äste sitzen, um so dünner müssen sie sein. Notfalls muss der eine oder andere Ast zugunsten eines schwächeren verschwinden. Grundsätzlich gilt jedoch: Mehr binden als schneiden. Für Gartenbesitzer mit ästhetischem Auge: Sehr bald nach dem Austrieb sieht man nicht mehr auf die Bänder, sondern auf das frische Blatt!

Je nach Sorten-Unterlagenkombination kann es zu sehr starkem Behang kommen. Im Sinne guter Früchte und eines ausreichenden Neuzuwachses sollte man hier bald nach der Blüte ausdünnen, was bei diesen Baumgrößen kein Problem ist. Es ist sicher anfänglich ungewöhnlich, auch Steinobst auszudünnen. Aber es lohnt sich!

Um den Kronendurchmesser im fortgeschrittenen Alter zu begrenzen, können die stärkeren Äste auf geeignete untergeordnete Fruchttriebe abgeleitet werden. Dasselbe trifft auch für die Spitze zu.

nach obenGute Belichtung ist wichtig!

Zwetschgenbaum - Schnitt und Auslichtung
© Rolf von Soosten
Konsequenter Schnitt und Auslichtung bei einem Baum im Vollertrag sorgen für gut ausgereifte Früchte und eine lange Lebensdauer.
Dem Auslichten kommt in allen Lebensabschnitten eine pflanzenschutzliche Bedeutung zu. In gut belichteten und belüfteten Baumformen kommen Pilzkrankheiten wie Fruchtmonilia, Schrotschuss und andere sowie das Aufreißen der Früchte selten vor, weil nach Niederschlägen die Oberflächen von Blättern und Früchten schneller abtrocknen.

Mittelstark wachsende Sorten eignen sich für die Spindel am besten. Bei starkwachsenden Sorten, wie z. B. die Hauszwetschgen-Gruppe oder die Bühler mit Abkömmlingen lassen sich zwar auch bezwingen, doch es gehört eben etwas mehr Geschick oder Erfahrung dazu. Sorten, die keine ausgeprägte Stammverlängerung bilden ('Ortenauer'), wird man den Behang an der Spitze ausdünnen oder entfernen, denn dieser zieht die Spitze herunter.

Zwetschgen als Spindel gezogen bekommen je nach Sorte und Bodenqualität einen Kronendurchmesser bis etwa 2,5 m. Insbesondere die neueren Sorten, die meist früh mit dem Fruchtbehang einsetzen, eignen sich sehr gut für die Spindel und bieten damit in kleineren Gärten die Möglichkeit, von dieser vielseitig verwendbaren Obstart den Eigenbedarf zu ergänzen.

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Der Blick in die Spitze zeigt, dass der Mitteltrieb bereits entfernt wurde und so die Spitze abgeleitet wird. Höhenbegrenzung.
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